Verrücktester Prozess des Jahres "König von Deutschland" wegen Betrugs zu Haftstrafe verurteilt

Häufiger Gast bei Gericht: "Peter I., Oberster Souverän des Königreichs Deutschland" Foto: dpa/KRD

Die Älteren unter uns können sich wohl noch an Rio Reiser und seinen größten Hit erinnern: " Ich würd' die Krone täglich wechseln" oder "Ich hätte zweihundert Schlösser und wär' nie mehr pleite" heißt es im Text von "König von Deutschland". Peter Fitzekt aus Wittenberg hat sich diese Zeilen wohl etwas zu sehr zu Herzen genommen – und muss deshalb nun in den Knast.

 

Halle/Wittenberg - Es geht um viel Geld. Rund 1,7 Millionen Euro haben fast 600 Menschen dem selbst ernannten "König von Deutschland" aus Wittenberg anvertraut. Davon sind laut Staatsanwaltschaft 1,3 Millionen Euro verschwunden. Deshalb wurde dem "Monarchen" der Prozess gemacht.

Mit Spannung war der Prozess gegen den selbst ernannten "König von Deutschland" aus Wittenberg erwartet worden. Der 51-jährige Peter Fitzek musste sich seit Oktober 2016 vor dem Landgericht Halle wegen Veruntreuung in Millionenhöhe verantworten. Seit Juni 2016 befand er sich bereits in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, ohne Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Bankgeschäfte betrieben zu haben. 574 Kunden sollen ihm insgesamt rund 1,7 Millionen Euro anvertraut haben. Laut Anklage soll Fitzek in den Jahren 2009 bis 2013 im Internet über eine sogenannte "Kooperationskasse" Anlagegeschäfte betrieben haben. Die Anleger zahlten den Angaben zufolge ein, im Vertrauen darauf, das Geld jederzeit wieder abheben zu können. Der Mann soll aber 1,3 Millionen Euro der Anleger für sich verwendet haben. Das Geld ist nach bisherigen Ermittlungen verschwunden, auch der Gerichtsprozess brachte keine neuen Erkenntnisse zum Verbleib des Geldes.

Aus einem Krankenhaus wurde ein "Königreich"

Der Angeklagte habe mit seinem Geschäftsgebaren gegen das Gesetz für das Kreditwesen verstoßen, argumentierte die Staatsanwaltschaft. Ein wichtiger Punkt des Prozesses war auch die Tatsache, dass Peter Fitzek die Bundesrepublik Deutschland und damit auch deren Gesetze nicht anerkennt. Der 51-Jährige hatte in Wittenberg vor fünf Jahren in einem ehemaligen Krankenhaus sein eigenes "Königreich" gegründet, samt eigener "Bank" und der "Währung" "E-Mark".

Der Hüne mit dem markanten Äußeren wurde über die Medien bundesweit bekannt. Er beschäftigt Justiz und Behörden in Sachsen-Anhalt schon seit Jahren, so mit seiner Fahrerlaubnis. Dieses amtliche Dokument hatte er von sich aus beim Landkreis Wittenberg abgegeben. Der selbst ernannte Monarch stellte sich stattdessen selbst eine Fahrerlaubnis aus - und präsentierte sich immer wieder medienwirksam als Autofahrer.

Zuletzt hatte ihn im April das Amtsgericht Dessau-Roßlau wegen Fahrens ohne gültigen Führerschein zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt. Gegen das Urteil legte er Rechtsmittel ein. Als die Anklage der Staatsanwaltschaft Halle wegen Untreue in Millionenhöhe vom Landgericht zugelassen wurde, erging sogleich Haftbefehl gegen den Wittenberger - wegen Fluchtgefahr.

Am Mittwoch fiel nun nach mehr als zwanzig Verhandlungstagen das Urteil: Wegen unerlaubter Bankgeschäfte und Betrugs muss der "König von Deutschland" für drei Jahre und acht Monate in Haft.

 

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