Vor dem Saisonstart in Sölden Ski-Star Felix Neureuther wird rechtzeitig fit

Mit einem Rückstand von 30 bis 40 Trainingstagen geht Ski-Star Neureuther am Wochenende in die neue Saison mit dem Höhepunkt Olympia. Seine Knöchelverletzung war eine große Belastung

 

Sölden - Eine Nekrose ist das Absterben einzelner Zellen oder sogar Glieder am lebenden Organismus. „Das ist etwas”, erzählt Felix Neureuther, „das recht häufig bei älteren Frauen vorkommt. Und genau so habe ich mich gefühlt.” Neureuther ist zwar erst 29 Jahre alt.

Dass der WM-Zweite im Slalom am Sonntag dabei sein kann, wenn auf dem Gletscher über Sölden die Olympia-Saison gestartet wird, ist erst seit wenigen Tagen klar. „Ich bin extrem glücklich”, sagt er, „das Gefühl ist gut, und ich bin fit für den Einsatz.”

Das Gefühl aber war den ganzen Sommer über katastrophal. Ein Routine-Eingriff, bei dem er sich im Juni ein Überbein am linken Sprunggelenk hatte entfernen lassen, hatte alptraumhafte Folgen. In der Wunde nisteten sich Streptokokken ein, totes Gewebe fraß sich immer näher an den Knochen heran – bis es wenige Millimeter davor Halt machte.

Wenn Neureuther, eigentlich eine unerschütterliche Frohnatur, darüber spricht, wird er sehr ernst. Er hat gelitten unter der Trainingspause, ausgerechnet vor der Olympia-Saison, seiner möglicherweise letzten als Ski-Profi. Ein „schönes kleines Scheißding”, nennt er die Wunde am Knöchel. Mit zwei Wochen Pause hatte Neureuther im Sommer gerechnet. Es wurden vier Monate. Die Konkurrenz hat ihm 30, 40 Schneetage voraus.

Kompliziert bleibt die Sache, weil Neureuther dem Knöchel kaum die dringend benötigten Ruhepausen gönnen kann. Wenn er durch die Stangen taucht, herrscht stets ein gewaltiger Druck auf die Wunde. Die Blessur sei „für einen Skifahrer an der blödsten Stelle”, sagt er. Ein Spezialschuh soll den Druck minimieren. „Wenn ich drin bin, geht's”, sagt er. Doch die Polsterung im Ski-Schuh verzögert die Kraftübertragung auf den Ski. Im Feinfühlbereich Skirennsport ist das ein Desaster. Erschwerend kam hinzu, dass er sich Anfang Oktober einen Bänderanriss im rechten Knöchel zuzog.

Irgendwann, sagt Neureuther, „musst du es einfach akzeptieren.” Er mache sich jetzt „keinen Stress mehr” wegen der Verletzungen, mit ähnlicher Einstellung sei er bereits im vergangenen Winter ganz gut gefahren. Heraus kamen drei Weltcup-Siege, eine Leistungssteigerung im Riesenslalom und WM-Silber. „Eine absolute Hammersaison", nennt DSV-Alpindirektor Wolfgang Maier das – und sieht darin eine gewisse Belastung für den Olympia-Winter.

An dessen Ende, das ist der Wunsch des Verbandes und auch von Neureuther selbst, zumindest eine Medaille stehen soll. Wobei: „Ich bin keiner, der sich eine Medaille anschaut und denkt: ’Boah, was bin ich für ein geiler Typ’!”, sagt er: „Das weiß ich auch ohne Medaille.”

 

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