Ungeziefer im Restaurant Kammerjäger im Galeria Kaufhof am Marienplatz!

Galeria Kaufhof am Marienplatz gehört zu den bekanntesten Kaufhäusern Münchens. Das Restaurant sei nach dem Schädlingsbefall aufwändig renoviert worden, versichern die Mitarbeiter vor Gericht. Foto: imago

Weil Mäuse und eine Ratte auf einer Klebefalle verenden, landet der Schädlingsbekämpfer Wolfgang Piana vor Gericht - der Vorwurf: Tierquälerei. Brisant: Die Tiere starben im Restaurant des Galeria Kaufhof am Marienplatz. Das Lokal wurde inzwischen renoviert.

 

MÜNCHEN - Seit 20 Jahren macht Wolfgang Piana (41) den Job. Er gilt als sehr erfahrener Kammerjäger. Ein Auftrag im Restaurant von Galeria Kaufhof am Marienplatz bringt ihn jetzt aber vors Amtsgericht: Statt Kakerlaken und anderen Insekten sind ihm gesetzlich geschützte Wirbeltiere, in diesem Fall acht Mäuse und eine Ratte, in die Klebstoff-Falle gegangen und qualvoll verendet.
Piana muss sich wegen Tierquälerei verantworten.

4200 Euro (60 Tagessätze) soll er per Strafbefehl zahlen. Dagegen hat er Einspruch eingelegt. Vor Gericht sagt Piana: „Ich ging davon aus, dass dort keine Mäuse und Ratten sind, weil mir das Küchen-Personal gesagt hatte, dass es seit Jahren keine gesehen hätte.“

Es war ein Eilauftrag am 1. März 2011. Restaurant-Manager Michael W. (47) sagt im Zeugenstand: „2007 haben wir umgebaut. Die Theke am Grill ist nur mit Holz verkleidet worden. Ich sah plötzlich, dass das Holz aufgequollen und feucht war. Das ist eine wunderbare Brutstätte für Ungeziefer.“ Er habe dann einen Eimer Wasser unter die Theke gekippt – da spülte es schon Kakerlaken hervor.

Wolfgang Piana, der einmal im Monat Galeria Kaufhof auf Schädlinge prüft, wird telefonisch alarmiert. Gegen 18 Uhr trifft der Kammerjäger ein.

Der Manager: „Wir haben einen Rundgang gemacht, im Restaurant und in der Küche die Schwachstellen besprochen. Bis die Theke im Juni neu umgebaut wurde, kam Herr Piana jede Woche zu uns.“
Der Kammerjäger wollte Gift gegen die Schaben sprühen, aber: „Die Kaufhofleitung war dagegen, weil man bei solchen Aktionen sämtliche Lebensmittel sowie die Gewürze aus der Küche räumen muss.“

Piana entschied sich deshalb für Spezialklebestreifen. Sie sind zehn Zentimeter breit und werden am Boden entlang der Fußleisten verlegt. Sobald Ungeziefer darauf krabbelt, bleibt es kleben. Damit Nager zu jagen, ist verboten.

Restaurant-Manager W. versichert: „Mäuse haben wir dort nie gesehen.“ Sein Kollege Oliver K. (41) sagt als Zeuge: „Die Chance, dass Mäuse von der S-Bahn bis zu uns in den fünften Stock kommen, ist sehr gering.“

Umso überraschender ist der Fund, den später zwei Polizisten im Restaurant machen. Sie sind morgens in die Kaufhof-Küche gerufen worden. Polizeibeamter Christoph K. (28): „Ein Einbrecher wurde gemeldet. Mit gezogenen Waffen sind wir in die Küche.“ Plötzlich sei er mit den Schuhen am Boden festgeklebt – auf der Klebefalle: „Ich bin richtig erschrocken. Als ich auf den Boden schaute, sah ich acht Mäuse und eine Ratte. Sie klebten auf der Folie mit dem Bauch richtig fest und piepten.“ Die Tiere können sich nicht mehr befreien.

Die Polizisten telefonieren daraufhin mit dem Gewerbebeamten und verständigen das Kreisverwaltungsreferat. Mit den Tieren haben sie sich vor Ort nicht mehr beschäftigt: „Wir suchten einen Einbrecher – den es nicht gab.“

Nach dem Vorfall wurde das Restaurant aufwändig saniert. Mitarbeiter Oliver K. versichert: „Im großen Bereich der Küche ist nichts mehr: kein Kakerlakenbefall, keine Mäuse.“
Gutachterin Ingrid Körber erklärt vor Gericht, dass Piana in der „kurzen Zeit“ völlig richtig gehandelt habe. Urteil: Freispruch.

 

8 Kommentare