Verletzter 1860-Antreiber Timo Gebhart: Der Drängler

Er kann es kaum erwarten, wieder auf dem Platz zu stehen und seine Kollegen anzutreiben: Timo Gebhart. Foto: sampics / Stefan Matzke

Timo Gebhart will nach seiner Verletzung so schnell wie möglich zurück – doch Trainer Daniel Bierofka bremst seinen Mittelfeld-Leader: "Es gibt keinen Grund, etwas zu überstürzen."

 

München - Timo Gebhart ist ein echter Anführer. Der Mittelfeld-Boss des TSV 1860 besticht mit Biss, Zweikampfstärke und Torgefahr. Wenn er denn auf dem Platz steht. Derzeit ist Gebhart bekanntlich verletzt. Und eines kann der rekonvaleszente Akteur überhaupt nicht: zuschauen.

"Es gibt nichts Schlimmeres für mich. Ich fiebere voll mit und will immer selbst spielen", erklärte der 28-jährige Rückkehrer vom FC Hansa Rostock der AZ kürzlich. Seit seinem Muskelbündel- und Sehnenanriss aus dem Spiel gegen den FC Ingolstadt Anfang September (0:0) muss er passen. Und das geht gar nicht, geht es nach Gebhart.

Die Löwen auch ohne ihren Leader unangefochtener Tabellenführer, dessen privates, erstmaliges Papa-Glück (Partnerin Nina ist im dritten Monat schwanger) – man könnte es glatt gemächlicher angehen lassen, die Verletzung auskurieren. Doch Gebhart drückt auf die Tube: Nebst Löwen-Docs ging es zum Spezialisten nach Bayrischzell, vor knapp zwei Wochen stand der gebürtige Memminger dann früher als geplant wieder zum Lauftraining auf dem Rasen.

Ob es auch ein schnelles Gebhart-Comeback gibt? Wohl kaum. "Bis jetzt ist alles optimal verlaufen", erklärte Gebhart zwar, eine jüngste MRT-Untersuchung gab Aufschluss darüber, dass alles soweit in Ordnung sei. Gebharts Ansage: "Steigern, so schnell es geht!"

Der bullige Spielmacher liebäugelte sogar mit einem Comeback noch im Oktober: am 22. Oktober gegen den FC Bayern II im prestigeträchtigen Derby. "Wird eng, aber das wäre natürlich der Hammer!", sagt er.

Dabei hat Gebhart die Rechnung ohne seinen Chef gemacht: Daniel Bierofka. Dessen oberstes Credo: Vorsicht ist besser als Nachsicht. "Wir machen da einfach langsam", so der Löwen-Trainer über Gebhart: "Es gibt keinen Grund, etwas zu überstürzen. Momentan läuft es ja auch ganz gut bei uns. Wir haben keine absolute Notwendigkeit, auf das Tempo zu drücken."

Vielmehr sei "einfach wichtig, dass das richtig verheilt". Ansonsten könne der Schuss nach hinten losgehen: "Solche Sehnengeschichten sind immer mit Vorsicht zu genießen. Wenn das Ding abreißt, dauert es ein halbes Jahr, und das wollen wir unter allen Umständen vermeiden. Deswegen gehen wirnullkommanull Risiko ein."

Gebhart drängelt, Bierofka bremst. Zwei gängige Reflexe von Spieler und Trainer im Fußball-Geschäft. Während der Kicker aus nachvollziehbaren Gründen wieder seine Schuhe schnüren möchte, verspürt sein Coach keinerlei Nöte. Neulöwe Daniel Wein, der bereits vor Gebharts Ausfall als Abräumer den Rücken frei gehalten hatte, und nun seine Nebenleute wie Aaron Berzel, György Hursan, Nico Andermatt oder Ugur Türk konnten den Ausfall des erfahrenen Akteurs bisweilen gut kompensieren.

Der gebremste Entscheider

Weshalb Bierofka kürzlich daran erinnern musste: "Man vergisst, dass Timo seit vier, fünf Wochen ausfällt. Wir haben einen hinten dran, der, wenn er zurückkommt, ein Entscheider ist."

Fünf Treffer in neun Partien, darunter zwei Elfmetertreffer – der fitte Gebhart hatte Verantwortung übernommen. Doch auch in dieser Hinsicht hat Bierofka ein Luxusproblem, sprangen Nico Karger und Sascha Mölders (je acht Liga-Treffer) in die Bresche.

Auch bei Rückkehrer Markus Ziereis platzte zuletzt der Knoten (drei Tore in den letzten drei Partien). Kämpfer Gebhart wird somit beim Derby – und womöglich noch einige Spiele länger – nochmal leiden müssen, bevor er wieder in die Rolle des Entscheiders schlüpfen kann. Bis dahin bleibt er der gebremste Entscheider.

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