TSV 1860 Wettskandal? So wehrt sich 1860

Laut einem Beitrag des ARD-Magazin Fakt sollen zwei Löwen-Spieler an Spielmanipulationen beteiligt gewesen sein. Foto: Gregor Feindt/dpa

MÜNCHEN - Laut DFB gibt es „Hinweise auf möglicherweise beabsichtige Spielmanipulationen“ beim 0:1 gegen Ahlen. Staatsanwalt eingeschaltet. Stoffers: „Wir gehen von der Unschuld unserer Spieler aus“.

 

Manfred Stoffers würde wohl einiges geben, wenn er diesen vermaledeiten 8. Februar 2010 aus seinem Gedächtnis löschen könnte. 0:1 verloren die Löwen gegen Ahlen, mit der unnötigen Niederlage verabschiedeten sich die Löwen endgültig vom vagen Traum vom Aufstieg im Jubiläumsjahr. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, kochten bei einigen Chaoten in der Fankurve die Emotionen über: Es flogen Feuerzeuge, eines davon traf Keeper Sascha Kirschstein, nach dem Spiel attackierten zwei Idioten Schiedsrichter Markus Wingenbach. Und Geschäftsführer Manfred Stoffers musste sich wegen einiger missverständlicher Passagen im Vorwort des Stadionheftes den Vorwurf gefallen lassen, die Aggressionen geschürt zu haben. Der DFB entschied wegen der Vorkommnisse, dass zwei Spielen unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden müssen.

Doch das alle ist nichts gegen das, was den Löwen nun drohen könnte: Ein neuer Wettskandal. Einen Tag nach dem 2:1 gegen St. Pauli gab der DFB bekannt, dass gegen 1860 und Ahlen wegen „möglicherweise beabsichtigten Spielmanipulationen“ ermittelt werden könnte. Der DFB-Kontrollausschuss informierte die Staatsanwaltschaft Bochum, die auch den Ende letzten Jahres aufgekommenen Wettskandal bearbeitet hatte.

Beim verkorksten Spiel gegen Ahlen könnte es zu Manipulationen gekommen sein. Auf das Spiel waren zwar offensichtlich keine außergewöhnlich hohen Summen gewettet worden – der Wettradar hatte nicht angeschlagen - jedoch hätten sich „in der Nachbereitung für den Dienstleister Sportradar (der für DFB und DFL den Wettmarkt kontrolliert, die Red.) nach Rücksprache mit der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ein Hinweis auf eine möglicherweise beabsichtigte Spielmanipulation" ergeben, wie der DFB per Pressemitteilung erklärte.

Am Samstag seien DFB und DFL darüber informiert worden, gestern wurden Ahlen und 1860 informiert. An der Grünwalder Straße wurde man von den DFB-Informationen unerwartet getroffen, in einer ersten Stellungnahme reagierte Stoffers irritiert: „Die Formulierung ist leider so vage, dass wir damit nichts anfangen können“, so Stoffers in einer Stellungnahme. „Eine gute oder schlechte Absicht zu haben, reicht nicht aus, vor allen Dingen nicht, wenn folgenschwere Verdachtsmomente geäußert werden“, schrieb er weiter und fragte: „Ist nun ein Manipulationsversuch unternommen worden oder nicht?“

Das herauszufinden ist nun die Aufgabe der Staatsanwaltschaft. Ob sich der Verdacht gegen Spieler, womöglich auch gegen Löwenspieler richtet, wollten gestern weder DFB noch die Staatsanwaltschaft Bochum kommentieren. Ein Bochumer Sprecher bestätigte auf AZ-Anfrage lediglich den Erhalt des Hinweises. Der DFB will zunächst die Ermittlungen der Staatsanwälte abwarten. „Ich weiß nur, dass der Verdacht aufgetaucht ist. Wir unternehmen im Moment gar nichts gegen die Klubs, weil wir keine Ansatzpunkte sehen", sagte DFB-Chefankläger Toni Nachreiner der AZ.

Bereits das 1860-Spiel in Oberhausen am 6. Dezember war unter Manipulationsverdacht. Damals waren die Spieler vor Anpfiff in der Kabine über den Verdacht informiert worden. Löwen-Spieler standen nicht unter Verdacht. Und nun? Erklärt Stoffers, dass Trainer Ewald Lienen und Sportdirektor Miki Stevic nach Sichtung der Video-Bilder des Ahlen-Spiels keine Anzeichen von Manipulationen von Löwen-Seite hätten erkennen können und der Klub „bis zum Beweis des Gegenteils von der Unschuld“ seiner Spieler ausgehe. Ahlens Pressesprecherin Maren Gosda dagegen erklärte, dass „uns das nicht direkt betrifft, und wir auch ganz andere Sorgen“ hätten. Ob sie damit sagen wollte, das es 1860 betrifft?.

Filippo Cataldo, Oliver Griss

 

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