TV-Kritik Berliner Tatort: Ein bisschen übers Ziel geschossen

Mark Haessler (re.) gerät in eine Schlägerei. Foto: rbb / Frédéric Batier

Gegen den Kopf: Im Berliner Tatort ermitteln die Kommissare Ritter und Stark gegen jugendliche Schläger im Untergrund. Ein betrüblicher Betroffenheitskrimi im grauen Berlin. Hier gibt's die AZ-Kritik!

 

Es sind beklemmende Szenen, die man fürchtet: Angetrunkene Jugendliche, von denen man nicht genau weiß, ob sie nun halbstark oder sogar lebensgefährlich sind, pöbeln in der Berliner U-Bahn einen Gehbehinderten an. Sie nehmen ihm seine Krücke weg, hantieren obszön mit ihr herum und verlangen für die Rückgabe 30 Euro „Lösegeld“. Wie die wenigen übermüdeten Mit-Fahrgäste im Zug will man auch als Zuschauer am liebsten feige wegsehen – und schämt sich gleichzeitig, dass man nicht mutig genug ist, dem Treiben endlich ein Ende zu bereiten.

Mark Haessler, ein groß gewachsener 38-Jähriger (Enno Kalisch), traut sich: Er blafft die jungen Männer an. Wenig später liegt er tot am Bahnsteig. Natürlich klingen aktuelle Schlagzeilen an – etwa über Berliner U-Bahn-Schläger. Aber der Fall erinnert auch an den Tod von Dominik Brunner, der am S-Bahnhof Solln erschlagen wurde, als er in eine Auseinandersetzung eingriff. Die ganz schnellen Schlüsse und Schuldzuweisungen verkniff sich der Film, der gleich um mehrere Themen kreiste – die alltägliche Gewalt in den Großstädten, die Feigheit von unterlassener Hilfestellung, aber auch die Allgegenwärtigkeit von Kameraaugen, die mal überwachungsstaatlich bedrohlich, dann wieder trügerisch „sicherheitsrelevant“ sein können.

Ein wenig über das hehre Ziel, Zuschauer am Sonntagabend mal wieder aufzurütteln, schoss der Film allerdings doch hinaus, als er sich dann noch halbherzig um Medien-Schelte (kombiniert mit innerpolizeilichen Intrigen) bemühte. Allerdings reicht das Betrübliche in diesem insgesamt sehenswerten Betroffenheitskrimi, der den käsebleichen Kommissar Felix Stark (Boris Aljinovic) und seinen griesgrämig ergrauten Kollegen Till Ritter (Dominic Raacke) wie zwei traurige Holzfiguren durch ein winterliches Grau-in-Grau-Berlin irren lässt, eigentlich auch so aus.

 

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