TSV 1860 vs. Paderborn Die Löwen gegen den Tiger Effenberg

Paderborns Star-Trainer bei der Arbeit: Frustriert, mit euphorischen Jubelsprüngen oder klaren Ansagen: Stefan Effenberg. Foto: dpa(2), firo/Augenklick

Der TSV 1860 muss am Samstag im Kellerduell gegen den SC Paderborn und seinen extrovertierten Star-Trainer Effenberg ran. „Wenn er reinkommt, geht das Licht an“, sagt Löwen-Sportchef Kreuzer

 

München - „Der Mannschaft fehlt es momentan auf dem Platz an echten Typen wie beispielsweise mir“, sagte Stefan Effenberg kürzlich. In den schweren Zeiten, die er als Cheftrainer des SC Paderborn durchleben müsse, inklusive der bitteren 1:4-Pleite zuletzt beim SC Freiburg, brauche es „außergewöhnliche Führungsspieler mit Charakter und Eiern in der Hose“, so Effenberg wörtlich – daher werde er sich im nächsten Spiel gegen den TSV 1860 selbst aufstellen.

Dass sich Effenberg in seinem für Fußballprofis ziemlich greisen Alter (47) nochmal zu einem Comeback bequemt, entspringt nur der Fantasie des Satire-Magazins „Der Postillon“. Richtig ist: Am Samstag (13 Uhr) empfängt Paderborn den TSV 1860. Es ist das Kellerduell Fünfzehnter gegen Sechzehnten, das Aufeinandertreffen der Löwen mit dem „Tiger“.

Da passt es natürlich, Effenbergs Persönlichkeit für den frei erfundenen Bericht heranzuziehen: Der ehemalige Kapitän des FC Bayern ist ohne Zweifel eine der schillerndsten Figuren in Fußball-Deutschland. „Wenn der in Paderborn irgendwo reinkommt, geht das Licht automatisch an – Cheffe-Effe eben“, sagt Löwen-Sportchef Oliver Kreuzer der AZ. Und der muss es wissen: Kreuzer und „Effe“ kickten 1991 bis 1992 gemeinsam für die Bayern. Kreuzer dazu: „Er war als Spieler eine Persönlichkeit und ein unglaublicher Motivator.“

Und ein extrovertierter Kerl, beruflich wie privat. Seine „Freunde-der-Sonne“-Kritik an den Kritikern seiner Leistung? Legendär. Dazu immer wieder grenzwertige Eskapaden. Im September fuhrer er mit 1,4 Promille im Blut vom Oktoberfest mit dem Auto nach Hause – kein Kavaliersdelikt mehr. Und der Führerschein schon zum wiederholten Mal weg. In seiner Autobiografie mit dem vielsagenden Titel „Ich hab’s allen gezeigt“ wirft er seiner Ex-Frau ebenso außereheliche Verhältnisse vor wie seinem Ex-Kollegen Thomas Strunz. Mit dessen Frau Claudia ist Effenberg mittlerweile liiert.

Kürzlich ist das Ehepaar Effenberg nach Paderborn gezogen. Seit 13. Oktober ist der Trainer des Bundesliga-Absteigers. „Ich bin’s wirklich“, scherzte er auf der Antritts-Pressekonferenz, lockte rund 600 Schaulustige zum sonst beschaulichen Training. „Er hatte am Anfang direkt Erfolg, holte acht Punkte aus vier Spielen. Da dachte man: wow“, so Kreuzer. Und Frau Claudia? Die fiebert bei den Heimspielen mit Paderborn-Schal auf der Trübine mit. Mittlerweile ging die Effe-Mania aber etwas verloren: Seit dem 1:7 im DFB-Pokal beim BVB geht’s bergab, zuletzt setzte es die herbe Niederlage in Freiburg, die eine Trainingsfleiß-Diskussion seiner Spieler mit sich brachte.

Und Effe auf die Palme: „Meiner Mannschaft zu unterstellen, dass sie lustlos trainiert, ist eine Frechheit. Mit einer solchen Unterstellung habe ich Probleme“, tobte der Tiger vor dem Duell mit den Löwen, „dass es eng wird, habe ich von Anfang an gesagt. Daran hat sich nichts geändert. Jetzt müssen wir liefern“. 1860 befinde sich nach dem Trainerwechsel zu Benno Möhlmann „im Aufwind“.

Der Löwen-Coach beschäftigt sich nicht weiter mit seinem Kollegen, der unterschiedlicher kaum sein könnte: Hier der erfahrene und pragmatische Fußball-Fachmann, dort der heißblütige Exzentriker. „Ich weiß nicht, ob er ein anderer Typ ist. Er ist auch verheiratet“, scherzte Möhlmann, „ich habe ihn nicht so kennengelernt, um zu behaupten, dass ich ihn mag oder nicht mag.“

Kapitän Christopher Schindler ergänzt: „Ich konzentriere mich auf meine Gegenspieler und nicht auf den gegnerischen Trainer. Klar hat man ihn früher verfolgt, aber jetzt stehen wir auf dem Feld und hoffen, unseren Trend fortsetzen zu können.“ Gegen Effenberg und Co. soll nun der nächste Sieg herausspringen. Dann stünde 1860 erstmals seit dem dritten Spieltag auf einem direkten Nichtabstiegsplatz. Ohne Witz. 

 

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