Überwältigt an Tankstelle Amokläufer von Ansbach: "Ruhe - oder ich knalle alle ab"

Nach der Festnahme: Der Amokfahrer von Ansbach steht auf dem Gelände der Tankstelle. Foto: az/ dpa

Bevor der Ansbacher Amokfahrer überwältigt werden konnte, spielten sich in einer Tankstelle dramatische Szenen ab. Nach und nach wird immer mehr bekannt über die Tat, den Täter, seine Opfer - und die Helden, die keine sein wollen.

 

Bad Windsheim - Sie haben den Amokläufer von Ansbach überwältigt und damit weiteres Blutvergießen verhindert: Bundesagrarminister Christian Schmid (CSU) will die mutigen Mitarbeiter der Bad Windsheimer Esso-Tankstelle für ihren „tapferen und entschlossenen“ Einsatz deshalb mit der bayerischen Rettungsmedaille belohnen. Doch den Mechanikern ist der ganze Wirbel eher unangenehm. „Wir wollen keinen Heldenstatus, wir haben einfach riesiges Glück gehabt“, sagte einer von ihnen der „Windsheimer Zeitung“.

Nach und nach wird nun bekannt, welch dramatische Szenen sich in dem Autohaus abgespielt haben. Um 11.45 Uhr rollt Amokfahrer Bernd G. (47) im silberfarbenen Cabrio seines Vaters auf den Parkplatz vor der Werkstatt. Der arbeitslose Pfleger hat gerade die 82-jährige Rentnerin Anna A. und einen 72-jährigen Radler erschossen. Außerdem hat der Sportschütze einen Traktorfahrer verletzt und mehrere Menschen mit der Waffe bedroht. Bizarr: Einige halten den Befehl, die Hände hochzunehmen, für einen Scherz, lachen den Täter aus – und Bernd G. fährt einfach weiter. Dabei sind die Automatik-Pistole und der Magnum-Revolver, die er bei sich hat, echt und geladen.

Bernd G., der seit zehn Jahren wegen psychischer Probleme behandelt wird, betritt den Verkaufsraum der Tankstelle mit vorgehaltener Pistole. Eine etwa 60-jährige Kundin spricht ihn an: „Stecken Sie die Waffe weg, mit so etwas läuft man nicht herum“, sagt sie sinngemäß. „Sie können ja rausgehen und die Polizei rufen“, blafft Bernd G. zurück. Als die Frau weiter auf ihn einredet, schreit er sie an: „Ruhe jetzt, oder ich knalle alle ab.“ Erst jetzt flieht die Seniorin.

Dann legt Bernd G. die Pistole auf den Tresen, um etwas aus seiner Hosentasche zu holen. Geistesgegenwärtig schnappt sich die Kassiererin (46) die Waffe und sperrt sich damit in der Toilette ein. „Ich hab’ die Waffe“, ruft sie noch. Der Amokfahrer rennt zurück zu seinem Auto, offenbar um den Revolver zu holen. Außerdem liegen 200 Schuss Munition im Mercedes.

„Im Büro gab es eine wilde Verfolgungsjagd und ein ehemaliger Mitarbeiter von uns und ein Kunde haben den Typen kurz vor der Beifahrer-Tür seines Cabrios attackiert“, erzählt ein Mechaniker (44), der den beiden mit zwei Kollegen (48 und 20) zu Hilfe eilt. Obwohl sie deutlich in der Überzahl sind, schaffen die fünf es kaum, den hageren Pfleger zu bändigen. „Seine Kräfte waren nicht noral“, sagt der 44-Jährige.

Gemeinsam fesseln sie Bernd G. mit Kabelbinder, doch der reißt sich los. „Wir haben dann mehrmals drumgewickelt, bis es richtig fest war.“ Zu fünft halten sie den Täter fest, bis die Polizei eintrifft. Bis zu diesem Zeitpunkt weiß lediglich der 44-Jährige, wen er da eingefangen hat. Er hat im Radio von dem Amokfahrer im silbernen Cabrio gehört, nach dem im gesamten Kreis Ansbach gefahndet wird. Seine Kollegen hingegen sind ahnungslos. „Wir dachten, es ist nur ein Tankstellen-Überfall“, sagt der 48-Jährige. „Wir hatten unheimliches Glück.

 

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