Uli Hoeneß „Das Geschäft der Zukunft: Deiner Hände Arbeit...“

...und wieder einen Acker pflügen, für die Kühe Futter anbauen!“ Hier geißelt Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der nächste Woche 60 Jahre alt wird, die Profitgier der Banker und fordert ein Umdenken.

 

AZ: Herr Hoeneß, jetzt werden Sie 60. Der FC Bayern ist ein von Ihnen bestens bestelltes Feld, Sie sind ein sehr politischer Mensch – wäre das nichts für Sie?

ULI HOENESS: Es gab Anfragen. Aber ich glaube nicht, dass ich die Kraft dafür noch hätte. Ich war mit 27 Manager, bis 58. Ich habe über 30 Jahre Vollgas gegeben. Und hatte immer direkten Einfluss. Wenn ich heute etwas gemacht habe, konnte ich morgen das Ergebnis sehen. In der Politik geht das ja nicht. Du denkst dir: So, jetzt müssen die Steuern mal um drei Prozent runter. Und dann musst Du erst deine Partei überzeugen, dann den Koalitionspartner, dann muss es in den Bundesrat. Und dann nimmt es dir noch Lebensqualität, es macht dich unfrei.

Was meinen Sie?

Ich seh’s doch, wenn Edmund Stoiber mal zu mir an den Tegernsee kommt, mit zwei drei Sicherheitsbeamten. Da sag ich immer zu meiner Frau: Das könnte ich nicht ertragen. Ich möchte mich auch mal verdrücken können. Andererseits: Wenn ich zehn Jahre jünger wäre und nicht die Familie hätte, würde mich die Politik schon reizen. Aber nur, wenn ich so unabhängig sein könnte wie jetzt.

Sie gelten als stockschwarz, wären ja wohl in der CSU.

Ich bin unabhängig. Wenn ich mich heute festlegen müsste, für welchen OB-Kandidaten in München ich bin, da würde ich nach jetzigem Stand den Dieter Reiter nennen – obwohl der von der SPD ist. Weil er ein guter Wirtschaftsexperte ist. Oder in den USA: Wir müssen alle beten, dass Obama die Wahlen 2012 gewinnt. Wenn ich das meinen amerikanischen Freunden sage, die drehen mir den Hals um, das sind ja alles Republikaner. Ich habe ein Superverhältnis zu Joschka Fischer, auch mit Claudia Roth tausche ich mich gerne aus. Ich bin überhaupt nicht festgelegt. Die Politiker verschwenden 80 Prozent ihrer Zeit damit, sich gegenseitig zu bekämpfen – und haben nur 20 Prozent Zeit, die großen Probleme zu lösen. Wenn es nach mir ginge, müssten alle Parteien zusammenhalten, bis sie die Probleme gemeinsam gelöst haben.

Und wer regiert am Ende?

Im Jahr 2013 wird es nur eine Partei sein, die richtig jubelt – und das wird die CDU/CSU sein. Ich sage Ihnen auch, warum: Die einzige große, wirklich gute Politikerin auf dieser Welt ist Angela Merkel. Wir müssen alle zu Gott beten, dass sie sich in der weltweiten Finanzkrise durchsetzt. Und dann wird sie sicherlich die Wahl gewinnen, mit welchem Partner auch immer. Vielleicht mit den Grünen, warum denn nicht! Ich habe dem Edmund Stoiber schon vor 15 Jahren gesagt: Mein Traum ist schwarzgrün. Jetzt könnte es bald passieren. Sie können übrigens versichert sein, dass ich 2011 öfter mit politischen Kräften diskutiert habe als mit Fußballleuten.

Sind Sie etwa der Regierungsberater von Frau Merkel?

Nein, aber ich treffe sie zwei-, dreimal im Jahr. Ich bin ja im Vorstand der „Deutschlandstiftung Integration“, da lädt uns Frau Merkel ins Bundeskanzleramt ein. Und wer mich kennt, weiß, dass ich immer meine Meinung sage. Wir sind ja gerade in einer entscheidenden Phase. Die Welt muss sich total verändern, will sie nicht untergehen!

Sie reden von der Krise an den Finanzmärkten.

Die Spekulation auf Differenzgeschäfte, ob der Ölpreis nun 98 oder 96 Dollar kostet – das ist nicht mehr getrieben von Angebot und Nachfrage, sondern nur davon, ob ein Fonds long oder short ist. Oder diese Call-Optionen auf Reis, wo ich nur gewinne, wenn der Reispreis steigt – ganz egal, wie gerade die Ernte ist! Die Spekulanten verdienen Geld damit – und die Leute in Bangladesh sterben dran. Schauen Sie doch mal, wie das bei Lehman losging: Die linke Abteilung hat einem Tankwart in Cleveland ein Haus verkauft ohne Eigenkapital und dafür eine Riesenprovision kassiert. Und kaum war der Vertrag unterschrieben, hat die Subprime-Abteilung, weil sie wussten, das Geld kriegen sie nie wieder, das Haus in einem Fonds eingebaut, den sie auch unseren Landesbanken verkauft haben – Prinzip „Triple A Rating“ – von den selben Rating-Agenturen, die jetzt die Welt verändern wollen! Bevor die Krise losging, waren die alle auf der Seite der Spekulanten, und jetzt hauen sie die ganze Welt in Schutt und Asche! Unglaublich ist das, unglaublich!

Herr Hoeneß, Sie reden in Ausrufezeichen.

Wir müssen wieder zurück! Weg von „höher, weiter, schneller“! Weg von den Quartalsberichten! Dieses Investmentbanker-Streben nach: „1.17Dollar ist gut, 1.16 Dollar geht noch, 1.14 Dollar ist katastrophal. Raus! Raus! Raus!" Die haben sie doch nicht mehr alle! Die Versicherungen und Banken setzen nicht mehr auf gescheite Aktien, kaufen aber für Hunderte von Milliarden Schuldscheine bei Costa Rica, weil sie da einen Prozentpunkt mehr kriegen – und riskieren dabei den Totalverlust. Nehmen Sie Island, die hatten 360 Milliarden Dollar Bonds – ein Land, das außer ein paar Ziegen und Geysiren nichts hat! Das muss alles aufhören!

Was ist denn Ihre Lösung?

Die Investmentabteilungen in den Banken müssen gegen null gehen. Eine Aktie muss wieder gut sein, wenn sie seriös arbeitet und Gewinne macht. Ein Bank soll dafür da sein, dass sie Kredite vermittelt und hilft, dass die Firmen, an denen sie beteiligt ist, prosperieren. Und nicht schauen, dass man morgens eine schlechte Meldung über irgendwen raushaut, dessen Aktie man vorher short gegangen ist – und dann,wenn sie im Keller ist, nimmt man sie wieder rein. Krank!

Und Sie glauben wirklich, es gibt einen Weg zurück?

Diese weltweite Finanzkrise ist doch ein letztes Alarmzeichen, dass es so nicht weitergeht. Die Banken, die Wirtschaft, wir alle müssen begreifen, dass das Geschäft der Zukunft wieder ist: Deiner Hände Arbeit! Wieder einen Acker pflügen – und für die Kühe Futter anbauen. Und nicht darauf zu spekulieren, ob ich, weil ich 15 Milliarden Bonds habe, am Computer an der 17. Dezimalstelle Geld verdienen kann.

 

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