Vor FCB-Jahreshauptversammlung Fragen und Antworten zur Rückkehr von Uli Hoeneß

Hoeneß will nach seiner erwarteten Rückkehr ins Präsidentenamt wieder die "Abteilung Attacke" bilden. "Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein", sagte er dem kicker. Foto: sampics/Augenklick

Im Audi-Dome findet am Freitagabend (ab 19.00 Uhr) die Jahreshauptversammlung des deutschen Fußball-Rekordmeisters Bayern München statt. Im Mittelpunkt steht die Rückkehr von Uli Hoeneß ins Amt des Präsidenten.

 

München - Uli Hoeneß ist der einzige Kandidat zur Wahl des neuen Präsidenten des FC Bayern, seine Wahl gilt als sicher. Dieter Mayer und Walter Mennekes sollen als Vizepräsidenten fungieren. Karl Hopfner, der Hoeneß nach dessen Verurteilung abgelöst hatte, lehnte das Angebot ab, als "Vize" weiterzumachen.

Wie lange war Hoeneß weg?

Nach seiner Verurteilung am 13. März 2014 "wegen sieben tatmehrheitlicher Fälle der Steuerhinterziehung" zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten legte er am Tag darauf seine Ämter als Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrates nieder. 987 Tage (32 Monate, elf Tage) später wird er zurückkehren und Hopfner ablösen.

Hat Hoeneß seine Strafe verbüßt?

Hoeneß ist nach seiner Haftentlassung am 29. Februar auf Bewährung frei. Sollte er innerhalb des Bewährungszeitraums weitere Straftaten von Gewicht begehen, droht die Vollstreckung der ausgesprochenen Strafe. Seine Steuerschuld inklusive Zinsen von fast 50 Millionen Euro habe er zurückgezahlt, sagte er.

Warum will Hoeneß wieder Präsident werden?

Am 2. Mai 2014 hatte er schon bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung den inzwischen berühmten Satz gesprochen: "Das war's noch nicht!" Hoeneß ist nach wie vor voller Tatendrang und fühlt sich trotz der für ihn schwierigen letzten Jahre noch zu jung fürs Altenteil. Allerdings will sich Hoeneß "nicht sieben Tage die Woche 24 Stunden lang" in die Klubzentrale an der Säbener Straße setzen, wie er dem kicker sagte. Als Bürotage hat er montags, mittwochs, freitags vorgesehen; außerdem möchte er bei den Spielen der Bayern im Stadion präsent sein.

Was wird sich beim FC Bayern unter Hoeneß ändern?

Hoeneß will und wird nach seiner Rückkehr wieder die "Abteilung Attacke" bilden. "Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein, das wird sich nicht ändern, ich werde sicher nicht herumeiern", betonte er. Es wird wieder ein anderer Wind wehen bei den Bayern. Hoeneß gilt als Mann klarer Worte, aber auch als Mann mit Herz und Empathie. Er wird deshalb bemüht sein, den inzwischen global und oft kühl agierenden Münchnern wieder eine menschlichere Facette zu geben. Er will "das Familiäre leben". Hoeneß kündigte zudem an, sich verstärkt um die Jugendarbeit kümmern zu wollen. Auch mit den Basketballern des FC Bayern plant Hoeneß Großes.

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Wird Hoeneß in den Aufsichtsrat der Münchner zurückkehren?

Die Satzung sieht vor, dass der Präsident des e.V. automatisch einen Sitz im Aufsichtsrat erhält. Dieser kontrolliert die AG unter dem Vorsitz von Karl-Heinz Rummenigge. Bislang war der Präsident auch stets zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt worden. Hoeneß strebt dies erneut in Personalunion an, um Einfluss auf den Profi-Betrieb nehmen zu können. Die prominenten Mitglieder des Gremiums haben bereits signalisiert, dass Hoeneß trotz seiner Vorstrafe wieder an die Spitze rücken könnte. Im Januar wählt das Gremium.

Wie wird die Arbeitsteilung zwischen Hoeneß und Rummenigge aussehen?

"Ich denke, dass Karl-Heinz Rummenigge und ich Bayern noch stärker machen. Ich könnte mir vorstellen, dass Karl-Heinz mehr fürs Geld verantwortlich ist und ich fürs Herz", hatte Hoeneß im September mit einem Schmunzeln erklärt. So ganz stimmt das natürlich nicht, auch Hoeneß ist Geschäftsmann. Probleme erwartet Rummenigge aber nicht mit seinem langjährigen Wegbegleiter, obwohl er diesen als "Alpha-Tier" bezeichnete, das bei Meinungsverschiedenheiten schon mal die Türen knallen lasse. "Wir haben ein total intaktes, freundschaftliches, sauberes Verhältnis", sagte Rummenigge der Sport Bild. Es sei "fruchtbar für den Klub", fügte er im Handelsblatt an, "dass wir beide eine eigene Meinung haben".

Hat sich Hoeneß verändert?

Die Zeit in der Haft hat den streitbaren Hoeneß geprägt. Er ist demütiger geworden, lebt bewusster, verbringt möglichst viel Zeit mit der Familie. Er ist aber nach wie vor ein Macher, einer der anpackt und alles versuchen wird, beim FC Bayern ein großes Erbe zu hinterlassen.

 

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