TSV 1860 Stevic: „Aussetzer können wir uns nicht mehr leisten“

Zu oft gingen die Löwen-Profis, hier Jungstar Moritz Leitner (l.), zuletzt nach einem Remis frustriert vom Feld. Foto: sampics/Augenklick

Zehn Mal ungeschlagen und trotzdem zu viele Rückschläge: 1860-Sportdirektor Miki Stevic macht dem Team Druck, muss im Winter erneut Spieler verkaufen und lobt den neuen Geschäftsführer.

 

AZ: Herr Stevic, Sie haben einen Tabellenplatz unter den ersten Fünf bis zur Winterpause gefordert. Aktuell sind die Löwen Achter. Ist 1860 ein Spitzenteam oder etwa doch nur gehobenes Mittelmaß?

MIKI STEVIC: Mit Mittelmaß wollen wir uns alle nicht begnügen. Das weiß hier jeder. Deswegen können wir im Moment überhaupt nicht zufrieden sein mit Platz acht. Wir wollen mehr. Wir müssen nur endlich mal das Quäntchen Glück im Spiel erzwingen, dazu brauchen wir auch noch mehr Schlitzohrigkeit. Aber ich mache mir keine Sorgen. Wir können überall bestehen.

Die Mannschaft ist meistens überlegen, spielt aber oft nur unentschieden. Hat sie zu viele Punkte liegen gelassen?

Ja, und das ärgert mich enorm. Selbstverständlich hat der Punktabzug weh getan, aber wir brauchen uns jetzt auch nicht mehr darüber aufzuregen – das wäre lächerlich. Denn wir selbst haben in den drei Heimspielen gegen Aue, Bielefeld und Frankfurt insgesamt sechs Punkte verschenkt, das ist bittere Realität. Auch in Oberhausen, obwohl wir nur zu zehnt auf dem Platz standen, waren wir klar besser und haben nicht gewonnen. Wenn uns ein Gegner deutlich überlegen ist, kann ich ein Unentschieden, eine Niederlage akzeptieren. Aber wenn man es selbst verschuldet, dann ärgert mich das. Trotzdem will ich mich nicht mit „hätte, wäre und wenn“ beschäftigen. Ich bin Realist. Fakt ist: Wir haben genügend Punkte hergeschenkt. Damit muss Schluss sein.

Worauf ist die fehlende Konsequenz zurückzuführen?

Das wüsste ich auch gerne. Die vielen jungen Spieler können es nicht sein, auch Talente können Ordnung und Taktik beibehalten und doofe Gegentore vermeiden. Wenn man einmal einen Fehler macht, dann ist das okay. Aber wenn man immer wieder die gleichen Fehler begeht, wie zum Beispiel gegen Frankfurt, als drei, vier Mal der zweite Pfosten ungedeckt war, kann man das nicht akzeptieren. Bei uns müssen erfahrene Spieler Verantwortung übernehmen und das Spiel beruhigen. Hauptsache, wir erlauben uns nicht mehr solche Aussetzer. Die können wir uns nicht mehr leisten. Damit macht sich die Mannschaft die ehrliche Arbeit kaputt.

Die Löwen haben zehn Mal nicht verloren und müssten großes Selbstvertrauen haben. Gegen Frankfurt aber schwächte sich die Mannschaft selbst. Hat sie Angst vor dem Gewinnen?

Das kann ich mir nicht vorstellen. Klar gibt es im Leben immer wieder Situationen, in denen man Angst hat, etwas zu verlieren, was man sich erarbeitet hat. Das war hier in der Vergangenheit auch schon mal so, aber diese Zeit ist jetzt vorbei. Die Mannschaft hat genügend Qualität, um bis zur 90. Minute Druck zu machen. Das hat sie auch schon gezeigt. Unser Ziel für die Winterpause bleibt weiterhin, unter die ersten Fünf zu kommen. Dann können wir in der Rückrunde angreifen.

Es ist immer wieder zu lesen, der Kader sei zu groß und zu teuer. Wie reagieren Sie als Sportdirektor darauf?

Ich kann mit solchen populistischen Aussagen nichts anfangen. Wir sind mit 23 Feldspielern in die Vorbereitung gestartet. Dass einige Talente den Sprung geschafft haben, ist doch nichts Schlechtes. Hinter dem starken Kader steckt viel Arbeit. Trotzdem müssen wir im Winter Transfergeld generieren – und zwar ohne Substanzverlust. Die Reduzierung des Kaders ist ein Baustein in unserem Sanierungskonzept.

Seit einer Woche ist der neue Geschäftsführer im Amt, wie klappt die Zusammenarbeit mit Robert Schäfer?

Ich habe mit allen Geschäftsführern gut und eng zusammengearbeitet. Robert Schäfer kannte ich natürlich schon persönlich. Er hat den Vorteil, sich nicht einarbeiten zu müssen. Er ist schon lange hier und kennt den Verein und die Mentalität. Also, um die Frage zu beantworten: Es läuft sehr gut mit ihm.

Hat Robert Niemann auch deswegen aufgegeben, weil er sich in die Mentalität des Vereins nicht einzuarbeiten wusste?

Das müssen Sie ihn schon selbst fragen. Ich respektiere jedoch seine persönliche Entscheidung.

Sie sind seit bald zwei Jahren Sportdirektor. In dieser Zeit haben Sie vier Trainer und drei Geschäftsführer erlebt. Fühlen Sie sich da nicht etwas allein gelassen?

Natürlich erschweren solche Wechsel die Arbeit. Man muss nur schauen, wann 1860 am erfolgreichsten war: Als es keine ständigen Veränderungen und Störfaktoren gab. Jeder Einzelne ist davon betroffen, wenn etwas passiert. Aber das ist die Realität. Wir arbeiten hart und manchmal müssen wir improvisieren, um irgendwann unsere Träume erfüllen zu können.

Interview: Marco Plein

 

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