TSV 1860: Wie geht's weiter? Die Mär aus 1001 Nacht

Löwen-Investor Hasan Ismaik Foto: sampics/AK

Das Investor-Modell beim TSV 1860 droht zu scheitern: Hasan Ismaik will seine Anteile loswerden – und forderte die Entlassung von Geschäftsführer Schäfer. Die Löwen arbeiten an einem Plan B.

 

München - Es wäre auch zu schön gewesen. Der TSV 1860 als Vorreiter, als erster Klub in Deutschland, der mit arabischen Investoren zusammenarbeitet und beweist, dass dies trotz trotz, oder gerade wegen, der hier gültigen 50-Plus-1-Regelung, wonach die Stammvereine die Mehrheit der Klub-Anteile behalten müssen, erfolgreich funktionieren kann.

Doch rund 18 Monate nach der Anteilsübernahme durch Hasan Ismaik steht das Investoren-Modell bei 1860 vor dem Scheitern. Der Traum vom Aufstieg ist wohl eher eine Mär aus 1001 Nacht. Wie die "SZ" berichtet, soll Ismaik sich längst nach Käufern für seine Anteile umgesehen haben – erfolglos.

Alle weiteren – erst im Mai mündlich zugesagten – Investitionen für den Aufstieg dürften erstmal auf Eis gelegt sein. Die Löwen sind offenbar auch bei ihrem Investor an eine mindestens so große Drama-Queen wie sie selbst geraten.

Der Mann mit den freundlichen Teddybär-Augen, den Präsident Dieter Schneider im Juni 2011 als "verlässlichen und sehr bescheidenen Partner" bezeichnete, hat sich als skrupellos agierender und undurchsichtiger Geschäftsmann entpuppt, der seine Unternehmen nach Gutsherrenart führt und am liebsten jeden feuern würde, der ihm nicht sofort jeden Wunsch von den Lippen ablesen will.

In 18 Monaten hat er schon den Rücktritt Schneiders und zuletzt wohl auch die Entlassung von Geschäftsführer Robert Schäfer gefordert. Sein Berater Hamada Iraki ist von selbst gegangen. Auch Ismaiks englische Anwältin Lori-Ann Campbell, bei 1860 derzeit noch als KGaA-Aufsichtsrätin gelistet, hat ihre Kündigung beim Jordanier eingereicht. Offiziell, weil sie vor kurzem Mutter geworden ist.

Tatsächlich aber soll Campbell längst wieder auf Jobsuche sein. Und auch das Verhältnis zu Mohamed Badawy Al-Husseini, dem Chef des mächtigen abudhabischen Staatsfonds Aabar, soll zuletzt deutlich abgekühlt sein. Al- Husseini hatte einst Iraki und Ismaik zusammengebracht, als jener nach einem Investor für die Löwen suchte.

Später stieg Al-Husseini als Minderheitsgesellschafter beim 1860-Vermarkter HI2 ein, bei dem Iraki weiterhin als Geschäftsführer fungiert. Was dies alles für die Löwen bedeutet, ist schwer zu sagen. Ismaik ist für Schneider seit Wochen nicht erreichbar – und war schon vorher schlecht fassbar.

Auch, dass Ismaik Geldwäsche und Steuerhinterziehung in dreistelliger Millionenhöhe vorgeworfen worden war (die Verfahren wurden mittlerweile eingestellt), erfuhren die Löwen-Bosse vor wenigen Wochen mehr oder weniger zufällig.

Wie geht es weiter? Im Januar, so hat Ismaik Schäfer mitgeteilt, soll eine Aufsichtsratssitzung stattfinden. Dass die Gräben da überwunden werden, ist zu bezweifeln. Schäfer wurde sicherheitshalber bereits beauftragt, einen Plan B auszuarbeiten, wie die Löwen auch ohne Darlehen Ismaiks überleben könnten.

Der Spieler-Etat müsste dafür mindestens wieder um drei Millionen Euro auf sechs gesenkt werden. Außerdem müsste der Klub selbst dann für eine ausgeglichene Bilanz rund zwei Millionen Euro mehr einnehmen als derzeit geplant. Möglich wäre dies etwa durch höhere Zuschauer- und Sponsoring-Einnahmen. Und das mitten in der Finanzkrise.

 

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