Varieté Wenn die Franzosen Feste feiern

Antoine Carabinier Lepine und Jonathan Casaubon zeigen, wie die Bewohner von Vasitas mit Kunst und Akrobatik schon vor dem eigentlichen Fest feste feiern. Foto: GOP

Das wird ein Fest! Turbulent und anrührend präsentiert die neue Varieté-Show „La fête“ Einblicke in ein kleines französisches Dorf, in dem die Bewohner alle etwas schrullig sind

 

Wir befinden uns erst am Abend vor dem großen Fest, erfährt man über den erzählerischen Rahmen des Programms. Nach den zwei übermütigen Stunden dieser vor Energie und Temperament fast berstenden Show würde man am nächsten Tag gerne Mäuschen spielen, um herauszufinden, was es bedeutet, wenn das wirkliche Fest über das südfranzösische Dorf mit dem sprechenden Namen „Vasistas“ („Was ist das?“) hereinbricht. Die Münchner Filiale des GOP-Varietétheaters feiert mit „La fête“ ein kleines Jubiläum: Es ist die 25. Produktion, seit die Hannoveraner in der früheren Komödie am Max II die Unterhaltungsgeschäfte übernahmen.

Die Bühnendekoration führt dabei auf eine falsche Fährte. Sie illustriert wie laubgesägt ein naives Frongkreisch-Idyll von Friede, Freude und Crêpe. Doch hinsichtlich der Qualität von Artistik, Lichtdesign und Dramaturgie zeigt GOP den hohen Standard, an den sich die Münchner in den letzten vier Jahren gewöhnt haben, wenn es ums zeitgenössische Varieté geht. In Vasistas lebt ein Menschenschlag, der offenbar gekreuzt wurde aus den Nachfahren der Bewohner des kleinen gallischen Dorfs in den Asterix-Comics und Luis de Funès. Sie sind nicht nur ein bisschen verrückt, sondern richtig durchgeknallt. Hier wundert sich niemand, wenn ein hypermotorischer Waldschrat seine Achselbehaarung mit der Kettensäge stutzt.

Die Truppe, die sich für das Projekt unter der Regie des französischen Kunstradfahrers Serge Hercio und des deutschen Comedians Detlef Winterberg zusammenfand, sieht nicht einmal in allen Fällen so aus, wie man Akrobaten kennt. Keine zierlichen, feingliedrigen Leichtgewichte, sondern die vollbärtigen Frankokanadier Jonathan Casaubon, Antoine Carabinier Lépine und Jacques Schneider zeigen unter weißen Feinripp-Unterhemden mächtige Muskelpakete. Ganz ohne l’amour geht eine Tour de France natürlich nicht. Tollkühn wird auf Rollschuhen oder kraftvoll an den Strapaten gebalzt. Aber zur Liebe gehört auch ihr Ende. Zum Jacques-Brel-Klassiker „Ne me quitte pas“ zeigt Claudel Doucet, verwickelt ins Vertikaltuch und ständig vom Absturz gefährdet, eine beeindruckend wahnsinnsnahe Choreografie der Angst vor dem Verlassensein.

GOP-Varietétheater, bis 28. Oktober, dienstags bis donnerstags 20 Uhr, freitags 17.30 und 21 Uhr, samstags 17 und 20.30 Uhr, sonntags 15 und 18.30 Uhr, Tel.: 21 02 88 444

 

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