Vor allem bei der AfD Studie: Populistische Ansichten bei rund 30 Prozent der Wähler

Vor allem Anhänger der AfD sind laut der Studie klar rechtspopulistisch eingestellt. (Symbolbild) Foto: dpa

Rund 30 Prozent der Wähler in Deutschland haben laut einer Bertelsmann-Studie populistische Ansichten. Die Partei mit den populistischsten Wählern ist demnach die AfD.

Berlin - Ungefähr ein Drittel der wahlberechtigten Deutschen vertreten laut einer Studie populistische Ansichten. Diese fallen aber eher moderat und nicht radikal aus, wie es in einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung heißt.

"Sie lehnen die Institutionen der Demokratie oder der EU nicht grundsätzlich ab, sondern kritisieren ihr Funktionieren", schreiben die Autoren in ihrem Fazit. Außerdem seien populistische Positionen für die große Mehrheit aller Wahlberechtigten nicht wahlentscheidend.

AfD klar rechtspopulistisch

"Von einer 'Stunde der Populisten' ist das politische Klima vor der Bundestagswahl weit entfernt", sagt Robert Vehrkamp, Demokratieexperte der Bertelsmann Stiftung. Er hat die Studie zusammen mit Christopher Wratil von der Universität Köln geschrieben. Die Befragten sollten bei acht Aussagen angeben, inwieweit sie diesen zustimmten. Dabei ging es unter anderem um die Annahme eines allgemeinen Volkswillens und um Kritik am politischen Establishment.

Mit weniger als 20 Prozent sind unter den CDU-Anhängern der Studie zufolge die wenigsten Populisten. Die Wählerschaft der AfD dagegen ist demnach eindeutig rechtspopulistisch, die SPD in beiden Lagern etwa gleich stark vertreten.

Je gebildeter, desto weniger empfänglich für Populismus

Nach den Erkenntnissen der Stiftung gibt es beim Thema Populismus eine soziale Spaltung. Je geringer die Bildung und je niedriger das Einkommen ist, desto weiter verbreitet sind populistische Ansichten. Am stärksten trifft das auf die Gruppe mit Hauptschulabschluss und einem Monatseinkommen unterhalb von 1500 Euro zu.

"Populisten in Deutschland sind häufig enttäuschte Demokraten, aber keine radikalen Feinde der Demokratie. Im Vergleich zu den USA und Frankreich zeigt sich vor allem, dass in Deutschland die Kritik am politischen Establishment deutlich schwächer ausgeprägt ist", sagt Studienautor Vehrkamp.

Radikale Positionen zögen beim Wähler nicht. Mehr als zwei Drittel der Wähler mit populistischen Einstellungen sind der Studie zufolge für die Mitgliedschaft in der EU, sogar 85 Prozent sind Demokratie-Unterstützer. Aber: Knapp 80 Prozent geht die Erweiterung der EU zu weit und etwas mehr als die Hälfte gibt an, die Demokratie funktioniere in Deutschland "eher nicht" oder "überhaupt nicht."

Für die Studie wurden in drei repräsentativen Umfragen zwischen 2015 und 2017 jeweils mehr als 1.600 Wahlberechtigte interviewt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland.

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