Vierter Jahrestag der Tat Isarmord an Domenico: Und noch immer keine Spur

Der Tatort heute: Hier starb Domenico L. (kleines Foto) am 28. Mai 2013. Foto: job

Am Sonntag jährt sich der "Isarmord" zum vierten Mal – alle Bemühungen, den Mörder zu fassen, hatten keinen Erfolg. Ein Stachel in der Statistik der Münchner Polizei.

 

Ein Mann sitzt neben der Erhardtstraße unter der blühenden Kastanie auf einer Bank und isst eine Brotzeit. Von gegenüber dröhnen die Presslufthämmer vom Deutschen Museum. Spaziergänger und Fußgänger eilen achtlos vorbei.

An der Kastanie, unter der der Mann sitzt, waren jahrelang Fotos von Domenico L. befestigt, auch Zeitungsausschnitte, Briefe und Fahndungsplakate hingen hier. Im Gras vor dem Baum lagen Blumen und Grablichter.

Heute erinnert hier nichts mehr an den jungen Ingenieur, der am 28. Mai 2013 kaltblütig vor den Augen seiner Verlobten (28) erstochen wurde. Fast scheint es, als sei er vergessen. Doch das stimmt nicht. Nur wenige Verbrechen haben sich so ins kollektive Gedächtnis der Münchner gegraben wie dieses. "Bei uns gehen auch heute noch Hinweise aus der Bevölkerung und von Behörden ein", sagte Polizeisprecherin Claudia Künzel am Freitag.

Für die Münchner Mordkommission ist das ungeklärte Verbrechen ein schmerzhafter Stachel in ihrer sonst sehr erfolgreichen Statistik. Trotz enormen Aufwands ist es ihr bis heute nicht gelungen, den Täter zu fassen, der Domenicos Verlobte beim Vorbeifahren grundlos ins Gesicht gespuckt hatte und Domenico L. († 31) einfach niederstach, als dieser ihn zur Rede stellen wollte.

Über 5800 Männer gaben eine Speichelprobe ab

Gerade mal zwei Beamte befassen sich derzeit bei der Mordkommission in der Hansastraße noch mit dem Fall. In ihren Hochzeiten hatte die Sonderkommission Cornelius rund 30 Mitarbeiter. Es ist frustrierend für die Ermittler, der Fall gilt als so gut wie ausermittelt. 686 Emittlungsspuren wurden angelegt und größtenteils abgearbeitet. Fast 16.000 Menschen wurden überprüft, mehr als 5800 Männer gaben eine Speichelprobe ab.

Der "Isarmord" war mehrmals in der Sendung "Aktenzeichen XY..." sowie in italienische Formaten, er diente zudem in abgewandelter Form als Vorlage für TV-Krimis, was dazu führte, das die Medien immer wieder über den Fall berichteten. Doch zum Täter führte all das bis heute nicht. Auch die Auslobung von 10.000 Euro Belohnung brachte nichts.

Es gibt nicht all zu viele Erklärungen, warum der Täter nicht zu fassen ist. Als sicher gilt, dass es zwischen Mörder und Opfer keine Verbindung bzw. Beziehung gab. "Ich kann es mir nur so erklären, dass er nicht von hier war und dass er sofort nach der Tat wieder abgereist ist", sagt ein Ermittler. Aufgeben wird die Mordkommission nie. Claudia Künzel: "Sobald es neue Ansätze gibt, wird die Ermittlungsgruppe sofort wieder aufgestockt."

 

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