Von wegen müde Munich!!! So rockt Aerosmith den Königsplatz

Ob der Name "Aero-Vederci Baby" wirklich Programm ist? Die Rocker haben jedenfalls extrem viel Spaß an ihrem Job. Und vielleicht überlegen sie es sich ja doch noch einmal anders. Die Bilder vom Mega-Gig auf dem Königsplatz sprechen Bände... Foto: dpa

Eine krachende Rockshow! Aerosmith haben am Freitagabend in München ihre - angeblich letzte - Deutschland-Tournee gestartet. Vor 22.500 Fans zeigten Steven Tyler und Co., dass sie noch lange nicht müde sind. 

München - Soll's das wirklich gewesen sein, "Aero-Vederci, Baby"? So heißt die Tour, mit der sich Aerosmith angeblich vom deutschen Publikum verabschieden. Laut Ankündigung ist das Konzert am Königsplatz ihr letztes in München.

In den Worten von Steven Tyler und Joe Perry klang das zuletzt freilich weniger konkret. Und so großartig wie die Band vor 22.500 Zuschauern auf dem ausverkauften Königsplatz rockte, fühlte sich nichts nach baldigem Ruhestand an. Bevor sie an dem traumhaften Sommerabend loslegte, spielte erst mal als "Special Guest" Foreigner.

Mehr Achtziger Jahre geht nicht: Satter Hall auf der Snare Drum, gleich drei Les-Paul-Gitarren in einer Reihe, ein Frontmann, der den Mikroständer von einer Bühnenseite zur anderen trägt – und beim Hit "Urgent" ein Saxophon. Die Band feiere vierzigstes Jubiläum, sagt Sänger Kelly Hansen, bittet dann aber korrekterweise Mick Jones für ein paar Worte ans Mikro. Der ist nämlich der einzige Musiker der Originalbesetzung.

Seine neuen Kollegen lassen Hits wie "Cold as Ice" aber wie auf Platte daherkommen, der Open Air-Sound ist gut, und Sänger Hansen klingt erstaunlicherweise genauso wie Originalsänger Lou Gramm. Nach den Zugaben, darunter natürlich "I Want To Know What Love Is", werfen die Gitarristen Dutzende Plektren ins Publikum.

Kurz danach bauen die Roadies auf der Bühne eine kleine Wand für Joe Perry: sechs Verstärker, elf große Lautsprecherboxen. Das sollte reichen, um die Maxvorstadt zu beschallen...

Ein Schrei reicht als Begrüßung

Um kurz nach neun schreitet er dann mit Steven Tyler schnurstracks auf die Rampe: Perry im schwarzen Ledermantel und weißen, fast offenen Hemd, mit Mütze und Sonnenbrille, Tyler mit Seidenmantel, hautenger Siebziger-Jahre-Schlaghose um die dünnen Beine und zahllosen bunten Bändern um Hals und Mikrofonständer.

"Let The Music Do The Talking", lass' die Musik sprechen, singt er zum Auftakt, und viel reden wird er tatsächlich nicht. "Munich!!!" schreit er nach dem dritten Song "Cryin" – das muss als Begrüßung reichen. Dieser Hit gab Aerosmith in Deutschland 1993 auf ihre mittelalten Tage einen ordentlichen Superstar-Schub, aber Tyler macht es den Zuschauern schwer mitzusingen.

Er phrasiert lieber mit kurzen Vokalen und bluesig wie Mick Jagger. Der Blues spielt sowieso ein große Rolle an dem Abend: Perry bläst immer wieder heiße Harp-Soli, und Joe Perry zwirbelt rund um die Blues-Pentatonik. Und ist das vielleicht das Geheimnis von Aerosmith? Immer wenn ein Song etwas bombastisch zu werden droht, kommt ein dreckiges Blues-Riff ums Eck.

Diese Killerriffs!

In der Mitte der Show verbeugt sich Joe Perry – von Tyler ausschließlich als "Mr. Joe Fuckin’ Perry" vorgestellt – vor einem großen Blueser: Er singt gleich zwei Songs seines Idols Peter Green, dem Gründer von Fleetwood Mac, "Stop Messin’ Round" und die grandiose ikonische Gitarrennummer "Oh Well". Die spielt Aerosmith in einer turbulenten XXL-Version, mit Harp und langen Gitarrensoli mit knarztrockenem Sound.

Die zweite Strophe übernimmt Tyler: Der ist noch immer gut bei Stimme, vor allem wenn er hoch und laut singt oder noch besser, wie hier: kreischt. Sein Markenzeichen gibt den Songs den besonderen Schub, doch live haben sie ohnehin eine völlig andere Power als auf Platte: "Love in An Elevator", "Rag Doll" und das Beatles-Cover "Come Together" rocken großartig, "Sweet Emotion" mit seinen Killerriffs sowieso.

Nach dem Party-Showdown "Dude (Looks Like A Lady)" können Aerosmith eigentlich keinen mehr draufsetzen, aber sie müssen natürlich nochmal zurück auf die Bühne. Denn einer fehlt ja noch. Und nach der anfangs etwas holprigen ersten Zugabe "Dream On" kommt dann endlich die Mutter aller Aerosmith-Riffs: "Walk This Way".

An dessen Ende stehen Tyler, Perry, Gitarrist Brad Whitford und Bassist Tom Hamilton auf der Rampe, Konfetti regnet über München, Joe Perry spielt Solo. Das könnte ewig so weitergehen, doch irgendwann setzt Dummer Joey Kramer Song und Konzert ein Ende. Tyler nölt ein wenig darüber, und tänzelt dann noch über die Bühne, als schon die Abspannmusik läuft.

Da will einer wohl nicht aufhören – hoffentlich! Auf der Bühne sagt der 69-Jährige jedenfalls kein Wort zum Abschied, von "Aero-Vederci" ist nicht die Rede. Und vielleicht bezogen sich die beiden Worte, die sich Steven Tyler riesig mit rosa Lippenstift auf den Arm geschrieben hatte, ja auf diesen angeblichen Abschied, auf Ruhestand, auf Leiser-Treten. Da stand: "Leck mich".

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