Beim FC Bayern schreitet der Umbruch voran, ein zentrales Thema soll die Jugendarbeit sein. Nach Jahren der Versäumnisse wurde Niko Kovac von Uli Hoeneß darauf angesetzt, endlich wieder eigene Youngster bei den Profis zu integrieren. Und: Kovac macht sich direkt daran.

München - Wer momentan bei den Amateuren des FC Bayern im Grünwalder Stadion vorbeischaut, hat gute Chancen, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Und zwar das von Niko Kovac.

Der neue Bayern-Trainer gehört zu den Stammgästen auf der Haupttribüne und war bei fast jedem Heimspiel der laufenden Saison höchstpersönlich vor Ort. Mit dabei: Bruder und Co-Trainer Robert sowie Torwart-Coach Toni Tapalovic.

Louis van Gaal prägte einst

Das Trainerteam des deutschen Rekordmeisters hat die Nachwuchs-Kicker genau im Blick – das war in den vergangenen Jahren nicht immer so. Der letzte Trainer, dem die Junioren wirklich am Herzen lagen, war Louis van Gaal. Er prägte seinerzeit den Satz: "Thomas Müller spielt immer".

Um Holger Badstuber einen Platz im Kader zu sichern, geleitete er den damaligen Weltklasse-Verteidiger Lúcio vor die Tür. Auch der letzte Spieler, der den Sprung zu den Profis schaffte, debütierte unter ihm: David Alaba. Man kann dem Niederländer sicher einiges vorwerfen, aber nicht, dass ihm die Sehnsucht der Fans nach Spielern aus dem eigenen Nachwuchs egal gewesen wäre.

FC Bayern setzt auf neue Transferpolitik

Seit dem Abgang von van Gaal lag der Juniorenbereich beim Rekordmeister weitgehend brach, der Sprung von den Amateuren in die Profimannschaft wurde immer größer. Zwischenzeitlich wohl unerreichbar.

Unter Jupp Heynckes, Pep Guardiola und Carlo Ancelotti kamen die Youngster höchstens zu Kurzeinsätzen in unwichtigen Ligaspielen zum Ende der Saison – eine Perspektive in Richtung Profi-Team wurde aber keinem von ihnen aufgezeigt. Dabei kamen in Niklas Dorsch, Timothy Tillman oder zuletzt Manuel Wintzheimer immer wieder talentierte Spieler nach.

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Unter Niko Kovac soll sich das nun ändern – auf Anweisung von ganz oben hin. Letztes Jahr eröffnete Uli Hoeneß das knapp 90 Millionen Euro teure Nachwuchsleistungszentrum in Fröttmaning.

"Wir haben in Steine investiert. Und jetzt müssen wir den FC Bayern mit Beinen besser machen", sagte der Bayern-Präsident seinerzeit am Rednerpult und richtete damit eine klare Botschaft an den eigenen Verein. "Wir haben da in den vergangenen Jahren nicht gut gearbeitet", meinte Hoeneß unumwunden.

Eine erste bemerkenswerte Maßnahme, um die Durchlässigkeit zu den Profis zu zu verbessern, ließ sich bereits in diesem Sommer beobachten. In Leon Goretzka verpflichteten die Münchner nur einen echten Neuzugang, dazu kommen in Serge Gnabry und Renato Sanches zwei Leih-Rückkehrer. Große Transfers wie in den vergangenen Jahren gab es nicht. (Lesen Sie hier: AZ-Kommentar - Der FC Bayern macht mit seiner Transferpolitik alles richtig)

Bayern-Youngster erteilten Kovac eine Lehrstunde

Stattdessen wurden Sebastian Rudy (zum FC Schalke), Juan Bernat (zu Paris Saint-Germain) und Arturo Vidal (zum FC Barcelona) abgegeben. Insgesamt ist der Kader schlanker geworden. Verletzungsbedingte Ausfälle sollen intern aufgefangen werden, auch mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchs.

Kovac hat großes Vertrauen in seine Sprösslinge, wie sich schon in der Vorbereitung zeigte. Nicht nur bei der US-Tour der Münchner, während der sich noch ein großer Teil des Kaders im verlängerten WM-Urlaub befand, sondern auch beim Trainingslager in Rottach-Egern durften viele Jungstars beim Profi-Team mittrainieren und vorspielen.

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Drei Gesichter dürften ihm dabei schon bekannt vorgekommen sein. Ende April war Kovac letztmals als Gast in der Allianz Arena und wurde mit der Frankfurter Eintracht von einer C-Elf des FC Bayern 1:4 abgefertigt. Mit dabei: Lars Lukas Mai, Meritan Shabani und Franck Evina. Drei Spieler aus der heutigen U23 der Münchner.

Innenverteidiger Mai durfte in Rottach sogar mit der ersten Formation trainieren. Jetzt wird er von Kovac höchstpersönlich regelmäßig im Grünwalder Stadion in Giesing begutachtet. Ganz nach dem Gusto von Vereinsboss Hoeneß.

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