Verbesserungsbedarf in Landshut Barrierefreie Toiletten um 21 Uhr dicht - so nicht!

Barrierefreie Toiletten sind in Landshut nachts geschlossen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Abends ein paar Drinks nehmen - da braucht's ab und an ein Klo. Für Menschen mit Rollstuhl in Landshut ein Problem: Öffentliche Toiletten sind ab 21 Uhr zu - bis jetzt.

Landshut - Katrin (26) hört man immer noch ihre Aufgebrachtheit an. Am 4. August wollte sie in ihrem Urlaub daheim mal wieder in Landshut was trinken gehen. Eigentlich wohnt sie mittlerweile in Nordrhein-Westfalen - aber wenn sie bei ihren Eltern im Landkreis zu Besuch ist, darf ein Ausflug nach Landshut schon mal sein.

"Ich habe mir eh schon überlegt, wo wir hingehen könnten, weil mit dem Rollstuhl das alles nicht so einfach ist", sagt sie. Seit drei Jahren ist die junge Frau dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen. Deswegen aber nicht mehr wegzugehen, kommt für sie nicht in Frage. Sie fuhr also mit einer Freundin in die Stadt, ging in die barrierefreie Brick-Bar in der Schirmgasse - und wollte in der nahen Steckengasse um 22.30 Uhr auf die öffentlich im Internet ausgeschriebene Behindertentoilette gehen.

"Doch die war zu. Es hing sogar noch ein Schloss über dem Türgriff", erinnert sie sich. Normalerweise können Rollstuhlfahrer mit einem Euro-Schlüssel die barrierefreien Toiletten überall in ganz Europa öffnen; doch die Stadt Landshut hat einfach in der Steckengasse laut Katrin zusätzlich ein Schloss drübergehängt. "Diskriminierend" nennt sie das.

Katrin erwähnt zudem, dass es bei manchen Rollstuhlfahrern schnell gehen müsse, wenn die Blase drückt. Zum Beispiel auf der Grieserwiese zu parken und dann bis zum Ländtor zu rollen, sei dann einfach unmöglich.

"Wir sind dann an dem Abend noch ins Pulverfass. Da ist ja auch ein barrierefreies Klo am Hauptfriedhof. Aber auch das war seit 21 Uhr geschlossen", sagt Katrin. Sie musste sich dann hinter einem Gebüsch unschön und abgeschirmt von ihrer Freundin behelfen. Acht öffentliche Behindertentoiletten gebe es in der Innenstadt. "Aber die sind nicht immer offen. Die sind nachts immer zu", so Katrin. Sie empfindet das alles als schlechten Scherz, vor allem weil sich Landshut immer als besonders barrierefrei rühme.

"Das ist es aber leider nicht. Es gibt total viele Baustellen in der Richtung. Nach wie vor", so die 26-Jährige. Die mittlerweile sanierte Neustadt sei ein gutes Beispiel, wie es positiv laufen könne - nur sei das erst ein kleiner Anfang.

Nachts wurde randaliert und die Toiletten sahen dementsprechend aus

Ihrem Ärger machte Katrin auch auf Facebook Luft; dann schaltete sich Oberbürgermeister Alexander Putz ein. Er wolle recherchieren, was da genau schief laufe.

"Wir haben da noch viele Aufgaben zu erledigen, allerdings ist die Stadt durchaus aktiv", heißt es von seiner Seite. Er erwähnt die sanierte Neustadt, die bald sanierte Schirmgasse - und ein Konzept für die barrierefreie Altstadt, das im Stadtrat diskutiert werden soll.

Mittlerweile ist klar, wieso die Toiletten ab 21 Uhr zu waren: Immer wieder hatten Menschen in den Toiletten übernachtet und sie in nicht mehr benutzbarem Zustand hinterlassen. Daher wurden sie laut Baudirektor Johannes Doll abends zugesperrt. Das soll sich jetzt zumindest bei denen am Ländtor und in der Steckengasse ändern. Sie sollen nun rund um die Uhr geöffnet bleiben. "Diese Anlagen sind nur mit einem EU-Schlüssel zu öffnen", so Doll. "Für den Innenstadtbereich sind wir relativ gut aufgestellt. An der Grieserwiese müssten wir uns die Lage noch einmal extra anschauen", sagt der Baudirektor.

Bei den restlichen barrierefreien Toiletten bleibt nachts aber weiterhin die Türe zu. Denn sie können nur über die allgemeinen Toilettenanlagen erreicht werden, für die man keinen Schlüssel braucht - und in denen wurde auch nachts immer wieder randaliert.

Jedoch soll auf Informationsseite nachgebessert werden: Die nachts geschlossenen Toiletten sollen nun von der Internetseite der Stadt Landshut als barrierefreie und immer offene Toiletten entfernt werden.

Wie Katrin das findet? Gar nicht gut. Sie hat jetzt auf eigene Faust die Toiletten aus den sogenannten "Wheelmaps", also den Straßenkarten für Rollstuhlfahrer mit besonderen Informationen, entfernt. "Damit es nicht noch mehr Leuten so geht wie mir", sagt sie.

Der Betreiber der Brick-Bar hat sich übrigens bei Katrin nach ihrer Beschwerde bei Facebook gemeldet und gefragt, wie eigentlich eine barrierefreie Toilette baulich umzusetzen sei - er könne sich vorstellen, in dieser Richtung in seiner Bar in der Schirmgasse zu helfen.

 

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