Versuchter Totschlag in Kirchheim Brauereimitarbeiter fesselt und würgt Ehefrau stundenlang

, aktualisiert am 23.05.2018 - 18:24 Uhr
Der Tatort in Kirchheim: Hier kam es zu der schrecklichen Tat. Foto: job

Am Samstag kam es zu einem Großeinsatz der Polizei in Kirchheim. Nachdem ein Mann seine Ehefrau über Stunden brutal gequält hatte, wurde er verhaftet. Gegen ihn wird nun wegen des Verdachts der versuchten Tötung ermittelt.

 

Kirchheim - In einer idyllisch gelegenen Siedlung vor den Toren Münchens hat eine 40-jährige Frau am Pfingstsamstag ein stundenlanges Martyrium durchlitten. Ihr Ehemann fesselte, schlug und würgte die Frau in der gemeinsamen Eigentumswohnung in Kirchheim bei München.

Um die Mittagszeit konnte die Verletzte flüchten und sich zu einer Nachbarin retten. Ihr Ehemann (51) versuchte sich direkt danach das Leben zu nehmen.

Die gepflegte, kleine Siedlung unweit des Heimstettener Sees heißt "das Dorf". Elf Häuser gruppieren sich um einen Platz mit Kinderrutschen, Schaukeln und Tischtennisplatten. Hier kennt jeder jeden. Einmal im Jahr grillen die Nachbarn zusammen, in der Silvesternacht stößt man gemeinsam an.

Hier ereignete sich in einer Dachwohnung am Pfingstsamstag ein brutales Ehedrama. Stundenlang soll der Mann seine Ehefrau gefesselt, misshandelt und mit einem Messer bedroht haben. Nach AZ-Informationen soll er Handschellen, Fesseln und Seile, mit denen er seine Frau peinigte, zuvor in einem Koffer aufbewahrt haben.

Um die Mittagszeit hörten die Nachbarn laute Schreie. Die 40-jährige Marketingmanagerin rannte aus ihrer Wohnung und flüchtete panisch vor Angst die Treppen hinunter. Eine Nachbarin ein Stockwerk tiefer öffnete die Tür: Die Flüchtende hatte Würgemale am Hals, blutete im Gesicht. Die Frau ließ die Verletzte in ihre Wohnung, verschloss sofort wieder die Tür und verständigte die Polizei.

Ein Nachbar: "Er schrie, dass er alle Polizisten erschießen wird"

"Er schrie, er würde alle Polizisten erschießen", berichtete ein anderer Nachbar der AZ. Die Einsatzzentrale alarmierte das Spezialeinsatzkommando (SEK).  Ein Bewohner aus dem Haus kam gerade aus dem Keller, als er sieben schwer bewaffneten SEK-Beamten in Kampfmontur und Helmen begegnete. "Sie hatten einen Rammbock dabei", berichtet er. Doch als die Polizisten in die Wohnung eindrangen, hörten sie von innen bereits kein Lebenszeichen mehr. Der 51-Jährige hatte Tabletten in hoher Dosierung geschluckt. Er war bewusstlos und wurde in eine Klinik gebracht.

Über das Motiv herrscht noch Unklarheit. Nach außen schienen die beiden eine gute Ehe zu führen. Vor zehn Jahren waren sie in die Siedlung gezogen, hatten sich die etwa 100 Quadratmeter große Dachwohnung gekauft. Er stammt aus Franken, arbeitete für eine Brauerei in Nürnberg. Aus Polizeisicht ist er ein unbeschriebenes Blatt.

"Man hat nie ein lautes Wort gehört", berichten Nachbarn. Nur eine Woche zuvor war einmal die Polizei alarmiert worden, weil männliche Schreie aus der Wohnung drangen. "Er schrie 'ich bring dich um' und so was." Doch der Polizeieinsatz entpuppte sich als falscher Alarm. Sven B. hatte nur lautstark Ballerspiele gespielt.

In den letzten Wochen soll sich der Angestellte, der im Vertrieb arbeitete, jedoch verändert haben. "Er hatte plötzlich einen Irokesenhaarschnitt", berichtet eine Frau. Auch erzählte er, dass er seinen Führerschein abgeben musste – ein herber Schlag für den Außendienstmitarbeiter.

Am Pfingstmontag erging Haftbefehl wegen versuchten Totschlags gegen Sven B. Gestern lag er aber noch im Krankenhaus. Sobald er haftfähig ist, muss er ins Gefängnis. Seine Frau soll inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden sein.

 

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