TSV 1860 Wildmoser junior: „Ich habe mich von ihm verabschiedet“

Das waren noch Zeiten: Karl-Heinz Wildmoser sen. und jun. beim Feiern auf dem Oktoberfest – ein Herz und eine Seele. Foto: dpa

Vier Jahre hatten Vater und Sohn Wildmoser keinen Kontakt. Hier erzählt der Junior vom Besuch in der Klinik– und wer alles erbt.

Von Florian Kinast

Zum Schluss gab es ein Gedicht. Ein Vierzeiler des steirischen Dichters Peter Rosegger (1843 - 1918): „Kein Trübsal und Dunkel, ein bisschen mehr Licht/ kein quälend Verlangen, ein froher Verzicht/ und viel mehr Blumen, solange es geht/ nicht erst auf Gräbern, da blühn sie zu spät.“ So stand es in Karl-Heinz Wildmosers Todesanzeige. Aufgesetzt von der Familie, die am Mittwoch, 4. August, um 15 Uhr im Neuen Teil des Waldfriedhofs mit vielen Trauergästen Abschied nehmen wird vom früheren Löwen-Präsidenten. Der war am am Mittwoch 71-jährig im Klinikum rechts der Isar an den Folgen einer Lungenembolie verstorben. Unterzeichner der Todesanzeige waren Ehefrau Theres und die beiden Kinder. Eva Kasper mit Familie – und auch Karl-Heinz junior, zu dem der Vater nach dem Schmiergeldskandal um die Allianz-Arena 2004 keinen Kontakt mehr hatte. Die AZ erreichte den Sohn des verstorbenen Großgastronoms am Donnerstag am Telefon.

AZ: Herzliches Beileid, Herr Wildmoser. Wie fühlen Sie, einen Tag nach dem Tod Ihres Vaters?

KARL-HEINZ WILDMOSER: Mei, es geht so. Wie es halt so ist. Wir hatten zwar keinen Kontakt mehr die letzten vier Jahre, aber es ist trotzdem der Vater gestorben. Und wenn der Vater stirbt, dann stirbt der Vater. Das ist immer eine dramatische Situation. Ich bin nur froh, dass ich mich noch von ihm verabschieden konnte.

Sie sind noch zu ihm ins Krankenhaus gefahren?

Ja. Als ich von meiner Mutter hörte, dass sich sein Zustand verschlechtert und die Situation dramatisch wird, bin ich in die Klinik gefahren und habe den Moment genutzt, um mich von ihm zu verabschieden.

Sie haben also noch gesprochen miteinander?

Nein. Das war seit Dienstag nicht mehr möglich. Er hat eine Thrombose gehabt, und aus der Thrombose folgte eine Lungenembolie. Dann ist er ins Koma gefallen und war lange Zeit ohne Sauerstoff. Aus dem Koma ist er nicht mehr erwacht. Die Ärzte haben noch versucht, ihn zu reanimieren, aber es ist ihnen nicht mehr gelungen. Mittwoch um 8.40 Uhr ist er gestorben.

Er war tot, als Sie kamen?

Ich bin leider erst kurz danach eingetroffen. Ich habe mich noch lange mit den Ärzten unterhalten, sie haben mir die Situation erklärt. Als ich zu ihm ging, lag er noch im Krankenbett. Aber er war bereits tot.

War es für Sie ein versöhnlicher Abschied?

Es war für mich ein wichtiger Abschied. Das war ein persönlicher Wunsch von mir, darum habe ich es gemacht. Die letzten vier Jahre den Kontakt zu suchen, lag ja nicht an mir. Ich hätte niemals den Kontakt gesucht, den hätte er suchen müssen.

Waren Sie nicht interessiert, sich mit ihm auszusprechen?

Ich wäre nicht eine Sekunde auf die Idee gekommen.

Weil zwischen Ihnen so viel zerbrochen war im Zuge der Schmiergeld-Affäre um die Allianz Arena?

Ja. Da können wir sicher wieder alte Sachen aufwärmen, aber das will ich nicht. Nur, so wie er sich in der Situation verhalten hat, war seiner sicher nicht würdig.

Weil er Sie öffentlich bloß stellte und fallen ließ?

