Verband: Riesige Bedarfslücke Zu wenig Lehrer für zu viele Flüchtlingskinder

Die hohen Flüchtlingszahlen haben auch den Bedarf an Lehrkräften ansteigen lassen. 20 000 Lehrer werden für die vielen Flüchtlingskinder benötigt. Foto: dpa

Eine Million Flüchtlinge in Deutschland - macht etwa ein Drittel Kinder und Jugendliche, die unterrichtet werden müssen. So die offizielle Berechnung. Doch wo sollen die zusätzlichen Lehrer herkommen?

 

Die Bundesländer haben offenkundig große Mühe, angesichts von gut 300 000 Flüchtlingskindern in Deutschland die notwendigen neuen Lehrer bereitzustellen.

Nach Angaben des Deutschen Philologenverbandes werden nach derzeitigem Stand rund 7500 neue Stellen geschaffen - ein Drittel des Bedarfs von gut 20 000 Lehrern, den die Kultusministerkonferenz (KMK) allein für den Flüchtlingskinder-Andrang 2014/15 errechnet hat.

Laut Umfrage der «Bild»-Zeitung (Dienstag) in den Bildungsministerien planen die 16 Länder bisher insgesamt 7835 zusätzliche Lehrer ein, die meisten in Nordrhein-Westfalen (1200) und in Bayern (1700). Die Länder sind für die Schulpolitik zuständig.

Fehlendes Integrationskonzept für Flüchtlingskinder

Der Vorsitzende des die Gymnasiallehrer vertretenden Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: «Was wir brauchen, ist ein Masterplan, ein Integrationskonzept, wie Flüchtlingskinder in der Schule so fit gemacht werden, dass sie Abschlüsse erreichen. Dafür müssen wir vom reinen Auf-Sicht-Fahren wegkommen.

Es fehlt an einem langfristigen Konzept.» Derzeit spreche «vieles dafür, dass 300 000 Flüchtlingskinder bereits im Land sind, die beschult werden müssen, die aber noch längst nicht alle beschult werden».

Meidinger geht davon aus, dass an den Regelschulen noch nicht einmal die Hälfte der Kinder angekommen ist. «Viele sind in Willkommensklassen oder noch in der Warteschleife, bis zu sechs Monate, bevor die Schulpflicht greift.» Und 50 000 bis 80 000 Kinder sind nach Schätzungen seiner Lehrergewerkschaft «noch überhaupt nicht registriert».

Der Verbandschef sieht daher dringenden Handlungsbedarf: «Meine Prognose ist, dass spätestens im Sommer 2016 ganz deutlich wird, dass die Stellen nicht reichen und dass auch die nächstes Jahr zusätzlich erforderlichen Stellen nicht besetzt werden können. Da wird sich eine riesige Bedarfslücke auftun.»

Suche nach Lehrern mit Spezialgebiet "Deutsch als Fremdsprache"

Selbst wenn die Flüchtlingszahlen 2016 halbiert würden, «bräuchten wir zusätzlich zum aktuellen Bedarf noch einmal 10 000 Lehrerstellen. Man läuft also ständig dem Bedarf hinterher.» Meidinger plädierte im dpa-Gespräch dafür, Lehrer anzuwerben oder nachzuqualifizieren, etwa in Deutsch als Fremdsprache.

Um pensionierte Pädagogen für den Dienst zurückzugewinnen, sollten die beamtenrechtlichen Bedingungen für sie verbessert werden. Und es gelte, bei ehemaligen Lehrern des Auslandsschuldienstes anzufragen. «Es gibt davon 2000 bis 3000 im Ruhestand, die wieder einsteigen könnten.»

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Die Länder hatten im Oktober ihre Gesamtkosten für die Schulbildung von Flüchtlingskindern 2014/15 auf mindestens 2,3 Milliarden Euro beziffert. Bei rund 325 000 Schülern unter den Asylbewerbern würden voraussichtlich über 20 000 Lehrer mehr benötigt, sagte KMK-Präsidentin Brunhild Kurth.

Aber: «Wir fahren auf Sicht, wir steuern in den Ländern ständig nach.» Daher müsse der Bund trotz der Länderzuständigkeit im Schulbereich mehr Hilfe leisten.

 

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