Vergaß eigene Tat Demenzkranker erdrosselt seine Ehefrau

Hans K. kam mit Rollator. Foto: Daniel von Loeper

Der Angeklagte (82) ist selbstmordgefährdet. Das Gericht verhandelt jetzt ohne ihn weiter.

 

München - Immer wieder bricht er in Tränen aus. Sein Sohn (59) sitzt neben ihm auf der Anklagebank, versucht seinen alten Herrn zu beruhigen. Doch Hans K. (82, Namen geändert) ist nicht zu beruhigen. Der demenzkranke Mann realisiert gerade noch, dass es um ihn gehen muss, als man ihn in den Gerichtssaal führt.

Doch dass er am 27. August 2016 seine Frau (84) erdrosselt haben soll, daran kann er sich nicht erinnern. "Ich würde alles sagen, aber ich weiß nichts mehr." Seine Schwerhörigkeit macht die Kommunikation noch schwieriger.

Frau pflegte ihn - er fühlte sich gegängelt

Der Rentner, der sich laut Staatsanwaltschaft des Totschlags schuldig gemacht hat, aber schuldunfähig ist, hat vor einem Jahr einen Schlaganfall erlitten. Seine Frau kümmerte sich um ihn. Aber genau das scheint ihm nicht gepasst zu haben. Laut Antragsschrift – Hans K. soll dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht werden – fühlte sich der 81-Jährige gegängelt, weil seine Frau seine Arzt- und Frisörtermine koordinierte.

Am Morgen des 27. August kam es zur Eskalation: Hans K. schlug seine Frau, die schlug zurück und brach dem Ex-Boxer die Nase. Der sie daraufhin mit einem Strick erdrosselte.

Sein Sohn berichtet, dass sein Vater die Mutter in 59 Ehejahren nie körperlich angegriffen habe. Allenfalls sei er verbal aggressiv geworden. Er vermutet, dass die Frau den Vater vom Autofahren abhalten wollte: "Dann ist es passiert."

Dann eine überraschende Wendung: Hans K. nimmt die Verhandlung gesundheitlich stark mit, sagt ein Gutachter. Das Gericht beschließt, den Angeklagten zurück nach Haar zu schicken.

Der Prozess wird ohne ihn fortgesetzt. Und Hans K. steht nun unter besonderer Beobachtung. Er soll suizidgefährdet sein.

 

4 Kommentare