Vereinsportrait Die Flohhupferl: Spielen, toben, lachen

Selbst Kinder leiden heutzutage schon unter ihrem strengen Zeitplan. Bei den Flohhupferl steht Spaß an der Bewegung im Vordergrund. Foto: D’Münchner Flohhupferl

Die Flohhupferl sind ein Verein für Kinder – und deren Eltern. Sie bieten Mannschaftssport, Turnstunden und sogar Kunstkursen. Nur Wettkampf gibt es dabei keinen.

 

AZ: Frau Jungwirth, warum sitzen im Vorstand von den Flohhupferl nur Frauen und kein einziger Mann?


BARBARA JUNGWIRTH: Ich habe den Verein 2006 zusammen mit Birgit Feltl gegründet. Seit April diesen Jahres gehört auch noch Justine Holzapfel zum Vorstand. Und Männer spielen in diesem Bereich bei uns keine Rolle, weil sie keine Rolle spielen wollen. Die Väter haben meistens keine Zeit, holen ihre Kinder vielleicht mal ab. Das war’s! Die treibenden Kräfte bei den Münchner Flohhupferl sind ganz klar die Mütter.


Was für eine Rolle spielen die Münchner Flohhupferl?


Wir sind eigentlich ein ganz normaler Verein, mit einer allerdings sehr speziellen Ausrichtung. Denn bei uns können nur Kinder und die Eltern von Kindern mitmachen. Und für die bieten wir ein sehr umfangreiches Sport-Programm an. Bewegung ist besonders für Kinder etwas sehr wertvolles und wird in der heutigen Zeit immer wertvoller.


Warum?


Weil mittlerweile nicht mehr nur den Erwachsenen die Zeit davon rennt, sondern auch immer mehr Kindern. Daran ist das reformierte Schulsystem nicht ganz unschuldig. Gerade nach dem Wechsel auf eine weiterführende Schule steht nur noch Lernen auf dem Plan. Zum Spielen, Herumtoben und Lachen bleibt keine Zeit. Alles dreht sich nur noch um Erfolg und Leistung.


Wo liegen die Schwerpunkte bei Ihnen?


Wir haben Basketball, Fußball, Akrobatik, Kinderturnen, Schwimmen und Capoeira im Angebot. Und da fahren wir an den Wochenenden nicht zu irgendwelchen Wettkämpfen oder Pflichtspielen. Bei uns steht einzig und allein der Spaß im Vordergrund.


Und nun auch noch Kunst.


Stimmt. Sport und Kunst passen doch gut zusammen. Bei uns besteht die Kunst darin, einfach zu malen, basteln oder sägen – eine Art Werkunterricht.


Werken Sie in Ihrer Sporthalle?


Nein. Eine eigene Sporthalle haben wir nicht. Wir nutzen insgesamt 13 Sporthallen von Schulen in Schwabing, Maxvorstadt, Neuhausen, Lehel und in der Innenstadt. Und wir haben neuerdings in der Schellingstraße auch vereinseigene Räume. Die sind nicht so groß wie eine Sporthalle, aber perfekt für Capoeira, Kinderturnen und unsere Kunstkurse, die auch für Nichtmitglieder gedacht sind.


Dann hat die Kunst bei Ihnen einen gewissen Preis?


Ja, wie das mit Kunst meistens so ist. Die Kurse umfassen sechs Stunden und kosten für Mitglieder 70 Euro, für Nichtmitglieder 80 Euro. Das Sportprogramm beinhaltet keine Extrakosten und ist auch nicht zeitlich begrenzt.


Wie alt sind Ihre Flöhe?


Beim Mutter-Kind-Turnen kann der Nachwuchs ab einem Jahr mitmachen. Grundvoraussetzung ist hierbei, dass die Kleinen laufen können. Ansonsten laufen die anderen Sportarten ganz normal – mit vier, fünf Jahren kann man da einsteigen. Unsere Ältesten sind zwölf Jahre alt.


Sie haben auch eine Zirkus-Gruppe. Was steht da auf dem Programm?


Da lernen die Kinder Einradfahren, Jonglieren, Balancieren und vieles mehr. Und wir sind am sogenannten EISS-Projekt beteiligt. EISS bedeutet „erlebte, integrative Sportschule”, bei der behinderte Kinder mitmachen können.


Dann brauchen Sie geschulte Trainer und Pädagogen?


Wir arbeiten da mit Gymnastiklehrern, Akrobaten und Sportstudenten zusammen, die auch regelmäßig auf Fort- und Weiterbildungen gehen.


Können sich die Eltern bei den Flohhupferl auch austoben?


Für die Mamas und Papas haben wir momentan eine Gymnastik- und eine Kunst-Gruppe. Herumtoben ist mehr bei den Kindern angesagt. Jedes Kind bekommt von uns auch ein Flohhupferl-T-Shirt mit seinem Namen darauf geschenkt. Das ist dann unser Vereinstrikot. Das wollen viele Kinder nach dem Sport gar nicht mehr ausziehen. Die kommen sehr gut an.



 

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