TSV 1860 Stevic: Die Wutrede

„Ja, ich werde den Verein verlassen“: Keine Vertragsverlängerung für Miki Stevic beim TSV 1860. Foto: sampics/Augenklick

MÜNCHEN - Nach dem 0:1 in Fürth droht 1860 das Mittelmaß. Der Sportchef tobt über ein „Gefühl der Gemütlichkeit – manche sind sich zu gut für das Dreckwetter!“

 

Das Spiel war schon ewig vorbei, die Löwen saßen nach dem schmeichelhaften 0:1 in Fürth längst mit hängenden Köpfen im Mannschaftsbus, doch Sportdirektor Miki Stevic hatte noch ein paar Sätze zu sagen. Erst aber ballte der Serbe seine Fäuste, biss die Zähne zusammen und spannte seinen gesamten Körper an. „So eine Körpersprache will ich auch mal von unseren Spielern sehen“, ätzte er. „Offensichtlich sind einige nicht bereit, sich den Hintern aufzureißen. Wir gehen mit einem Gefühl der Gemütlichkeit in so ein Spiel. Da muss man sich fragen, ob man etwas gewinnen will im Leben oder nicht."

Der 1860-Sportdirektor war mächtig sauer. Die Spielweise, der Einsatz, die Moral und der Fall ins Niemandsland der Tabelle – 1860 ist als Achter acht Punkte von Platz drei und acht Punkte von Rang 16 entfernt – hatten ihm die Laune ordentlich verhagelt. „Ich bin angefressen, wenn man so leichtsinnig Matchbälle herschenkt. Das geht schon die ganze Saison so“, sagte er. Und weiter: „Manche bei uns sind sich zu gut für das Dreckswetter, manche fühlen sich zu toll für so einen Rasen.“ In die gleiche Kerbe schlug auch Keeper Gabor Kiraly ein. „Die Fans fahren bei dem Dreckswetter bis nach Fürth und riskieren sehr viel dabei. Und wir zahlen ihnen das nicht zurück“, ärgerte sich der Ungar. „Wenn von elf Spielern nur sieben kämpfen und vier nicht, dann reicht das nicht. Wir haben liebe und nette Jungs im Team, und genauso haben wir auch gespielt.“

Und so scheint das Ziel, unter den ersten Sechs zu überwintern, schon fast nicht mehr möglich. 21 Punkte haben die Löwen geholt – die zwei Punkte Strafabzug schon eingerechnet: Das ist nicht so schlecht, aber angesichts der konstant erfolgreichen Teams im Spitzendrittel der Liga viel zu wenig. „Es ist extrem, dass so viele Mannschaften schon so viele Punkte haben“, wunderte sich 1860-Trainer Reiner Maurer. Doch zufrieden mit der Leistung seiner Spieler in Fürth war er natürlich nicht. Wie auch?

Ist der Aufstieg 2011 also jetzt schon wieder eine Mission Impossible? „Ich habe die Löwen noch lange nicht abgeschrieben“, sagt zwar Manager Andreas Rettig vom Ligakonkurrenten FC Augsburg, dessen Verein trotz fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen selbst seit Wochen um den Anschluss kämpft. Doch der FCA-Mann betont auch: „Das Niveau da oben ist dieses Jahr enorm gut verteilt. Es war selten so schwer, sich wieder ranzukämpfen.“ In Zahlen ausgedrückt liest sich die Dichte der Topklubs wie folgt: Die ersten Teams – Aue, Duisburg, Hertha, Cottbus, Augsburg und Fürth – haben nach 14 Spielen in der Summe 167 Punkte eingefahren. Zum gleichen Zeitpunkt hatten die ersten Sechs im Vorjahr 159 Zähler, davor waren es 150 (08/09) und eine weitere Saison zuvor 155 (07/08).

„Ich denke nachwievor, dass im Frühjahr noch die ein oder andere Mannschaft einbrechen wird“, sagt Maurer, der das nächste Spiel gegen Hertha BSC am Sonntag (13.30 Uhr, Liveticker auf abendzeitung.de) noch nicht als Schicksalsspiel bezeichnen möchte. „Wir haben noch 20 Spiele. Da bleibt noch viel Zeit, um Punkte zu sammeln und den Abstand zu verkürzen“, sagte Maurer. Ähnlich sieht es auch Kiraly: „Diese Saison ist schon so viel passiert, das Gefühl ist manchmal so, als ob wir schon mitten in der Rückrunde wären. Doch jetzt kommt erst der 15. Spieltag. Die Meisterschaft geht jetzt erst richtig los.“

Marco Plein

 

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