Vierjährige Wanderung Ein Bayer auf Reisen: Vom Isartor nach Tibet – zu Fuß

Gut, eine kurze Strecke legte Meurisch auch reitend auf einem Yak zurück, wie dieses Bild zeigt. Foto: privat

Dort gab es zur Belohnung einen Ritt auf dem Yak. Ganz ohne Geld legt Stephan Meurisch die Wanderung durch 13 Länder zurück. Wer ihm geholfen hat, wo es am schönsten war.

 

Inkofen - Stephan Meurisch (36) lebt heute in Inkofen in Haag an der Amper. Doch hinter dem 36-Jährigen liegt eine unglaubliche Reise. Unterwegs in der Natur war er schon immer viel. Als er 2009 auf dem Jakobsweg wanderte, fasste er den Entschluss, auszuprobieren, wie weit er zu Fuß und ohne Geld kommt. Als Ziel wählte er Tibet.

Aus dieser fixen Idee wurde eine vierjährige Wanderung – und er musste in all der Zeit nur acht Mal sein Zelt aufbauen. Sonst kam er bei freundlichen Menschen unter, die ihn für oder oft auch ohne Mithilfe aufnahmen.

Zum Abschied gibt's eine Butterbrezn – geschenkt!

Eigentlich hatte er nur zwei Jahre für die Riesenwanderung eingeplant. Doch der heute 36-Jährige ließ sich auf Umwege ein, die ihm Einheimische empfahlen und blieb in Rumänien und der Türkei drei, in Indien sogar vier Monate. Von 2012 bis 2016 lief er mit seinem 30 Kilo schweren Rucksack immer Richtung Osten durch 13 Länder und zwei Kontinente – bis nach Tibet.

"Anfangs wusste ich nicht, ob das überhaupt funktioniert und natürlich machte ich mir Gedanken darüber, was passiert, wenn ich krank werde." Dennoch plante er weiter, berechnete, dass er täglich 16 Kilometer schaffen könnte – und kündigte alle Versicherungen und seine Wohnung. Nur eine Auslandskrankenversicherung schloss er ab.

Als er nach einem Jahr kein einziges Mal krank war, verlängerte er sie aber nicht mehr. "Wenn man das tut, was einem Spaß macht, dann wird man nicht krank", ist Meurisch überzeugt.

Am Tag nach seinem Geburtstag sollte es losgehen. Hungrig und müde von der Feier habe er am Isartor gestanden, erinnert er sich. In einer Bäckerei erzählte er, ohne Geld bis nach Tibet zu laufen – da gab’s die Butterbrezn geschenkt.

Die erste Nacht verbrachte Meurisch in einem Wirtshaus in Forst-inning. Der Wirt lud ihn ein, umsonst zu übernachten und zu essen, denn er habe selbst immer davon geträumt, die Welt zu erkunden. Gewagt hat er es aber nie. Mit dem Mann ist er noch heute befreundet, erzählt Meurisch.

Nach drei Tagen überschritt der Wanderer die Grenze zu Österreich. Die ersten beiden Wochen unterwegs waren sehr strapaziös. Die 30 Kilo auf seinem Rücken hätten gnadenlos gedrückt. Viel zu viel habe er eingepackt, sagt er, aber es habe ihm Sicherheit gegeben, für jede Gelegenheit ausgerüstet zu sein. Nach zwei Wochen hatte sich der Körper an die Last gewöhnt – "dieses Gefühl lernen die meisten Wanderer gar nicht kennen", sagt Meurisch. Sein Weg führte ihn immer Richtung Osten.

Wenn er in ein Dorf kam, lauschte er, ob irgendwie Hammerschläge oder eine Säge zu hören waren. Dort bot er seine Arbeitskraft für Kost und Logis an. Die Verständigung klappte mit Händen und Füßen. Dort, wo er länger blieb, lernte er Brocken der Sprache. Gefürchtet hat er sich während der vier Jahren nie, sagt Meurisch. Drei Monate hielt es ihn in der Türkei, dann überquerte er die Grenze zwischen Europa und Asien im neuen Eisenbahntunnel unter dem Bosporus. Gewohnt war er aus der Türkei wenig Alkohol und viel Tee – in Georgien kam dann der Schock: Dort tranken die Menschen viel Selbstgebrannten aus Wassergläsern. Aber das Land sei "superschön".

Der Endpunkt der Reise wird zur Enttäuschung

Bis dahin hatte Meurisch ohne Probleme Grenzen passiert, das wurde im Iran anders. Nur maximal 90 Tage durfte er mit einem Touristenvisum, das er alle 30 Tage verlängern musste, bleiben.

Die Menschen im Iran seien sehr froh, jemanden von außerhalb ihres Landes zu treffen, um Nachrichten aus dem Ausland zu erfahren. Ein Land – wie auf einem anderen Planeten – sei aber Indien gewesen. Die Menschen hätten keine Privatsphäre, schildert Meurisch. Der Endpunkt seiner Reise, Lhasa, wo er sieben Tage blieb, sei unerfreulich gewesen, denn er durfte sich nie ohne seine chinesische Aufpasserin bewegen. Das sei ihm nach vier Jahren freiem Wandern sehr schwergefallen, schildert Meurisch.

Drei Wochen lang ging es dann auf Lastwagen zurück ins Ampertal. Aber er blieb nicht lange sesshaft: Danach war der 36-Jährige ein Jahr in Deutschland, Frankreich und in Spanien auf dem Jakobsweg unterwegs.

Aber jetzt, jetzt ist es genug. Meurisch lebt in Inkofen, gibt seine Erfahrungen als Coach weiter. Außerdem arbeitet der Globetrotter wieder bei einem Münchner Outdoorausrüster und kann auch dort vom Erlebten profitieren.

In Bildervorträgen berichtet der Inkofener über seine vierjährige Wanderung, zum Beispiel am Donnerstag, 5. April, um 19 Uhr im Theatersaal der Grundschule in Haag an der Amper.

Lesen Sie auch: Fränkische Spezialitäten - direkt am Jakobsweg!

 

4 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading