Verabschiedung vom großen Filmemacher Nordfriedhof: Letztes Servus für Helmut Dietl

Beeindruckende Kulisse: Hier in der Aussegnungshalle am Nordfriedhof liegen am Sonntag Kondolenzbücher aus. Foto: Imago, Gnoni, dpa

Am Sonntag können sich die Münchner von ihrem Lieblings-Filmemacher verabschieden – auf dem Nordfriedhof liegen Kondolenzbücher bereit. Witwe Tamara lässt seinen Olivenbaum anliefern und hat einen besonderen Trauerspruch gewählt

 

Helmut Dietl († 70) war für vieles bekannt, beliebt, berüchtigt: grandiose Filme und Serien, das typisch Münchnerische, seinen Humor, den Zynismus, die Überperfektion, den weißen Schal, die vielen Gitanes ohne Filter undundund. . .
Eine Sache bringt man mit dem Lieblings-Regisseur so vieler Münchner und Nicht-Münchner sicher nicht in Verbindung – und doch war es seine große Leidenschaft: garteln.
Ja, der Helmut Dietl mochte die Pflanzen. Er grub und buddelte, topfte aus, pflanzte um. Daheim in seinem geliebten Schwabing und vor allem in seiner südfranzösischen Oase, weit weg von allem und jeden.

Besonders geliebt hat er den Olivenbaum – ein Prachtexemplar steht in der Münchner Wohnung. Seine Witwe Tamara Dietl beschäftigt sich gerade mit diesem Gewächs, denn sie möchte es so gerne zur Aussegnungshalle am Nordfriedhof bringen lassen. Am Sonntag können sich dort zwischen 10 und 14 Uhr alle Münchner von Helmut Dietl verabschieden.

Neben den ausgelegten Kondolenzbüchern wird der Sarg stehen, geschmückt mit weißen Lilien – und daneben eben sein Olivenbaum. Obwohl Tamara Dietl, Helmuts große starke Liebe, bis zur letzten Sekunde an seiner Seite, derzeit natürlich sehr viele andere Sachen im Kopf hat, kümmert sie sich nebenbei noch um den Olivenbaum.
Sie weiß, es hätte ihren Mann gefreut. Zu seinem 60. Geburtstag – lange vor dem Schlaganfall und der späteren Krebs-Diagnose – hat er den Baum von Moritz Bleibtreu geschenkt bekommen. Der Dietl mochte den Schauspieler wirklich gern, bei seinem Film „Vom Suchen und Finden der Liebe“ besetzte er die Hauptrolle mit ihm. Zum 60. schenkte der Moritz ihm also den Baum, der damals mehr ein Bäumchen war, nur wenige Zentimeter groß.

Zehn Jahre und viel Pflege von Helmut Dietl später ist er nun ziemlich groß und prächtig. Zusammen mit dem Bestattungsinstitut „Aetas“ bespricht sich Tamara Dietl am Freitag, wie dieser Baum nun an den Nordfriedhof gelangen kann.
„Das machen wir jetzt, das klappt schon“, sagt Tamara. Worte, die bei ihr oft fallen. Sie ist die Frau, die anpackt, nicht nur drumrumredet. Auch wenn es um das letzte Servus für ihren Helmut geht. Sie wollte, dass sich auch die Münchner von ihrem Mann verabschieden können. Also fragte sie bei entscheidender Stelle nach, ob das mit den Kondolenzbüchern am Sonntag gehen könnte. Es geht. Zur AZ sagte Tamara Dietl: „Das ist mir besonders wichtig. Ich weiß, dass es nicht nur den privaten Helmut gab, sondern auch den Künstler und Mythos, die Legende Helmut Dietl. Ich finde die Lösung so sehr schön – für alle, die ihn mochten, gibt es nun die Möglichkeit, Abschied zu nehmen.“

Jetzt die Idee mit dem Olivenbaum. Tamara macht Nägel mit Köpfen – und Köpfchen. Dafür hat ihr Mann sie geliebt. Für ihre unfassbare und nicht enden wollende Kraft. Auch die gemeinsame elf-jährige Tochter Serafina fragt manchmal, wie die Mama das alles packt. Woher Tamara wohl ihre viele Energie nimmt?

Zu der Traueranzeige hat sie einen Spruch von Karl Valentin ausgesucht – und der beschreibt auch ihren Charakter sehr gut: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Nächste Woche wird ihr Mann im Familienkreis beigesetzt – auf dem Friedhof Bogenhausen. Zuvor hat Tamara Trauerkarten an gute Freunde schicken lassen, die sie mit dem Spruch aus den „Münchner Geschichten“ hat drucken lassen er lautet:
„So ist des im Lebn, zerst is schön und dann ist auf amoi alles vorbei.“

 

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