TV-Kritik zum Krimi im WDR "Loverboy": So war Goetz George in "Schimanski"

Schimanski (Götz George) macht der 15-Jährigen Jessica (Muriel Wimmer) klar, welchen Gefahren sie sich aussetzt. Foto: WDR/Uwe Stratmann

Goetz George ist zum 46. Mal "Schimanski". Und der Fall von Rache und Selbstjustiz ist spannend und gelungen. Auch die Musik bleibt im Ohr. Die TV-Kritik.

Mensch, Schimmi, da bisse ja wieder! Zu Götz Georges 75. Geburtstag hat ihm der WDR einen 46. Fall geschenkt – und man muss in guter alter Pott-Proleten-Manier feststellen: In „Loverboy“ retten die Frauen Schimmi den Arsch – darstellerisch gesehen.

Ganz stark: Anna Loos als Mutter eines Mädchens, das aus Liebe zum falschen Mann zur Prostituierten wird. Eine Entdeckung: Muriel Wimmer, die als gerade 19-Jährige eine schwierige Rolle meistert.

Und Schimanski? Schlägt sich tapfer! Zwar geht der TV-Krimi etwas behäbig los, aber das kann ja nicht zuletzt nach dem Schnitttechnik-Sashimi von Dominik Graf auch erholsam sein. So verlebt man mit George zunächst stille Tage im Klischee, freut sich über Pils an Stehtischen, den immer noch fahrtüchtigen Citroen CX und allerlei Ruhrpott-Folklore. Dazu gehören natürlich auch zersplitterte Wohnungstüren und mindestens eine Schlägerei, bei der das gesamte Mobiliar zerlegt wird.

Auch toll, weil mittlerweile so selten: Knackis sehen wie Knackis aus, Kiez-Größen wie Kiez-Größen und Zuhälter fahren Ford Mustang. Nur die Schwuchtel-Sprüche und Homo-Detlev-Gags waren ein bisschen zu viel. So richtig plausibel, warum sich Schimanski auch ohne Dienstmarke durch einem Kriminalfall randalieren darf, wird es zwar nie – aber so erhält der pöbelnde Pensionär ganz nebenbei fast ein bisschen Miss Marple-Charme. Wie sagt Kiez-König Kajewski zu Schimmi: „Der Pott und du – ihr seid nicht für die Rente geschaffen.“

Der ist sich zwar sicher, dass niemand ihn vermissen wird, aber das ist Fishing for compliments. Komplimente verdient auch Muriel Wimmer. Sie wird von ihrem späteren Zuhälter entjungfert – es ist wohl die erste Defloration einer 14-Jährigen an einem Sonntagabend im Öffentlich Rechtlichen. Was einem ebenfalls im Kopf bleibt: die Musik. Das war schon zu „Tatort“-Zeiten ein Kennzeichen des Schimanski-Teams – von Westernhagen über Klaus Lage bis Chris Norman. Diesmal haucht Bryan Ferry diabolisch „Tender Is The Night“ zum zu frühen ersten Mal des Schulmädchen. Und Alex Hepburn röhrt mit „Under“ ihr Lied über eine Liebe, die zerstörerisch ist. Zum Schluss versenkt Schimanski die Tatwaffe, ja, in einem Hochofen! Das haben sie ja gut hinbekommen – Regisseur Kaspar Heidelbach und Schimmi

 

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