TSV 1860 Rubin Okotie - das wiedererwachte Torungeheuer

Dreifacher Jubel: Fejsal Mulic (l.) und Christopher Schindler (r.) herzen Dreierpacker Rubin Okotie. Foto: imago

Rubin Okotie erzielt den ersten Hattrick für den TSV 1860 und sagt: „Es geht nicht um meine Person.“ Sportchef Oliver Kreuzer erwartet einen zähen Verhandlungspoker.

 

München - Lange knurrte der Magen des Rubin Okotie. Der einstige Torjäger des TSV 1860 konnte nach seiner Sensations-Hinrunde im vergangenen Jahr (12 Treffer) seinen Torhunger nie mehr so richtig stillen. Verletzungen, Formkrise, Dauer-Druck – all das hinderte den Angreifer seiner Lieblingsbeschäftigung erfolgreich nachzugehen. Jetzt – endlich – ist das Torungeheuer wieder erwacht.

Bei der 4:4-Achterbahnfahrt des TSV 1860 in Paderborn erzielte Okotie einen lupenreinen Hattrick – in nur 26 Minuten. „So ein Spiel habe ich auch noch nicht erlebt“, sagte Okotie, „da machst du drei Tore und drehst das Spiel. Wenn du dann in der 90. Minute noch den Ausgleich kassierst, bist du im ersten Moment natürlich enttäuscht.“ Einen Tag später relativierte er. „Natürlich war es schade, aber wenn man den Spielverlauf sieht, war das okay“, so Okotie über seinen Dreierpack in Unterzahl. „Ich war total ausgepowert und habe natürlich gehofft, es über die Runden zu bringen, dann ist uns halt der Fehler passiert.“ Unter dem Strich blieben neben dem einen Punkt seine Saisontore Nummer drei bis fünf.

Und die waren allesamt nicht irgendwie reingestolpert, sondern der Kaltschnäuzigkeit des Knipsers geschuldet: Beim 2:3 traf der 28-Jährige mit einem platzierten Kopfball-Aufsetzer, den Ausgleich schoss er mit dem rechten Fuß und viel Übersicht unter Paderborns Torwart Lukas Kruse hindurch. Am auffälligsten demonstrierte der Wiener aber beim Führungstreffer zum 4:3, dass er durchaus über die Qualitäten eines Torungeheuers verfügt: Am Mittelkreis stürmte er los, setzte sich im Zweikampf mit Gegenspieler Niklas Hoheneder mit purer Willenskraft gepaart mit seinen fußballerischen Fähigkeiten durch und vollstreckte eiskalt – mit links. Drei Treffer, die nicht nur seinen Torinstinkt, sondern auch seine Vielseitigkeit unter Beweis stellten.

Auf dem Platz der Protagonist, gab Okotie danach nur kleinlaut zu: „Die Tore waren ganz wichtig. Es geht aber nicht um meine Person, sondern darum, als Team erfolgreich zu sein.“ Weder Okotie, noch die Löwen im Kollektiv hatten zu Saisonbeginn Erfolg im Überfluss, danach gab’s für den Stürmer einen leichten Aufwärtstrend zu verzeichnen. Gegen RB Leipzig (2:2) hatte er seinen erlösenden Premierentreffer in der laufenden Zweitliga-Spielzeit erzielt, gegen den Bundesligisten FSV Mainz 05 beim Überraschungssieg im DFB-Pokal (2:1) und letzte Woche gegen den FC St. Pauli (2:0) hatte er nachgelegt.

Nach seinem Dreierpack ist er nun mit fünf Liga-Treffern wieder zum Top-Torjäger der Löwen aufgestiegen, schob sich an Marius Wolf vorbei (drei Treffer). Okotie: „Für mich ist das aber nicht wichtig, sondern dass es für uns alle so weitergeht.“

Zuvor hatte der Stoßstürmer seinen Kernjob satte 1100 Minuten lang verfehlt. Er kenne aber das Geschäft: „Wenn es nicht läuft, wird man kritisiert, das ist ganz normal, wenn man als Stürmer keine Tore macht.“ Darum kam es auch nicht von ungefähr, dass über den Abschied des Stürmers spekuliert wurde, dessen Vertrag am 30. Juni 2016 ausläuft. Zwischen Vertragsverlängerung, Abschied im Winter (letzte Möglichkeit für Sechzig, bei einem Wechsel zu kassieren) und einem ablösefreien Wechsel im Sommer ist theoretisch nach wie vor alles drin. Möhlmann hatte bereits angekündigt, Okotie im Winter nur bei gleichwertigem Ersatz gehen zu lassen.

1860-Sportchef Oliver Kreuzer würde sehr gerne mit Okotie verlängern. „Die Verhandlungen werden sich aber sicher noch hinziehen, und das kann ich auch nachvollziehen“, sagte Kreuzer der AZ und erklärte: „Er ist ein gestandener Spieler, dazu Nationalspieler in Österreich. Wenn du einen wie Rubin halten willst, musst du akzeptieren, dass der Berater jetzt sagt: ‘Könnten wir uns vorstellen, unser erster Ansprechpartner ist Sechzig.’ Wenn nicht klar ist, in welcher Liga du spielst, unterschreibt dir kein solcher Spieler.“ Jetzt lieferte Okotie drei weitere Gründe, um ihn im Reich der Löwen unbedingt zu halten.  

 

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