Verbale und körperliche Attacken Wenn jeder zweite Patient aggressiv wird

, aktualisiert am 04.11.2016 - 17:18 Uhr
Die meisten gewalttätigen Patienten sind alkoholisiert oder stehen unter Drogen. (Symbolbild) Foto: dpa

Beleidigungen, Beschimpfungen und fliegende Monitore: In manchen Krankenhäusern kommt es fast täglich zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Patienten. Für die Mitarbeiter sind das einschneidende Erlebnisse.

 

München - Es muss nicht gleich ein Faustschlag sein oder ein Tritt, auch andere Schläge können wehtun, in der Seele: eine Beleidigung oder eine Beschimpfung. Und das von Menschen, denen man eigentlich helfen möchte. Gewalt in Kliniken ist zum Alltag geworden. In der Notaufnahme der Uniklinik in der Innenstadt machen die Problempatienten teilweise bis zu 50 Prozent der gesamten Patienten aus.

Dabei scheint die Lage das Problem entscheidend zu beeinflussen. Auf dem Campus Innenstadt häufen sich für das Klinikpersonal unangenehme Zwischenfälle mit aggressiven und gewalttätigen Patienten besonders. "Ein Problem ist die Nähe zu Brennpunkten wie dem Hauptbahnhof, dem Nußbaumpark und der Partymeile in der Innenstadt", sagt der Leiter der Notaufnahme, Markus Wörnle.

Alkohol und Drogen führen zu Aggressivität

In den meisten Fällen seien die aggressiven Patienten alkoholisiert, stünden unter Drogen oder hätten psychiatrische Probleme. "Teilweise machen diese Problempatienten bis zu 30 bis 50 Prozent unserer gesamten Patienten aus." In der Notaufnahme käme viel Frust dadurch zustande, dass die Bereitschaft der Patienten, zu warten, deutlich abgenommen habe – bei der Notaufnahme sei das manchmal aber nicht vermeidbar.

Der zweite Campus der Uni-Klinik, Großhadern, hat dagegen deutlich weniger Probleme mit Gewalt gegenüber Mitarbeitern. Zu verbalen Ausschreitungen komme es hier drei bis vier Mal pro Woche, körperliche Entgleisungen seien sehr selten, sagt der Mediziner Matthias Klein. "Gewalttätige Vorfälle als Resultat unzufriedener Patienten haben wir nicht verzeichnet." Die Ursache für aggressives Verhalten von Patienten liege fast immer in medizinischen Gründen.

Den, wenn man so möchte, Standortvorteil, haben auch die Helios-Kliniken. Zwei Häuser hat die private Klinik-Kette in München: in Pasing und in Perlach. "Körperliche Gewalt gibt es glücklicherweise nur äußerst selten", sagt Sprecher Marten Scheibel. Wenn es Probleme gebe, gehe sie meist von stark alkoholisierten Patienten aus, die abends oder an den Wochenenden in der Notaufnahme landen.

Spezielle Deeskalations-Maßnahmen

Reagiert wird sowohl in den beiden Helios-Häusern als auch an der Uni-Klinik gleich: Man setzt auf Mitarbeiterschulungen. So gibt es Kommunikationstrainings, die den Klinikangestellten helfen sollen, brenzliche Situationen "möglichst schon im Voraus zu erkennen, besser einschätzen und bewältigen zu können", sagt Scheibel. Aktuell seien zudem Deeskalationstrainings in Planung.

Am LMU-Klinikum gibt es diese bereits. Mitarbeiter werden von Deeskalationstrainern zwei Tage mit Techniken vertraut gemacht, die ihnen helfen sollen, schwierige Situationen zu entschärfen. Wenn das jedoch nicht gelingt, und Patienten auch körperlich aggressiv werden, hilft letztendlich nur eines: den Sicherheitsdienst oder die Polizei zu rufen.

 

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