Von "Kommissar Rex" zu "James Bond" Christoph Waltz reizt das Scheitern

Ende dieses Jahres wird Christoph Waltz den Gegenspieler von James Bond mimen Foto: Joel Ryan/Invision/AP

Zwei Oscars kann Christoph Waltz schon sein Eigen nennen. Doch nicht das Gewinnen reizt den gebürtigen Wiener, sondern das genaue Gegenteil.

 

München - Den Aufstieg von Christoph Waltz (58, "Django Unchained") als kometenhaft zu bezeichnen, scheint beinahe eine Untertreibung. Von kleinen Gastrollen in TV-Serien wie "Kommissar Rex" und "Derrick" spielt er inzwischen nicht nur an der Seite der ganz Großen seiner Zunft, er selbst gehört ihnen an. Im Interview mit dem Magazin "stern" spricht der gebürtige Wiener über seine Art, an Rollen heran zu treten, kritisiert aber auch die Entwicklung, welche die Filmbranche eingeschlagen hat.

Wer bereits zwei Oscars sein Eigen nennt, muss etwas von seiner Profession verstehen. Aber Christoph Waltz weiß auch, dass es nicht immer nur nach oben gehen kann, es sogar gar nicht darf: "Steigern als Schauspieler ist schwierig, weil es irgendwann hysterisch werden kann. Ich strebe etwas anderes an, indem ich Vielfalt versuche. Dabei war ich auch in Filmen zu sehen, auf die man herunterschauen könnte, bei denen manche gefragt haben, ob ich das schon nötig hätte. Ich wollte eben so viel wie möglich ausprobieren."

Von wegen immer nur Bösewicht

Wie sehr es Waltz missfällt, in Schubladen gesteckt zu werden, macht er kurz darauf deutlich: "Ich versuche, mich nicht zu wiederholen. (...) Wobei mir oft die Frage gestellt wird, ob ich eigentlich nur Bösewichte kann. Eine Frage, die mir wahnsinnig auf die Nerven geht, weil niemand auf die Nuancen und die Unterschiede der Rollen achtet, die aber entscheidend sind."

Einmal in Fahrt, knüpft sich Waltz die generelle Kino-Entwicklung vor, allen voran den Hang vieler Filmemacher, auf 3-D-Effekte zu setzen: "Ich halte von 3-D-Kino überhaupt nichts, es ist absolut sinnlos. Es dient ja nur dazu, dem Zuschauer Dinge entgegenzuschmeißen. Und das ist völlig falsch gedachtes Kino. Ein Film soll einen in ein Geschehen und eine Geschichte hineinziehen. 3-D macht genau das Gegenteil, es wirft einen wieder heraus und gleich noch einen Haufen Zeug hinterher."

Der Trailer verrät bereits den kompletten Film

Zudem ist ihm die moderne Weise der Film-Werbung ein Graus, da dem Zuschauer so unweigerlich der Zauber eines Films abhandenkommt. "Ich finde, der heutige Kinobetrieb nimmt dem Zuschauer zu viele Überraschungen. Schauen Sie sich mal die Trailer an. Da wird in zwei Minuten schon alles verraten, der Film zeigt dann nur noch die langweiligen Stücke dazwischen."

Seine Rollen spielt er mit derartiger Inbrunst, dass die Frage gestattet sein muss, ob er sich im Privatleben überhaupt noch von ihnen trennen kann. Mit diesem Schnitt habe er allerdings keinerlei Probleme, denn "was ich mache, ist ja Arbeit und keine Geisteskrankheit", so Waltz. "Wenn ich abends nach Hause gehe, ist die Arbeit vorbei. Im Theater ist es gar nichts Ungewöhnliches, dass einer vier oder fünf Rollen in verschiedenen Stücken spielt, die gleichzeitig im Repertoire sind."

Willkommenes Scheitern

Auch die Gefahr, sich in der Traumfabrik mehr aufzuhalsen, als er bewältigen kann, fürchtet Waltz im "stern"-Interview nicht, ganz im Gegenteil: Er begrüßt das potenzielle Scheitern sogar: "Das ist keine Gefahr, sondern das Großartige daran. Ich kann ja nie vorhersehen, ob ich eine Rolle bewältige oder nicht, und das ist Teil der Attraktion hier. Natürlich kann man auch scheitern und springt hier schnell über die Klinge. Aber es ist wenigstens möglich, verstehen Sie. Woanders geht ja beides nicht. Und das fasziniert einen."

Um eines geht es ihm bei all seinem Erfolg aber laut eigener Aussage nicht: Auszeichnungen. Denn "Preise sind überbewertet, wenn sie das einzige Ziel sind", weiß Waltz. "Natürlich sind sie ein Ansporn, als Anerkennung und Wertschätzung der Arbeit. Aber Preise sind auch berechenbar. Sie können eine Checkliste machen, und wenn bestimmte Elemente dabei sind, ist so ein Preis fast sicher."

Doch so analytisch er all diese Dinge betrachtet, bei einem Thema gerät er ins Schwärmen, nämlich seiner Zusammenarbeit mit Roman Polanski für dessen Film "Gott des Gemetzels": Es war ein grandioses Erlebnis, speziell mit Polanski, auch wenn der vielleicht nicht jedermanns Fall sein mag. Mit Polanski zu arbeiten ist einmalig, weil einfach alles, alles stimmt. Der Mann dreht seit 60 Jahren Filme, da gibt es keine unüberlegte Sekunde und keine Zufälle. (...) Wenn Polanski mal nicht recht hatte, hatte er trotzdem recht, weil er einfach zu genau weiß, wie's geht."

 

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