Vierschanzentournee Ammanns Traum erneut geplatzt: "Die Tournee mag mich einfach nicht"

Der Traum vom Tournee-Sieg erfüllt sich für Simon Ammann auch in diesem Jahr nicht. Der viermalige Olympiasieger verpasste in Oberstdorf nach einem Sturz den zweiten Durchgang und war anschließend untröstlich.

 

Oberstdorf - Nachdem sein letzter großer Titeltraum schon wieder geplatzt war, machte Simon Ammann keinen Hehl aus seiner tiefen Enttäuschung. "Die Tournee mag mich einfach nicht", sagte der viermalige Skisprung-Olympiasieger. Eine bittere Bruchlandung nach dem ersten Sprung kostete den Schweizer in Oberstdorf früh die Chance auf den lange ersehnten ersten Gesamtsieg. Auch im 17. Anlauf kann der Schweizer keinen Frieden mit der Vierschanzentournee schließen.

Zunächst sah es so aus, als würde er den Sprung auf 133 Meter gewohnt routiniert stehen und sich locker für den zweiten Durchgang qualifizieren, doch dann kam der 33-Jährige ins Straucheln. "Bei der Landung im Neuschnee bremste es meine Ski, die ganze Last lag dann auf dem linken Fuß", sagte Ammann: "Ich konnte mich nicht halten und musste mich hinlegen." Aber immerhin: "Es ist mir nichts passiert."

Ammann verpasste das Finale, in der Gesamtwertung ist er als 34. mit 182,8 Punkten Rückstand auf den Österreicher Thomas Kraft völlig chancenlos. Dabei hatte er noch vor wenigen Tagen mit einem Triumph geliebäugelt. "Ich habe meinen Frieden geschlossen mit der Tournee", hatte der Toggenburger gesagt. Immerhin hatte er im Vorjahr noch in Oberstdorf gewonnen.

Doch am Montagabend stapfte Ammann mit Neuschnee am ganzen Sprunganzug tief enttäuscht aus dem Auslauf und brauchte zunächst ein paar Minuten für sich, ehe der üblichen Interview-Marathon absolvierte. Es sei "schwer zu beschreiben" wie er sich jetzt fühle, diktierte der Ex-Weltmeister in die Blöcke der Journalisten: "Ich habe schon viele Enttäuschungen erlebt, andererseits ist es nicht schön, den Start so zu erleben. Ich brauche Zeit, um das zu verarbeiten."

Die Erwartungen an den 23-maligen Weltcupsieger waren enorm, schließlich hatte er Ende November gleich doppelt im finnischen Kuusamo gewonnen und war bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg/Schweiz Zweiter geworden. Zeitweise trug er in diesem Winter das Gelbe Trikot des Gesamtweltcupführenden und war so unweigerlich einer der Favoriten für die Tournee, bei der er schon jeweils zwei Mal die Plätze zwei und drei belegt hatte.

Für den frisch gebackenen Vater - Tochter Théodore kam Mitte Oktober zur Welt - geht das Warten auf den Tourneesieg nun weiter. Wie viele Versuche der Skiflugweltmeister von 2010 noch unternehmen wird, um die von ihm zu bezeichnete "Knacknuss" zu öffnen, bleibt fraglich. Nach Olympia in Sotschi hatte er kurz über einen Rücktritt nachgedacht, das aber schnell wieder verworfen und im Scherz schon davon gesprochen, noch bis zu den nächsten Winterspielen 2018 in Pyeongchang weitermachen zu wollen.

Tournee: Kaum Kritik nach Abbruch in Oberstdorf

Bei Olympia 2002 in Salt Lake City war "Simi" wie aus dem Nichts aufgetaucht und hatte die Szene mit seinen beiden Siegen düpiert. 2010 in Vancouver holte er die Olympiasiege Nummer drei und vier - es sollen nicht seine letzten großen Titel bleiben.

 

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