Mei, Sie kennen ihn selbst gut genug, Sie haben ja oft genug mit ihm gesprochen, Herr Kinast. Sie wissen, bei ihm gab es kein größeres Thema als den Selbstschutz, um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Und wenn das zu Lasten Dritter war, mein Gott, dann war das eben zu Lasten Dritter. Das war so ein Wesenszug. Ich habe in der ganzen Geschichte immer versucht, ihn zu schützen.

Was mussten Sie denn schützen? War er mehr verstrickt, als man wusste?

Das ist kein Thema mehr. Das ist lang her, das ist vorbei, es ist auch nicht notwendig, das ganze Thema noch einmal aufzuwärmen. Ich bedaure, dass er gestorben ist, aber das ändert jetzt nichts an meiner grundsätzlichen Einstellung zu ihm. Von meiner Seite aus war es eben undenkbar, den Kontakt mit ihm zu suchen.

Mit Ihrer Mutter aber hatten Sie ja noch Kontakt.

Freilich, das war sowieso eine ganz andere Situation.

Hat sie manchmal versucht, zu vermitteln, Sie beide, ihren Mann und ihren Sohn, zur Versöhnung an einen Tisch zu bringen?

Das hätte sie schon versuchen können, aber es hätte von meiner Seite aus nichts genützt.

Hatten denn Ihre beiden Kinder Kontakt zu ihrem Opa?

Nein. Meine Tochter, die Lisa, die kannte er gar nicht, und den Benedikt, mei, den hat er dreimal gesehen. Das war noch vor der ganzen Gaudi. Na gut, man kann nicht sagen, dass er der herausragende Familienmensch war. Da waren halt andere Sachen einfach mehr im Vordergrund. Die waren für andere ja auch sicher gut. Allein die Situation mit Sechzig. Dafür hat er sich so aufgeopfert und Zeit aufgewendet, da musste ja etwas anderes darunter leiden.

Er war also nicht der Opa, der mit den Enkelkindern auf der Krabbeldecke herumtollt.

Nein, das hat es nicht einmal gegeben. Ich sag ja, der Typ war er einfach nicht. Mich hat das aber auch nicht überrascht, dass ihn das nicht interessiert hat. Ich mag ihm ja nichts Negatives nachsagen, ich will nur seine Wesenszüge schildern. Man redet ja so viel im Nachhinein, was passiert ist. Es gab ja auch eine Zeit vor der ganzen Gaudi, in der wir ganz eng zusammengearbeitet haben, und wenn ich das im Nachhinein betrachte, hätte ich sicher vieles anders gemacht. Diesen Vorwurf muss ich mir selber machen.

Hätten Sie sich früher von ihm abgrenzen müssen?

Ja, einfach deutlicher abgrenzen. Aber das ist jetzt müßig.

War er für Sie früher ein Vorbild?

Logisch, jeder Sohn sieht seinen Vater als Vorbild. Aus heutiger Sicht kann ich weiß Gott nicht sagen, dass er ein Vorbild war. Da ist schon sehr viel falsch gelaufen, da kann ich ihn nicht als Vorbild sehen. Ich muss das runterbrechen auf meine persönliche Situation, auf meine Familie. In so einer Situation, wie sie damals war, hätte es ein Familienoberhaupt gebraucht, das für die Familie da ist, das sich um alle kümmert. Aber das hat er eben nicht so gesehen.

Wissen Sie denn, wie es mit dem Testament aussieht?

Testamentarisch ist es so, dass meine Mutter alles übernimmt.

Sie ist Alleinerbin?

Ja. Das wurde schon vor 30 Jahren so geregelt, und das ist auch in Ordnung. Das ist ein so genanntes Berliner Testament . Wenn ein Ehepartner stirbt, dann bekommt die andere Hälfte alles. Daran hat sich nie etwas geändert. Meine Mutter wird die Geschäfte von meinem Vater weiterführen. Wenn sie Rat und Tat von mir braucht, dann stehe ich ihr zur Seite, das ist natürlich gar keine Diskussion.

Es ist also nicht so, dass er Sie wegen der Allianz-Arena-Affäre enterbt hat.

Meine Mutter war sowieso als Erbin eingesetzt, darum war es mir auch egal. Meine größte Hoffnung, mein größter Wunsch ist einfach, dass meine Mutter gesund bleibt und 100 Jahre alt wird oder noch mehr. Und ganz ehrlich, meinem Vater hätte ich das auch gewünscht.

 

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