Verteidiger will neuen Vertrag Van Buyten kämpft: Zu gut für die Rente

Daniel Van Buyten war beim FC Bayern schon fast auf dem Abstellgleis. Jetzt ist der Innenverteidiger wieder gesetzt – im Alter von 35 Jahren. Er würde gerne den Vertrag verlängern: "Für vier Jahre!"

 

München - Der Anfang vom Ende beginnt mit einem Pass von Samuel Eto’o. Daniel Van Buyten macht hastige Tippelschritte, dann einen Ausfallschritt nach links. Einen Haken später sieht er nur noch Diego Militos Hacken.

Selten hat ein Stürmer einen Abwehrspieler so alt aussehen lassen, wie der Argentinier den Belgier in jener Szene des Champions-League-Finales am 22. Mai 2010. Während Van Buyten eine Pirouette dreht, jagt der Inter-Stürmer den Ball zum 2:0 ins Netz. Van Buyten wendet sich ab. Das war’s.

32 Jahre war der Belgier damals alt – zu alt, befanden die Kritiker, zu langsam, er und Nebenmann Martin Demichelis seien nicht gut genug für ein Finale dieser Größe, Prädikat ungenügend. Vernichtend.

Drei Jahre später sitzt Van Buyten ganz entspannt im Presseraum an der Säbener Straße. Sechs der damals in Madrid eingesetzten Spieler sind nicht mehr da. Er schon. Van Buyten trägt immer noch das Bayern-Emblem auf der Brust, links und rechts drücken sich kräftige Bizepsmuskeln aus dem kurzen, orangefarbenen Shirt. Der 35-Jährige hat die Arme verschränkt, spricht leise.

Warum er noch hier ist? "Ich habe nie aufgegeben", sagt er sanft. Es entspricht seinem Naturell, keine großen Töne zu spucken. "Hausmann im Catcher-Körper", schrieb einer mal über ihn. Weil er, der 1,97-m-Hüne, eigentlich ein ganz sanfter Typ ist.

Auf dem Papier ist er der dienstälteste Ausländer im Team; nie unumstritten, immer wertvoll. Und 2013 wieder Stammspieler – von wegen zu alt. "Daniel spielt so gut wie selten in seiner Karriere", lobte ihn Trainer Jupp Heynckes unlängst. Mit Dante versteht er sich prächtig, seine Zweikampfdaten sind gut wie nie. Warum? "Wir haben ein Niveau erreicht, auf dem wir als Mannschaft gut funktionieren. Da siehst du als Abwehrspieler immer besser aus", sagt er.

Dabei schien es im Herbst so, als habe er den Anschluss endgültig verloren. Verletzt, krank, "irgendwas war immer", sagt er. Kein Einsatz zwischen Mai und November, erst das Pech der anderen half: Holger Badstubers Kreuzbandriss, Jérôme Boatengs Rote Karte in der Champions League.

"Wer hart arbeitet, bekommt irgendwann die Belohnung", sagt Van Buyten, "plötzlich baut der Trainer auf dich, plötzlich bist du wieder gesetzt." Dritter Frühling. Oder vierter.

Einen Nachfolger für ihn hat Bayern dennoch schon verpflichtet: Jan Kirchhoff aus Mainz – eine 13 Jahre jüngere Ausgabe. Van Buytens Vertrag läuft aus. Er will verlängern, fühlt sich zu fit, zu gut für die Rente. Sein Wunsch: "Ich unterschreibe für vier Jahre, dann schau mer mal", scherzt er. Die Bizepsmuskeln tanzen.

Andere Pläne hat er nicht. "Hier mit diesen Top-Spielern zu spielen, ist für mich das Schönste. Bayern war schon immer mein Lieblingsverein." Jetzt ist Sportvorstand Matthias Sammer am Zug. Eigentlich gibt’s nur eine Lösung – ein Ja zu Van Buyten. Denn so alt wie damals gegen Milito sah der Belgier lange nicht mehr aus.

 

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