"Ubo 9" Ausstellung im Kulturzentrum: Morbider Charme

Das alte Heizkraftwerk in Langwied von Innen. Foto: Klaus Bichlmayer

Das Kulturzentrum "Ubo 9" in München-Aubing hat sein Einjähriges gefeiert – und stellt Fotos alter Industriebauten im Viertel aus.

Im Münchner Westen stehen zwei monumentale ausrangierte Industriebauten: die Ruine des alten Heizkraftwerks in Langwied und die Hallen der ehemaligen Schlafwagenfabrik in Neuaubing.

Die reizvolle Industrie-Architektur der Schlafwagenfabrik dient ab und zu als Filmkulisse. Derzeit findet an den Wochenenden in einem Teil des Gebäudes der große Antikmarkt von Wolfgang Nöth statt.

Schon seit 30 Jahren steht das Heizkraftwerk Langwied leer. Es regnet durch das Dach. Im unteren Bereich sind die Fensterscheiben eingeschlagen. Der imposante Backsteinbau in der Rupert-Bodner-Straße steht unter Denkmalschutz, verfällt jedoch sichtlich.

"Innen wachsen zwar noch keine Bäume, aber die großen Öfen sind mit Moos bedeckt. Der morbide Charme ist hier mit Händen zu greifen", sagt Klaus Bichlmayer (67). Der Fotograf ist Vize-Vorsitzender des Kulturnetzwerk 22, das den neuen Aubinger Kulturtreff "Ubo 9" trägt.

Neuerdings gibt es mehr Interesse an der Heizkraftwerk-Kulisse: Bevor hier am 18. Oktober 2017 die experimentelle Techno-Oper "Maya" aufgeführt wurde, durfte Klaus Bichlmayer mit seiner Kamera hinein. Er fing die Stimmung in dem verlassenen Industriebau nach einem Regenguss ein: Durch die langen Fenster dringt gutes Licht. Am Boden schillert eine "fotogene Pfütze". Die Wände haben Unbekannte bunt mit Graffiti besprüht. "Die wären eine eigene Ausstellung wert", findet Bichlmayer.

Bandcontest, Poetry-Slam, Frauenkabarett & Co. - Das Programm im "Ubo 9" kommt an

Zusammen mit der Fotografin Cornelia Blomeyer-Bartenstein hat er die Ausstellung "Verschwundene Gegenwart" konzipiert. Denn 2013 hatte sich die Fotografin öfters in die verlassene Aubinger Schlafwagenfabrik geschlichen. In den Hallen in der Brunhamstraße in Neuaubing hielt sie Spuren der Vergangenheit fest: Auf ihren Fotos fixiert sie abstrakte Details, wie den Zauber abgeschabter oder bröckelnder Wandflächen.

Mit der Fotoausstellung über diese Industriedenkmäler im Viertel hat das Aubinger Kulturzentrum "Ubo 9" sein Einjähriges gefeiert. "Wir hatten in einem Jahr über 5.000 Besucher. Das Kulturreferat hat uns bestätigt, dass das ein sehr gutes Ergebnis ist", sagt Bichlmayer.

Das urbane "Ubo 9"-Programm in dem dörflich geprägten Aubing kommt offensichtlich an: Ob Bandcontest, Poetry-Slam, Frauenkabarett, Kindertheater oder Film-Freitage: Das neue Kulturzentrum bietet Kreativen und Kulturschaffenden im Münchner Westen eine offene Bühne. Wer Ideen zum Programm hat, ist willkommen zum Jour Fixe: jeden Dienstag, 18:30 Uhr. Weitere Infos unter www.ubo9.de.


Die Fotos aus der Aubinger Schlafwagenfabrik hängen bis 31. Januar. Die Impressionen aus dem verlassenen Heizkraftwerk sind bis 31. April zu sehen (nur bei Veranstaltungen geöffnet, Ubostraße 9)

 

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