Verkehr, Ausbildung, Planung Georg Schlagbauer: Das will der neue Chef der Handwerkskammer

Georg Schlagbauer, der neue Chef der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Foto: Jens Christopher Ulrich

Georg Schlagbauer ist Metzgermeister, Stadtrat für die CSU und jetzt auch Präsident der Handwerkskammer in München. Die AZ zeigt, was der 42-Jährige im Amt vorhat

München - Junge Flüchtlinge in die Ausbildung, Ampeln auf Grün und Finger weg vom Meistervorbehalt: Drei Details aus einem Schwung an Plänen, die Georg Schlagbauer am Donnerstag verkündet hat. Der Münchner Metzger, Stadtrat und neue Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK) hat die Schwerpunkte seiner Arbeit festgelegt.

Der 42-Jährige ist Ende Juli zum neuen HWK-Präsidenten gewählt worden. Politisch aktiv ist der Metzgermeister schon länger: Seit 2008 sitzt er für die CSU im Stadtrat, seit Mai dieses Jahres ist er als Wiesn-Stadtrat für das Oktoberfest zuständig. Außerdem ist er Landesinnungsmeister für das bayerische Fleischerhandwerk. Nun ist er auch noch HWK-Präsident. Und als solcher möchte er gleich einmal Akzente setzen. Die AZ zeigt, was Georg Schlagbauer vorhat.

Verkehr

Der Wirtschaftsverkehr wird zurückgedrängt und immer stärker durch Auflagen belastet, sagt Schlagbauer. „Die Ampelschaltungen und die Verästelung des Straßennetzes müssen verbessert werden.“ Außerdem sollen Radler künftig mehr über Nebenstraßen und durch Wohngebiete geleitet werden. „Radl-Autobahnen wie an der Lindwurmstraße helfen nicht weiter.“ Außerdem soll Elektromobilität mit Anreizen gefördert werden: „Mittelständische Betriebe, die ihre Lieferfahrzeuge auf E-Fahrzeuge umstellen, sollen etwa den Parkausweis für Gewerbebetriebe fünf Jahre kostenlos erhalten.“

Ausbildung

Dem Handwerk geht auch in der Region der Nachwuchs aus. Viele Stellen bleiben unbesetzt. Georg Schlagbauer will auf verschiedene Arten dagegen kämpfen: Er will für die duale Ausbildung werben, will Eltern, Lehrer und Arbeitsagenturen von den Vorzügen eines Handwerksberufes überzeugen. Außerdem sollen „Jugendliche mit Starschwierigkeiten“ eine Chance im Handwerk bekommen. Und: Die HWK bemüht sich um junge Flüchtlinge. Seit dieser Woche gibt es einen Aquisiteur, der sich darum kümmert, junge Flüchtlinge für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen. „Diese Menschen sind sehr motiviert – allerdings müssen die Bleiberechte geklärt werden.“

Meistervorbehalt

Die EU prüft bis Ende 2015 die regulierten Berufe, zu denen auch 41 zulassungspflichtige Handwerksberufe gehören. Die HWK fürchtet, dass der Meistervorbehalt für viele Berufe wegfallen könnte. „Wozu das führt, zeigt das Beispiel der Fliesenleger, die dem Meistervorbehalt nicht mehr unterliegen“, sagt Georg Schlagbauer. „Ende 2003, vor dem Wegfall gab es in München 119 Betriebe. Seitdem ist die Zahl auf 2544 explodiert. Das sind vor allem Ein-Mann-Betriebe – ausgebildet wird kaum noch.“

Planung

Georg Schlagbauer will, dass das Handwerk in der kommunalen Planung berücksichtigt wird. Ein Beispiel ist die Flächenpolitik: „Man darf sich nicht nur auf die Wohnraumprobleme fokussieren, sondern braucht auch eine vorausschauende Gewerbeflächenpolitik“, sagt Schlagbauer.

Außerdem müssen die kommunalen Beschäftigungsprogramme um- und Bürokratie abgebaut werden, fordert Schlagbauer, der sich offensichtlich viel vorgenommen hat, um sich von der langen Ära seines Vorgängers zu lösen: Der Bäckermeister Heinrich Traublinger war zwanzig Jahre im Amt.

 

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