Von Pegida wird uns schlecht! Feine Sahne Fischfilet im Interview

Halsen sich manchmal auch zu viel auf: Feine Sahne Fischfilet (im Boot: Sänger Monchi) Foto: owieole

Feine Sahne Fischfilet haben sich die Lage syrischer Flüchtlinge vor Ort angesehen. Umso größer war daheim dann das Entsetzen über Pegida.

 

Für Feine Sahne Fischfilet bedeutet Punkrock definitiv mehr als nur Musik. Die Jungs aus Mecklenburg-Vorpommern engagieren sich gegen Rechts und müssen sich deshalb mit dem heimatlichen Verfassungsschutz herumärgern, unterstützen die Kurden in Nordsyrien und treten nebenbei an fast jedem Wochenende irgendwo auf. Mit dem neuen Album "Bleiben oder gehen" im Gepäck wird dabei noch mal richtig Gas gegeben. Für Privates bleibt den jungen Musikern also wenig Zeit - da bleibt die Liebe auch mal auf der Strecke, wie Sänger Monchi der Nachrichtenagentur spot on news erzählt.

"Bleiben oder gehen" wirkt nachdenklicher und melancholischer als die Vorgänger. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Monchi: Für "Bleiben oder gehen" haben wir uns im Vergleich zu den anderen Alben die meiste Zeit genommen. Wir haben mehrere Monate neue Lieder geschrieben, sind dann auf einen vorpommerschen Bauernhof gefahren und haben uns dort die Scheune leer geräumt, um nochmal an den Feinschliff der Songs zu gehen. Schlussendlich sind wir dann zwei Wochen lang in das Clouds-Hill-Studio nach Hamburg gefahren und haben dort zusammen mit dem Produzenten Torsten Otto "Bleiben oder gehen" aufgenommen. Vielleicht merkt man deshalb, dass überlegtere Texte und Songs von uns geschaffen wurden, die halt auch viele traurige Momente, die verschiedene Bandmitglieder in der letzten Zeit erlebt haben, wiedergeben. Liebeskummer, die Angst vor dem Tod, das Scheitern an eigenen Ansprüchen und das "Nicht-Perfekt-Sein" liefern ganz einfach genug Stoff für melancholische Phasen auf so einem neuen Album.

Was Mecklenburg-Vorpommern angeht, haben Sie die Frage "Bleiben oder gehen" bislang mit "bleiben" beantwortet. Was hält Sie noch vom Gehen ab?

Monchi: Das ist ein ewiges Hin und Her. Wir präferieren definitiv das Bleiben. Wir leben gerne in MV, in der Nähe unserer Familien, haben Freunde um uns und wir brauchen nur zehn Minuten mit dem Auto bis zum Strand. Jedoch würden wir nie solche Aussagen treffen wie "Wir gehen niemals weg". Das wäre Quatsch. Manchmal ist es sicherlich wichtig, neue Wege zu gehen. Für uns ist jedoch wichtig, dass man vor seiner eigenen Haustür versucht, etwas zu bewegen. Dass man nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern versucht, nach vorne zu gehen. Genau deshalb machen wir unsere Release-Show zum neuen Album beispielsweise in einem 158-Seelen-Dorf in Vorpommern auf einer Burg. Dort etwas reißen, wo sonst nicht so viel geht. Da hingehen, wo es auch mal weh tut und rauskommen aus seiner kleinen Wohlfühlwelt. Das empfinden wir als wichtig.

Wie viel Zeit haben Sie gerade zwischen Musik und Aktivismus für andere Dinge - zum Beispiel die Liebe?

Monchi: Gute Frage. Leider nicht viel. Wir waren in den letzten beiden Jahren sehr viel unterwegs. Im Jahre 2013 beispielsweise an 43 Wochenenden. Das frisst und hat nicht nur schöne Seiten. Meine langjährige Beziehung ist beispielsweise in dieser Zeit vor die Hunde gegangen und sicherlich spielte dieses ständige Unterwegssein dabei eine Rolle. Das mit der Liebe beschäftigt sicherlich jeden von uns aus der Band, denn es ist mit sehr viel Arbeit verbunden, beide Sachen gut unter einem Hut zu bekommen.

Handelt davon auch der Song "Ruhe" vom neuen Album?

