Vertragsverlängerung war bereits beschlossen Landshut: Klinikum-Chef von Oppen vor dem Abschuss?

Seit viereinhalb Jahren ist Nicolas von Oppen Geschäftsführer des Klinikums. Vor knapp zwei Monaten wurde beschlossen, dass sein Vertrag bis Ende 2021 verlängert werden soll. Foto: AZ-Archiv

Rolle rückwärts? Am Freitag wird im Plenum nochmals über die Vertragsverlängerung mit Nicolas von Oppen diskutiert.

Landshut - Eigentlich schien alles in trockenen Tüchern: Vor knapp zwei Monaten hatte sich das Plenum mit großer Mehrheit für eine Vertragsverlängerung um drei Jahre mit Klinikum-Geschäftsführer Nicolas von Oppen (44) ausgesprochen. Damit waren die Stadträte einer Empfehlung des Klinikum-Aufsichtsrats gefolgt. Nun steht das Thema völlig überraschend am kommenden Freitag im nichtöffentlichen Teil der nächsten Stadtratssitzung erneut auf der Tagesordnung.

Von Oppen selbst wusste davon laut eigenem Bekunden bis Dienstag nichts. Mit der neuen Entwicklung konfrontiert, zeigte er sich regelrecht konsterniert: "Ich bin völlig überrascht. Und ich weiß nicht, ob man so mit Menschen umgehen sollte." Zumal die Vertragsverlängerung vor knapp zwei Monaten mit nur wenigen Gegenstimmen beschlossen worden sei: "Ich wusste überhaupt nichts davon, dass das jetzt noch mal aufgerollt werden soll. Dass ich das durch die Zeitung erfahren muss – dazu möchte ich mich eigentlich gar nicht äußern. Mal sehen, ob vor dem Freitag noch jemand der Beteiligten mit mir sprechen wird."

Von Oppen erfährt offensichtlich durch Medien von Vertragsdiskussion 

Auch mehrere Stadträte zeigten sich über die sich anbahnende Kehrtwende irritiert, auch wenn sie sich mit Hinweis auf die hohe Sensibilität der Angelegenheit nicht offen äußern wollten. "Das Thema war ja schon durch. Dass wir jetzt noch mal darüber beraten sollen, kann ja nur eines bedeuten: Dass man den Vertrag mit Herrn von Oppen nun doch nicht verlängern, sondern den damaligen Beschluss revidieren will", sagt ein erfahrener Kommunalpolitiker.

Ein Umdenken scheint auch bei Oberbürgermeister Alexander Putz (FDP) stattgefunden zu haben. Während es in einer Pressemitteilung der Stadt Ende März noch geheißen hatte, dass sich der OB "auf die weitere Zusammenarbeit mit von Oppen", freue, habe Putz laut einem Insider nun von "neuen Erkenntnissen" gesprochen. Putz bat um Verständnis, im Vorfeld der Stadtratssitzung am Freitag keinen Kommentar abgeben zu wollen.

Einer der wenigen, die sich derzeit aus der Deckung wagen, ist CSU-Fraktionsführer Rudi Schnur. Er gilt als erklärter Kritiker der Arbeit von Oppens und nahm kürzlich auch bei einer CSU-Veranstaltung kein Blatt vor den Mund, als er befand, dass die Vertragsverlängerung mit von Oppen "nicht zukunftsweisend" sei. Am Dienstag legte Schnur zwar vorsichtig, aber doch deutlich nach: "Herr von Oppen hatte viereinhalb Jahre Zeit, die Entwicklung des Klinikums voranzutreiben. Doch das Ergebnis stimmt in vielen Dingen einfach nicht."

Ist der Vertrag mit von Oppen bereits zustande gekommen?

Konkret nannte Schnur Punkte wie die Umrüstung auf Energieeffizienz, eine bessere Ausrüstung des Hubschrauberlandeplatzes, ein schlechtes Betriebsklima am Klinikum sowie die angeblich unzureichend vorangetriebene Personalaufstockung im Pflegebereich.

"Bei diesem Punkt musste der Aufsichtsrat sogar in sein operatives Geschäft eingreifen", sagte Schnur. Für ihn sei deshalb klar: "Herr von Oppen ist in meinen Augen nicht die geeignete Person, um mit dem Landkreis auf Augenhöhe über eine gute Zukunft für die Krankenhausversorgung in der Region zu sprechen."

Der Stadtrat steht in jedem Fall am Freitag vor einer schweren Aufgabe. Prof. Dr. Thomas Küffner (Landshuter Mitte), selbst nicht unbedingt als von-Oppen-Anhänger bekannt, weist schon mal vorsorglich darauf hin, dass es rechtlich möglicherweise schwierig werden könnte, von der bereits beschlossenen Vertragsverlängerung zurückzutreten. "Ist das rechtlich einfach möglich? Oder ist der Vertrag vielleicht sogar schon zustande gekommen? Darüber ließe sich trefflich streiten."

Landshut: Klinikum-Geschäftsführer von Oppen fällt aus allen Wolken

Ihm selbst lägen momentan noch keine näheren Erkenntnisse vor, die eine nochmalige Behandlung im Plenum nötig machen würden. "Für mich ist entscheidend, dass das Klinikum zukunftssicher aufgestellt und unser Konzept für das Zusammenwachsen von Klinikum und Lakumed weiter vorangetrieben wird", wiederholte Küffner die Position der Landshuter Mitte. Von Oppen räumte nun zwar ein, dass sich das Klinikum in keiner einfachen Situation befinde. "Aber besonders dann sollte man doch zusammenhalten. Und auch ein anderer Geschäftsführer müsste schließlich mit diesen Dingen umgehen." Der neue Vertrag selbst, sagt von Oppen, sei bislang im Übrigen noch nicht unterzeichnet worden.

Bleibt die Frage, wie es am Klinikum weiterginge, sollte der Stadtrat seinen Beschluss von Ende März tatsächlich revidieren. Übereinstimmend erklärten mehrere Stadträte unterschiedlicher Couleur, dass man von Oppen, dessen Vertrag noch bis November 2018 läuft, dann wohl unverzüglich freistellen werde. Und sich auf die Suche nach einem Nachfolger begeben müsste.

Womit Putz’ Wunsch nur noch Makulatur wäre. Denn dieser hatte im März verlauten lassen: "Von Oppen hat dem Aufsichtsrat Konzepte präsentiert, die auf breite Zustimmung gestoßen sind. Diese müssen nun umgesetzt werden. Deshalb ist es richtig, für Kontinuität in der Führung zu sorgen."

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