Verkürzte Restlaufzeit Django Asül verschießt die "Letzte Patrone" im Lustspielhaus

Geladen: Django Asül. Foto: Johannes Haslinger

Der Titel klingt martialisch, aber wer Django Asüls Auftritte kennt, der weiß, dass der niederbayerische Kabarettist, bei aller Schärfe auch versöhnlich ist.

 

AZ: Herr Asül, Ihr neues Programm heißt „Letzte Patrone“ - klingt ja fatal final. Um das Wesentliche soll es gehen. Was genau wäre das?
Django Asül: Ich habe gelesen, dass das deutsche Volk aufgrund des demografischen Wandels im Schnitt pro Jahr einige Tage älter wird – wobei ich im gleichen Zeitraum ein ganzes Jahr älter werde und somit weit über dem Schnitt altere. Meine Restlaufzeit ist also im Vergleich zum Rest der Nation rasant verkürzt. Fragt sich, was ich mit der verbleibenden Zeit anstelle, und so beginnt eine wunderbare Reise, die ausgehend von der Kindheit immer wieder im Hier und Jetzt landet. Der Blick kommt aus dem Mikrokosmos, landet aber immer im Makrokosmos. Und zum Schluss erzähle ich, wem ich mal das Kabarettgeschäft übergeben werde.

So weit ist es schon? Sie sind gerade mal 44.
Mein erster Gedanke bei dem Programm war, dass ich meinen Geschäftsübergang noch nicht geregelt habe...

...das geht sogar gestandenen Ministerpräsidenten so.
Im Programm nehme ich mir jedenfalls vor, karitativ tätig zu sein. Bei mir in Hengersberg zum Beispiel ist der Krieger- und Veteranenverein das, was woanders die Rotarier sind.

Schließt karitative Tätigkeit auch Ihren Ex-Klassenkameraden Florian Pronold ein, den bayerischen SPD-Chef?
Karitativ heißt ja nicht nihilistisch.

Tagespolitische Kommentare stehen nicht auf dem Programm?
Es ist ein hochaktuelles Programm, aber kein tagesaktuelles. Das mache ich in meinem Jahresrückblick. Dennoch lasse ich in „Letzte Patrone“ praktisch kein Thema aus. Da philosophiert mein Stammtisch über das Thema Flüchtlinge: „Ich hab’ nix gegen Flüchtlinge, aber nur wenn ich gegen was nix hab’, muss das noch lange nicht da sein.“ Ich erzähle, wie ich schon als Zweijähriger die Balkan-Route dicht gemacht habe und ergründe den Mythos Europa über die griechische Mythologie. Und das hochaktuelle Thema Elektromobilität fehlt natürlich auch nicht: Erstaunlich, dass die Politik die Begriffe Zukunft und Elektroauto in Verbindung bringt – ich bekam mein erstes Elektroauto an Weihnachten 1979, von den Nachbarn.

Sie kümmern sich auch gern um die CSU. Am Montag sind Sie im Landtag der Redner zum Jubiläum „70 Jahre CSU-Fraktion“. Wer hat Sie eingeladen?
Da lädt ganz strikt der Fraktionschef ein, der Thomas Kreuzer. Er hat quasi die Seehofers und Stoibers und Söders vor vollendete Tatsachen gestellt. Da wird es vor allem um das Zusammenspiel von Fraktion und Staatsregierung gehen. Die Fraktion ist ja die Lebensversicherung, das Bollwerk, der Quarterback der Regierung, der alles abfedert.

Seit dem letzten Maibock-Anstich im Hofbräuhaus gelten Sie beinahe als Lieblings-Kabarettist von Markus Söder, und das, obwohl Sie ihn Jahre zuvor beim Derblecken auf dem Nockherberg besonders derb rangenommen haben. Was ist das für eine Beziehung zwischen ihnen?
Wir beide wissen, was wir vom anderen erwarten können, in jeglicher Hinsicht. Wir haben uns über die Jahre so gut kennengelernt, dass Überraschungen quasi ausgeschlossen sind. Jeder weiß, wie der andere tickt, und das ist eine gute Geschäftsgrundlage. Wobei er beim Maibock-Anstich nur qua seines Amtes dort ist und ich ja praktisch gesetzt bin.

Wie finden Sie als Bayern-Fan den neuen Trainer Carlo Ancelotti?
Bei Guardiola war es so: Je wilder der rum gewinkt hat, desto gemächlicher hat es die Mannschaft auf dem Platz angehen lassen. Jetzt scheint sie zu denken: Wir müssen uns dem Trainer anpassen – und spielt so gemächlich, wie der Ancelotti eben ist. Die soziale und emotionale Kompetenz der Truppe ist ja so hoch, dass sie sich mit den Pleiten gegen Atletico und Köln selbst einen Schuss vor den Bug gegeben haben, damit es nicht wieder bis März so langweilig ist.


Bis 16. Oktober täglich um 20 Uhr im Lustspielhaus (Occamstrasse 8), Karten unter 089 344974, 24 Euro

 

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