Monchi: In dem Lied geht es genau darum, dass viele Menschen sich ständig für irgendwas engagieren, sich selbst aber komplett dabei vergessen und schlussendlich nach ein paar Jahren völlig fertig und am Ende sind. Es kommt uns oftmals so vor, als ob einige Leute sich für die verschiedensten Sachen einsetzen, um in erster Linie aber doch nur vor seinen eigenen Problemen wegzulaufen. Wir meinen das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern es ist auch als Selbstkritik an uns gemeint. Aufpassen, mal die Ruhe genießen, sich schöne Momente schaffen fernab von den ganzen abgefuckten Sachen, die auf der Welt passieren - Auch wir müssen uns das oft ins Bewusstsein rufen, dass dies wichtig und schön ist.

Um wen geht es in dem traurigen Stück "Warten auf das Meer"?

Monchi: Um einen Menschen, der unserem Gitarristen sehr nahe steht und um die krasse Angst, dass diese Person stirbt. Dieses Lied wurde genau in der Situation geschrieben, als unser Gitarrist Christoph die Angst hatte, dass dieser für ihn sehr besondere Mensch bald sterben wird.

2015 sind Sie unter anderem für Rock am Ring/Rock im Park angekündigt. Spielen Sie gerne auf großen Festivals oder lieber in den Clubs?

Monchi: Beides hat seine Vor- und Nachteile. Bei großen Festivals kann man den anderen Bands, während sie spielen, ihr Bier klauen, wenn man keins mehr hat und man spielt mit Bands wie Motörhead zusammen, was für uns vorpommersche Hinterwäldler geil und absurd zugleich ist. Bei den Clubshows kann man nach den Konzerten geiler feiern, da dort dann oft noch alte Bekannte, Freunde etc. am Start sind. Im Endeffekt bleibt dahingehend zu sagen: Beides affengeil! Wir gehen ab Januar auf "Bleiben oder gehen"-Albumtour und freuen uns gerade extrem darauf. Viele Orte sind schon Wochen vorher ausverkauft und so sind wir gespannt auf das, was noch kommen mag auf unserer Clubtour.

Sie sind überhaupt viel unterwegs, wie bekämpfen Sie den Tourkoller?

Monchi: Das wüssten wir auch gerne. Bisher haben wir uns noch nicht gegenseitig umgebracht. Knallen tut es zwischen uns schon mal und wir denken, dass das auch gut ist. Nur "Harmonie" ist ja was Schreckliches. Dafür sind wir ja schon lange Freunde und kennen uns seit der Schule, so dass man nicht groß noch zwei Wochen lang rumheult, wenn es mal untereinander knallt. Man lernt ganz einfach die Stärken und Schwächen des jeweils anderen sehr gut kennen. Und wenn gar nichts mehr geht, hetzen wir einfach gemeinsam über andere Bands, die wir Scheiße finden. Die Verachtung von Idioten - die noch größere Idioten sind als wir - schweißt uns dann zusammen.

Sie haben einen Transport von Hilfsgütern in die Nähe von Kobane begleitet und einige Flüchtlingslager besucht. Was hat Sie dort besonders bewegt?

Monchi: Die Faschisten des IS haben tausende Menschen umgebracht, zigtausende mussten fliehen. Und wenn man dann in einem Flüchtlingslager steht und mit den Menschen redet und diese immer noch kämpferisch davon sprechen, dass der IS aus Kobane vertrieben und man gegen die Faschisten gewinnen wird, dann sind das beeindruckende Momente. Wenn man sieht, wie die Leute sich unter widrigsten Umständen selbst organisieren und selbst in den Flüchtlingslagern in Zelten beispielsweise schon Schulen für die Kinder errichteten, dann ist das etwas, das hängen bleibt. Wenn man dann nach Hause kommt und sieht, dass in Dresden nahezu 20.000 Menschen auf die Straße gehen um gegen Flüchtlinge und in erster Linie Muslime zu hetzen, dann wird einem schlecht.

Sie wurden nun schon drei Mal ausführlich im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns erwähnt. Beim ersten Mal gab es für die Beamten noch einen Geschenkkorb für die "Werbung". Wie gehen Sie inzwischen mit dem Ganzen um?

Monchi: Wir haben nicht das Bedürfnis, von einer Behörde gemocht zu werden, die jahrelang Nazistrukturen finanzierte, aufbaute, unterstützte und auch weiterhin, wie beispielsweise beim NSU-Verfahren, der Aufklärung dieser rassistischen Mordserie im Wege steht und scheinbar nichts anderes zu tun hat, als Akten zu schreddern.

Fast genauso oft wie der Verfassungsschutz wird Pfeffi mit Ihnen in Verbindung gebracht. Woher kommt die Vorliebe für den grünen Schnaps?

Monchi: 3,69 Euro im Penny sind unschlagbar. Sollten wir mal reich sein, trinken wir nur noch Sex on the Beach.

 

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