Vor Gericht Das ist der Vater, der seinen eigenen Sohn erstach

Der Blick ist gesenkt, Nikolaus K. wirkt auf der Anklagebank gebrechlich: Doch der Eindruck täuscht. Der 70-Jährige erstach letzten Sommer seinen Sohn. Foto: Berny Meyer

NÜRNBERG Der gelbe Pullover schlackert am Körper des hageren Mannes. Sein Blick ist gesenkt, als er Dienstag früh im Nürnberger Landgericht den Schwurgerichtssaal 600 betritt. Nikolaus K. wirkt gebrechlich. Doch dieser Eindruck täuscht: Seine Ehefrau Lubov nennt den 70-Jährigen, der vor zehn Monaten den gemeinsamen Sohn Sergej (†39) erstochen hat, ein „Monster“.

 

Lubov ist ein russischer Vorname. Er heißt übersetzt „Liebe“. Doch viel Zuneigung bekam die 64-jährige Rentnerin in über 40 Jahren Ehe von ihrem Mann wohl nicht, immer wieder sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen. Die gipfelten letzten Sommer in einem Blutbad. Hat Lubov K. ihrem Mann verziehen? „Er muss zu seinen Taten stehen“, sagte sie gestern vor dem Prozess noch gefasst. Als sie dann im Zeugenstand die Geschehnisse des Juli-Abends erzählen sollte, brach alles aus ihr heraus. Weinend schilderte sie Nikolaus K. als Haustyrann. Immer wieder habe er sie und ihre Kinder geschlagen. Betrunken sei Nikolaus K. gar „wie ein Monster“ gewesen.

Er wollte sich von den Beamten erschießen lassen

Auch am Tatabend war er betrunken, er hatte 1,8 Promille. Als das Familienoberhaupt wieder handgreiflich wurde – seine Frau habe das falsche Essen auf den Tisch gestellt – ging Sergej dazwischen, um seine Mutter zu schützen. Da flippte Nikolaus K. (Anwalt: Martin Kefer) aus: Er rannte in die Küche holte zwei Messer und rammte seinem Sohn mehrfach die 18 Zentimeter-Klinge in den Körper. Sterbend brach der zweifache Vater zusammen. Danach ging Nikolaus K. in den Keller und wollte sich dort umbringen. In dem Moment kamen zwei Polizisten. Mit seinem Messer stürzte er schreiend auf die Beamten zu – um sich von ihnen erschießen zu lassen. Doch die Polizisten konnten ihn überwältigen.

Die Beweise sind eindeutig, doch auf ein Geständnis warteten die Familie und der Richter vergeblich: Der 70-Jährige ließ über seinen Dolmetscher mitteilen, er könne sich „an nichts erinnern“. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

 

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