USS Carl Vinson Flugzeugträger-Diplomatie: Bald auch vor Nordkorea?

Volle Fahrt voraus: Ein Archivfoto der USS Carl Vinson Haiti auf dem Weg zu einem humanitären Einsatz auf Haiti nach dem verheerenden Erdbeben, das die Insel 2010 erschütterte. Foto: Foto: Dusty Howell/dpa

Die Schiffe sind die Wunderwaffe des amerikanischen Militärs und kommen weltweit bei Krisenzum Einsatz – so wie demnächst vor Nordkorea. Die AZ erklärt die schwimmenden Flugplätze.

 

Washington - Was man zu Zeiten des Imperialismus mit leisem Spott als "Kanonenboot-Diplomatie" bezeichnete, darf heute – alles ist größer geworden – getrost "Flugzeugträger-Diplomatie" genannt werden. Denn wo immer auf der Erde ein Konflikt schwelt, die Interessen der Supermacht USA bedroht scheinen, entsendet Washington einen seiner atomgetriebenen, schwimmenden Flugplätze.

Aktuell ist dies die USS Carl Vinson, die sich nach einem für viel Verwirrung sorgenden Abstecher nach Australien auf den Weg in die Gewässer vor der koreanischen Halbinsel gemacht hat. Sie gehört zur sogenannten Nimitz-Klasse, wurde 1982 in Dienst gestellt und soll den nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un zu einer Denkpause bewegen, bevor er einen weiteren seiner international geächteten Atombomben- oder Raketentests befiehlt.

Eine Stadt auf dem Wasser

Der Flugzeugträger, benannt nach dem US-Kongressabgeordneten und Vater der modernen amerikanischen Marine Carl Vinson (1883-1981), ist eine Stadt auf dem Wasser. Das Kriegsschiff ist 317 Meter lang, hat eine Besatzung von 3200 Frauen und Männern sowie ein 2480-köpfiges Flugzeugpersonal, das für Einsätze der 85 Luftfahrzeuge zuständig ist. Das Geschwader setzt sich aus Jagdflugzeugen, Jagdbombern sowie Tank-, Aufklärungs- und U-Jagdflugzeugen zusammen. Dazu kommen zehn Hubschrauber.

Die US-Marine verfügt über zehn Träger, von denen vier im Atlantik und fünf im Pazifik stationiert sind (einer, die USS Abraham Lincoln, befindet sich zur Überholung in der Werft). Dank ihres Nuklearantriebs sind die Schiffe nicht nur über 30 Knoten (55 km/h) schnell, sondern könnten auch fast unbegrenzt auf See bleiben, was wegen des auf 90 Tage begrenzten Proviants allerdings nur ein theoretischer Wert ist.

2.000 Eier und 800 Laibe Brot

Pro Tag werden auf Trägern der Nimitz-Klasse bis zu 20.000 Mahlzeiten ausgegeben. Dafür werden 280 Kilo Hamburger-Fleisch und über 2.000 Eier gebraten sowie bis zu 800 Laibe Brot gebacken. Flugzeugträger sind strategisch gesehen das mit Abstand komplexeste, aber auch stärkste Waffensystem auf See.

Allerdings sind selbst die riesigen Träger der Nimitz-Klasse kaum bewaffnet und deshalb auf den Schutz durch Begleitschiffe angewiesen. Üblicherweise besteht eine Kampfgruppe aus dem Träger selbst, zwei Lenkwaffenkreuzern, zwei Lenkwaffenzerstörern, zwei Jagd-U-Booten und einem logistischen Trossschiff zur Versorgung mit Munition, Lebensmitteln und Treibstoff.

Die Flugzeugträger haben eine Lebensdauer von 50 Jahren. Mit der Gerald R. Ford befindet sich das erste Schiff der neuen Ford-Klasse in der Erprobung. Das erste Schiff der alten Nimitz-Klasse war 1975 in Dienst gestellt worden.

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Fragen an den Wehr-Experten

Professor Carlo Masala lehrt Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München. Für die AZ klärt der Experte die wichtigsten Fragen rund um Flugzeugträger.

AZ: Herr Masala, die Amerikaner verlassen sich bei der Durchsetzung ihrer strategischen Ziele zu fast 100 Prozent auf Flugzeugträger. Warum?
CARLO MASALA: Das besondere an Flugzeugträgerverbänden ist, dass man sich nicht von anderen Staaten abhängig machen muss, um militärische Operationen durchzuführen. Zudem sind die meisten Staaten nicht in der Lage, amerikanische Flugzeugträgererverbände effektiv anzugreifen oder ihre Bewegungsfreiheit entscheidend einzudämmen. China und Russland verfügen über sogenannte Anti Access/Area Denial-Waffen, die die Bewegungsfreiheit amerikanischer Trägerverbände einschränken können, aber es sind gegenwärtig nur diese beiden Staaten, die dies können. Somit ermöglichen Flugzeugträgerverbände den USA eine globale Projektionsmöglichkeit.

Warum verfügen andere Supermächte nicht ebenfalls über atomgetriebene Träger?
Flugzeugträgerverbände zu bauen, zu operieren und zu unterhalten, ist extrem teuer und auch sehr kompliziert. Die USA haben den gesamten Zweiten Weltkrieg gebraucht, um zu lernen, wie Flugzugträgerverbände von bis zu zehn Schiffen effektiv operieren können.

Wird Deutschland sich eines Tages an den astronomischen Kosten für Bau und Unterhalt der US-Flugzeugträgerflotte beteiligen müssen?
Davon ist nicht auszugehen, da die amerikanischen Flugzeugträgerverbände unter nationalem, US-Kommando stehen und wie für alle nationalen Rüstungen gilt: Kosten werden dort beglichen, wo sie anfallen. Wenn Deutschland amerikanische Flugzeugträgerverbände mitfinanzieren würde, wäre es nur legitim, dass man auch über ihren Einsatz mitbestimmt. Das würden die USA nie akzeptieren.

Die eher defensive Weltpolitik Obamas wird gerade durch den aggressiveren Regierungsstil Trumps abgelöst. Besteht darin eine Gefahr für den Weltfrieden? Oder war Obamas Passivität gefährlicher?
Hier liegt ein Irrtum vor. Obama war nicht passiv. Er war in bestimmten Bereichen – Einsatz von bewaffneten Drohnen zur gezielten Tötung – sehr aktiv und aggressiv. Auch hat er wiederholt Flugzeugträgerverbände in die südchinesische See entsendet.

 

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