Udes Premiere in Gillamoos "Gut reden kann er halt"

Ude über den zeitgleichen Besuch von CDU-Chefin Angela Merkel bei der CSU in Anspielung auf CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und dessen Äußerungen zur Eurokrise: „Das ist eine sonderpädagogische Maßnahme für ungezogene Generalsekretäre, die eine Wirtshausschlägerei nicht von internationaler Finanzpolitik unterscheiden können.“ Foto: dpa

Bei seiner Premiere im Gillamoos gewinnt Christian Ude eine neue Wählerin – mindestens

Es schmeichelt ihm. Christian Ude duelliert sich mit Angela Merkel! „Mir ist das recht”, sagt er zur AZ. Zwar will er ja „nur” Ministerpräsident in Bayern werden. Aber eine direkte Auseinandersetzung mit der Bundeskanzlerin auf dem Gillamoos, das kommt dem Selbstbewusstsein des Münchner Oberbürgermeisters durchaus entgegen: „Und Seehofer scheut den direkten Vergleich wie der Teufel das Weihwasser” feixt der Kandidat.


Udes Brust ist wieder etwas breiter geworden in diesen Tagen. Die Umfragen waren ja nicht so donnernd zuletzt. Aber es gelingt dem 64-Jährigen bei seiner Premiere im Gillamoos, das Jungbräu-Zelt gut zu füllen, „2500 Leute”, sieht Ude, tatsächlich dürften es 1000 weniger sein. „Aber so viel wie seit Jahren nicht mehr bei der SPD.” Da hat er recht. Und er hat Kredit bei den Leuten.
„Er is ja ned zwider”, sagt Georg Grabmair aus Landau: Ja, sagt der Rentner, er könne sich schon vorstellen, ihn zu wählen: „I glab, des hamma s’letzte Mal a gmacht – oder?”. Seine Frau nickt.


Ude hat mittlerweile Übung darin, ein Bierzelt zu bespaßen. „Grottenschlecht” werde man von Schwarz-Gelb regiert. Und wenn Barbara Stamm an diesem Tag die Bundesregierung kritisiert wegen der Altersarmut, der bayerische Umweltminister den Berliner Kollegen wegen der Energiewende und wenn Kurt Biedenkopf auf Altkanzler Kohl losgehe, dann komme das einem „Wunschruf” gleich: „Befreit uns von der Regierungslast!”


Im Gillamoos sitzt die Konkurrenz direkt nebenan, und man soll darauf reagieren. Merkels Auftritt sei eine „sonderpädagogische Maßnahme für „ungezogene” CSUler wie Dobrindt und Söder, „die eine Wirtshausschlägerei nicht von internationaler Finanzpolitik unterscheiden können”. Es sei ein „Schmierentheater”, dass die CSU „alles mittrage” beim Thema Euro-Rettung, aber in Bayern so tue, als habe sie damit nichts zu tun. Und: „Griechen raus”, diese Töne erinnerten ihn „an schlimmste Parolen”, sagt Ude. „Wir müssen Missstände bekämpfen, nicht Völker”.
Reden kann Ude, ein mitreißender Volkstribun wird er wohl nicht mehr. Er leistet sich den Luxus, erklärend, fast belehrend zu reden. Das ist lobenswert, aber ein zuverlässiger Stimmungskiller. Nach 70 Minuten gibt’s braven Applaus.


Wie kommt er an? „Ich werd eahm wählen”, sagt Sabine Giel aus Abensberg. Es wäre ihr erstes Mal, sagt die 23-Jährige. Sie war noch nie im Wahllokal.
„Gut reden kann er halt”, sagt Rainer Hüttl: Aber wählen? „Naa”, sagt der Tankstellenbetreiber aus Landau. Der 49-Jährige ist der typische Gillamooser Zelt-Hopper: „Die Merkel hab ich a gehört”, sagt er: „Aber die kann ja gar nix!” Den Stoiber, den hätte er gerne zurück: „Oder no besser: An Strauß”. Es liegt noch Arbeit vor Christian Ude.

 

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