Umweltministerium sucht Lösung Runder Tisch: Kampf gegen Coffee-to-go-Becherflut

Coffee-to-go-Becher sorgen für eine wahre Abfallflut. Nun sollen Lösungen gefunden werden. Foto: dpa

Der Freistaat will Strategien entwickeln, um den enormen Verbrauch von Coffee-to-go-Bechern einzudämmen.

 

München - In München hört man diesen Satz ungefähr 190.000 Mal pro Tag. „Einen Kaffee bitte, zum Mitnehmen!“ Der Satz an sich wäre natürlich überhaupt kein Problem, wenn ihm nicht jedes Mal ein Einwegbecher folgen würde, der ein paar Minuten später im Müll landet.

Jahresverbrauch: 2,8 Milliarden Becher

Nichts steht so sehr für die heutige Wegwerfgesellschaft wie Coffee-to-go-Becher. Bundesweit werden pro Jahr schätzungsweise 2,8 Milliarden Becher verbraucht. Das entspricht einem Berg von 40.000 Tonnen Abfall, oder um es noch ein bisschen anschaulicher zu formulieren: einer Becher-Kette, die die Erde sieben Mal umrunden würde.

Runder Tisch zum Thema im Umweltministerium

In vielen deutschen Städten gibt es schon lokale Initiativen gegen die Becherflut, nun will sich der Freistaat gebündelt im Kampf gegen die Pappbecher versuchen. Am Freitag kamen dazu Vertreter von bayerischen Unternehmen, Verbänden und Kommunen zu einem Runden Tisch im Umweltministerium zusammen.

„Wir setzen auf freiwillige Maßnahmen“, sagte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU). Sie sprach sich gegen Verbote oder Abgaben auf Becher aus und warb für eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels. Konkrete Strategien wurden an diesem Freitag noch nicht beschlossen. Dennoch sei die Grundlage für ein „Bündnis gegen die Becherflut“ gelegt worden, so ein Sprecher des Umweltministeriums.

Kaffeetrinker sollen auf Mehrwegbecher umsteigen

Genaue Maßnahmen sollen dem Umweltministerium zufolge dann Anfang nächsten Jahres ausgearbeitet werden, in weiteren Gesprächsrunden mit dem Gemeinde-, Städte- und Landkreistag. Außerdem sei eine bayernweite Informationskampagne geplant. Die Umweltministerin forderte außerdem, dass sich der Bund stärker am Kampf gegen die Becherflut beteiligt.

Bei der letzten Umweltministerkonferenz sei bereits ein gemeinsames Vorgehen von Bund und Ländern beschlossen worden - nun müsse der Bund prüfen, welche Maßnahmen davon ergriffen werden können.

Scharf appellierte aber auch an jeden einzelnen Kaffeetrinker, selbst aktiv zu werden. Der Gebrauch eines Mehrwegbechers könne pro Person bis zu 60 Coffee-to-go-Becher im Jahr ersetzen. Und verzichten kann man auf die schädlichen Einwegbecher bereits vielerorts problemlos - auch in München (siehe unten).


Darum sind Einwegbecher wahre Umweltkiller

Ein Coffee-to-go-Becher sieht harmlos aus - wie ein bisschen Pappe. Aber das täuscht. Das erste Problem: Er wird überwiegend aus neuen Papierfasern hergestellt, nicht aus recycelten. Es werden also Bäume dafür gefällt.

Das zweite: Der Becher besteht durchschnittlich zu fünf Prozent aus Kunststoff, man benötigt Erdöl für seine Herstellung. Allein die Beschichtung im Inneren verbraucht der Deutschen Umwelthilfe zufolge jährlich etwa 22.000 Tonnen Rohöl. Hinzu kommen Plastikdeckel, Rührstäbchen oder Tragehilfen aus Pappe. Außerdem werden die Becher oft achtlos weggeworfen und verschmutzen öffentliche Plätze und die Natur.

Das sind die Alternativen:

Alternative 1: Eigener Becher. Was ist am naheliegendsten, wenn man auf umweltschädliche Kaffeebecher verzichten will? Gar nicht so schwierig. Man greift zur eigenen Tasse. Diese Idee hatte auch die Münchner Studentin und Umweltaktivistin Julia Post. Deswegen rief sie vor einem Jahr die Aktion „Coffee to go again“ ins Leben. Dabei lässt man sich den Kaffee zum Mitnehmen in den eigenen Becher füllen. Ob ein Café oder eine Bäckerei sich an dieser Initiative beteiligen, sieht der Kaffeetrinker an einem Aufkleber mit dem Logo der Aktion (ein grüner Becher). Mittlerweile machen in ganz Deutschland schon 350 Bäckereien und Cafés bei dieser Aktion mit. Ein ähnliches Projekt ist auch in Ingolstadt geplant.

Alternative 2: Rabatte als Anreiz. Auch große Bäckerei- und Kaffeeketten haben sich etwas überlegt, damit weniger Einwegbecher gekauft werden. Geld sparen! Das klappt normalerweise ja. In Filialen von McCafé und Kamps etwa sparen Kunden, die sich ihren Kaffee in einen mitgebrachten Mehrwegbecher abfüllen lassen, zehn Cent pro Getränk. Befüllt werden aber nur saubere Becher. Außerdem gibt es dabei strengere Hygieneregeln für die Mitarbeiter: Nach jedem Kaffee heißt es nun Händewaschen. Sonst könnten Viren, die an einem Becher kleben, ja schnell an allen Bechern kleben.

Alternative 3: Das Becherpfand. Seit Jahren beweist er sich auf Weihnachtsmärkten und Volksfesten: der Becherpfand. In vielen Städten gibt es ihn nun auch beim Kaffee. In Freiburg beispielsweise existiert nun der „FreiburgCup“, ein Mehrwegbecher mit der Freiburger Skyline, den 16 Cafés und Backshops anbieten. Kaffeetrinker zahlen dafür einen Euro Pfand und können ihn bei einer teilnehmenden Filialen wieder abgeben. Tübingen versucht das mit dem „Tü-go“-Becher. In Berlin, der Hauptstadt der Einwegbecher, gibt es ein ähnliches Projekt mit dem Namen „Boodha - Just swap it“; auch die Hamburger haben schon ihren eigenen Mehrweg-Kaffeebecher.

 

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