Volker Schlöndorff über die Berlinale 2014 Der innere Zweikampf

Margarethe von Trotta und Rainer Werner Fassbinder in Schlöndorffs "Baal" von 1969. Foto: Volker Schlöndorff/Weltkino Filmverleih

Volker Schlöndorff über seine Erlebnisse bei der Berlinale, über das Festival im Allgemeinen und die Wiederaufführung seines "Baal"-Films im Besonderen

 

Gleich mit zwei Filmen war Volker Schlöndorff bei der diesjährigen Berlinale in Special-Screenings vertreten: mit seiner aktuellen Verfilmung von Cyril Gelys Theaterstück "Diplomatie", gedreht mit den französischen Stars André Dussollier und Niels Arestrup, sowie mit der restaurierten Fassung seiner Filmadaption von Bertolt Brechts  "Baal". In dem Film von 1969 spielt Rainer Werner Fassbinder die Hauptrolle. Die Nebenrollen besetzte Schlöndorff mit einigen Darstellern aus dem Fassbinder-Kreis, darunter Hanna Schygulla und Irm Hermann. Für das Gespräch in der VIP-Lounge im Grand Hyatt Hotel bestellt sich Schlöndorff erstmal einen Whiskey und spricht dann ganz entspannt von der Berlinale und seinem eigenen Kino-Erlebnis mit "Baal".

Herr Schlöndorff, wie ist für Sie die Berlinale verlaufen?

Sehr gut. Ich habe keinen einzigen Film gesehen, weil ich mit meinen beiden Filmen hier unterwegs war. Dabei ist mir erst nachträglich bewusst geworden, wie gefährlich das war, weil ich im Grunde gegen mich selbst angetreten bin, der junge Regisseur von „Baal“  gegen den alten von „Diplomatie“. Ich habe das Gefühl, dass es Gott sei Dank unentschieden ausgegangen ist.

Was halten Sie insgesamt von dem Festival?

Ich finde die Berlinale immer ganz toll. Ich denke dabei besonders an die ganzen Regisseure:  Es gibt so viele Filme heute, und kaum einer hat die Chance, entdeckt zu werden. Wir vor 40 Jahren waren gerade mal ein Dutzend und haben uns sozusagen den Wanderpokal gegenseitig zugereicht. Und jetzt sind es Hunderte! Sich da durchzusetzen, da braucht es so ein Ereignis wie die Berlinale, wo viele Leute viele Augen offen haben und sagen: Der oder die, das ist die nächste große Entdeckung.

Sie wohnen in Potsdam. Besuchen Sie die Berlinale jedes Jahr?

Ja, wobei ich aus zwei Gründen herkomme: Erstens aus Neugier und zweitens aus Anstand. Wenn so viele Leute aus dem Ausland nach Berlin kommen - und dasselbe habe ich früher vom Filmfest München gesagt -, dann hat man die Pflicht, dass man sich als Gastgeber fühlt und die Gäste willkommen heißt.

Wie war es für Sie, „Baal“, der ursprünglich fürs Fernsehen produziert worden war, auf einer großen Leinwand zu sehen?

Ich habe tatsächlich den Film hier auf der Leinwand erst richtig entdeckt.  Vorher habe ich monatelang an der Restaurierung gearbeitet, aber da weiß man ja nicht, ob das Ergebnis dilettantisch oder großartig ist. Erst in dem Moment, wenn der Film gezeigt wird und das Publikum im Saal reagiert, weiß man, ob der Film lebt oder ob er Schrott ist. Ich war hier vollkommen überrascht: Die Reaktionen waren sehr positiv. Viele haben gesagt, heute könnte man so einen Film nicht mehr machen, aber er wirkt wie neu! Dank der Kraft von Fassbinder, aber auch der anderen Darsteller. Auch meine Ex-Frau, Margarethe von Trotta, habe ich mit dem Publikum ganz neu gesehen. Ich wusste gar nicht mehr, wie groß ihre blauen Augen waren.

Wird der restaurierte "Baal" nach München kommen?

Ja, er wird demnächst auf Tour gehen. Im März zeigen wir ihn im Arri.

 

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