"Vertraue meinen Spielern" So läuft's mit Bieros Wiesn-Kodex

, aktualisiert am 11.09.2017 - 17:38 Uhr
Pikantes Detail: "Münchens große Liebe" steht auf der Innenseite des Verschlusses der Lederhosen des TSV 1860. Foto: pm

Löwen-Trainer Daniel Bierofka erlaubt den Spielern, das Oktoberfest zu besuchen. Mit klaren Auflagen. "Sie kennen meine Regeln", sagt der Coach und macht klar: "Ich habe die Härte von Werner Lorant!"

München - Hendrik Bonmann war sichtlich überfordert. Der Löwen-Neuzugang, von Borussia Dortmund gekommen, in Essen geboren und mitten im Pott aufgewachsen, erlebt in diesen Tagen, was es heißt, wenn in München die Wiesn ansteht.

Als sich der neue Kollege Christian Köppel, in München geboren und aufgewachsen, ein Paar Loferl anzog, fragte der ehemalige BVB-Profi ungläubig: "Was ist denn das? Das habe ich noch nie gesehen." Anschließend schlüpfte der 23-Jährige in eine viel zu große Lederhose. Kurz darauf hatte er seine allererste Wiesn-Einkleidung bei "Angermaier Trachten" mit den Löwen hinter sich.

Die Lederhose mit pikantem Detail, dem gestickten Schriftzug "Münchens große Liebe" im Verschluss, darf er am Dienstag, 26. September, ausführen, wenn es für die gesamte Mannschaft auf die Theresienwiese geht.

"Die Stimmung in der Stadt ist besonders", meinte Coach Daniel Bierofka zum Oktoberfest – und hat einen Wiesn-Knigge aufgestellt. Ergo: Wer sich nicht im Zaum hält, spielt nicht. "Die Spiele stehen ganz klar im Fokus", sagte der 38-Jährige: "Klar dürfen die Spieler über die Wiesn gehen. Verbieten kann ich es ihnen eh nicht, sie würden ja trotzdem gehen. Sie kennen aber meine Regeln."

Bierofka: "Vertrauen ist das Wichtigste"

Anders gesagt: Wer nicht in Maßen, sondern in Massen trinkt, darf sich auf eine zünftige Ansage gefasst machen. Und auf einen Platz auf der Bank.

Bierofka meinte jedoch, dass er den Charakter der Mannschaft kenne, "von daher mache ich mir da nullkommanull Sorgen", erklärte der Löwen-Trainer. "Ich vertraue meinen Spielern, Vertrauen ist das Wichtigste."

Er selbst habe sich für die Wiesn nur drei Termine vorgenommen, erzählte der einstige Bundesliga-Profi. "Einmal gehe ich mit meinen Kindern drüber, dann bin ich einmal mit der Mannschaft draußen und noch einmal mit den Eltern."

Gute Laune bei der Wiesn-Ankleidung

Bei der Anprobe scherzte Bierofka gut gelaunt, reihenweise. "Ich habe immer noch Fußballer-Wadeln. Von den Loferln schnürt es mir das Blut ab", meinte der Sechzig-Coach zu den weiß-blauen Waden-Wärmern und sagte dann schmunzelnd zu der matt-grauen Trachtenweste: "Sie passt mir nicht. Ich habe bei dem ganzen Stress der vergangenen Wochen abgenommen."

Wie er die Mannschaft der Sechzger in der fünften Jahreszeit zähmen kann, dürfte er sich auch bei Ex-Trainer Werner Lorant abgeschaut haben. "Ich habe die Härte von Lorant mitgenommen. Sowohl die Härte nach innen als auch nach außen", erklärte er. "Und diese bedingungslose Gier, Spiele unbedingt gewinnen zu wollen, egal welches."

Während der Wiesn müssen die Sechzger "auswärts" in Heimstetten beim Tabellenletzten FC Unterföhring (23. September) ran, zu Hause im Grünwalder Stadion im Topspiel gegen den 1. FC Schweinfurt (30. September) und wieder in der Ferne bei Aufsteiger VfB Eichstätt (3. Oktober).

Nicht nur beim Coach war die Stimmung mit Blick auf das Oktoberfest – und die Tabelle – prächtig. Hin und her veräppelten sich die Löwen-Spieler bei der Einkleidung. "Gibt’s di a in schee?", fragte Keeper Alexander Strobl Köppel in seinem geschmeidig österreichischen Dialekt.

Der Außenverteidiger wiederum foppte Kodjovi Koussou, der Unterstützung von Routinier Sascha Mölders bekam: "Schau dir mal dem Köppi seine Frisur an." 

Ein hellblaues Hemd und eine dunkelbraune Lederhose mit aufgesticktem Löwen rechts komplettieren das Set. Nicht nur Köppel zeigte dabei den Kollegen, wie man die Tracht richtig trägt. Barfuß schlüpfte der 22-jährige Felix Weber in seine Haferlschuhe. "Das macht man so", meinte der Kapitän grinsend zu seinen verdutzten Mitspielern. Auch Bonmann dürfte genau hingeschaut haben.

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