Vereinsbosse treffen sich Freitag Sparkurs? Revolte? Die Wirren der 1860-Politik

Drei Löwen-Protagonisten (v.l.): Investor Ismaik, im Moment außen vor, Präsident Reisinger, der einen harten Sparkurs befürwortet und Ex-Coach Lorant, der möglichst schnell wieder in den Profifußball zurück will. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Oder am Ende doch ein gemeinsamer Weg? Beim TSV 1860 herrscht mal wieder Uneinigkeit, wie es weitergehen soll. Präsident Robert Reisinger nähert sich dem Fanverband ARGE an, am Freitag tagen die Bosse.

München - Immer diese Freitage, die beim TSV 1860 hohe Wellen schlagen. Rückblick: 2. Juni 2017, eingegangen in die 1860-Historie als "Schwarzer Freitag": Die Löwen erklären nach dem Abstieg, dass man für die Dritte Liga keine Lizenz erhalten werde – die Vereinsbosse schlagen in der Folge einen Weg ohne die Darlehen von Investor Hasan Ismaik ein.

16. März 2018, ebenfalls ein Freitag: Sechzigs Fanklubdachverband ARGE hält eine Versammlung der Regionsvertreter ab. Einhelliges Meinungsbild: Sechzig muss – mit Ismaik – zurück in den Profifußball!

Das Echo des vergangenen Freitags ist ebenso wenig verhallt wie Sechzigs Absturz in die Regionalliga vergessen – im Gegenteil: Sämtliche Fans, derzeit in mehrere Lager gespalten, diskutieren mit Vehemenz: Welcher Weg ist der richtige?

Aufstand von Ismaiks Gefolgsleuten?

Erster, aktueller Weg: Sparpolitik der Vereinsvertreter. Befürworter loben die bodenständigen Pläne, Kritiker fürchten, man niste sich im Amateurfußball ein. Zweiter, radikaler Weg: Revolution von Ismaiks Gefolgsleuten gegen das aktuelle Präsidium um Robert Reisinger. Oder doch Weg Nummer drei, ein Miteinander? Die verschiedenen Strömungen sorgen derzeit hauptsächlich für eins: kollektives Löwen-Wirrwarr.

Die ARGE plädierte zuletzt in einer Reaktion auf den AZ-Bericht vom Montag für Einigkeit. "Die ARGE distanziert sich mit Vehemenz von der Berichterstattung in der 'Abendzeitung', in der zu lesen ist, dass die ARGE eine Revolution gegen Präsident Robert Reisinger plant. Diese Wortwahl ist komplett an den Haaren herbei gezogen", schrieb der Verband auf seiner Facebook-Seite: "Wir wollen ein gemeinsames 1860. Mit Robert Reisinger, aber auch mit Hasan Ismaik. Wir können nur gemeinsam stark werden."

Klar ist: Ein Teil der ARGE mag den gemeinsamen Weg favorisieren und wohl die wenigsten Mitglieder den derzeitigen Sparkurs. Klar ist aber auch: Eine Revolte gegen Reisinger ist alles andere als ein Hirngespinst. "Was soll es denn sonst sein, wenn keine Revolution?", fragte sich einer der Vereinsbosse im Gespräch mit der AZ.

Der Weg ist vorgezeichnet: Verwaltungsrats-Kandidaten wie Bernhard Winkler aus dem Ismaik-Lager respektive deren Unterstützer (unter anderem Werner Lorant), die sich nach Meldeschluss Ende März aus der Deckung wagen werden, sollen bei der Mitgliederversammlung am 22. Juli im Zenith ins Kontrollgremium gewählt werden. Hätte man dort eine Mehrheit, könnte man das Präsidium abberufen und für eine Neuwahl eigene Kandidaten stellen. Ein solcher Vorgang würde wohl, trotz anderslautender Aussagen der Vorstandschaft, durchaus von zahlreichen ARGE-Mitgliedern mitgetragen werden.

Reisinger geht auf ARGE zu

Bevor es allerdings tatsächlich so weit kommt, folgte am Mittwoch eine sanfte Annäherung: Reisinger, der sich auf Nachfrage nicht äußern wollte, trat bei Facebook in die ARGE-Gruppe ein. Und wurde wie folgt begrüßt: "Die ARGE-Führung hofft, dass damit ein erster Schritt des Aufeinander-Zugehens geschaffen wird und sich dadurch in Zukunft das Verhältnis zwischen den gewählten Vereinsvertretern und der ARGE wieder normalisiert." Doch was, wenn die Fronten verhärtet bleiben?

Welcher Weg beschritten wird, entscheidet das höchste Vereinsorgan – die Mitglieder. "Es wird heiß hergehen. Wir erwarten bis zu 3.000 Mitglieder", erklärte Vizepräsident Hans Sitzberger der AZ über die Versammlung. Bevor es im Sommer (an einem Sonntag) zur Sache geht, könnten in einer Sitzung der Vereinsbosse am Freitag die Weichen gestellt werden, wohin der Weg führt. An einem Freitag.

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