Der TSV 1860 München muss sich dem Zweitligisten Holstein Kiel in der ersten Runde des DFB-Pokals nach Führung doch noch mit 1:3 geschlagen geben. Karger trifft für die Löwen. "Wir schenken das Spiel einfach weg".

München – Für Sechzigs aktive Fanszene stand schon vorher fest, wer auf Giesings Höhen triumphiert. "Dreifachbelastung uns egal! Die Störche fress ma allemal!", stand auf einem Spruchband in der Westkurve, wo Sechzigs Wappentier im Rahmen einer witzigen Choreographie einen Kieler Storch verfolgte und am Ende erlegte. Die Löwen auf dem Rasen hatten Holstein Kiel ebenfalls an der Gurgel – und ließen wieder los (hier den Liveticker nachlesen).

Durch das 1:3 (1:0) hat der TSV 1860 in der ersten Runde des DFB-Pokals die Sensation verpasst. Die Elf von Trainer Daniel Bierofka ging zwar durch den Treffer von Nico Karger (6.) in Führung, Alexander Mühling per Doppelpack (74., 82.) und Kingsley Schindler (87.) schlugen für den Tabellen-Zweiten der Zweiten Liga nach der Pause zurück. Für Kiel geht’s somit weiter in Runde zwei, Bierofkas Löwen mussten einmal mehr den späten K.o. hinnehmen.

TSV 1860 hintenraus schwach - wie schon so oft

"Das ist scheiße. Wir führen und schenken das Spiel einfach weg. Kiel kann eben auch Fußball spielen, die waren nicht umsonst letztes Jahr in der Relegation“, erklärte Adriano Grimaldi. Daniel Wein ergänzte: "Langsam fehlen einem echt die Worte. Es ist jetzt das vierte Spiel, in dem wir so späte Gegentore kriegen. Mit ein bisschen Glück kriegen wir es über die Zeit. Wir hatten Kiel am Rande einer Niederlage.“

Bierofka stellte seine Elf im Vergleich zum 0:1 in der Liga gegen den KFC Uerdingen um: Stammkeeper Hendrik Bonmann raus, Marco Hiller rein. Zudem verzichtete er auf seinen Doppel-Sturm und opferte Sascha Mölders. Karger kam rein. Und wer sonst als er hätte es sein können, der Sechzig in Führung schießt? Beim ersten Löwen-Konter tänzelte er Abwehrspieler Dominik Schmidt aus, blieb auch vor Kenneth Kronholm cool – und tunnelte den Kiel-Keeper zum frühen 1:0. Giesinger Tollhaus! Der Storch wankte.

Bierofka macht seinen Löwen keinen Vorwurf

Und Karger legte nach: Traum-Kombination über Kindsvater, Grimaldi und Steinhart – wieder drin! Doch Schiedsrichter Sascha Stegemann gab den Treffer nicht, weil Steinharts Hereingabe schon im Toraus war (27.). "Es ist einfach so, dass der Ball ein paar Zentimeter im Aus ist, dass wir das 2:0 einfach nicht machen“, analysierte Bierofka. Kurz vor der Pause hatte allerdings Kiel Pech, da Stürmer Janni Luca Serra nach Zuspiel von Schindler aus spitzem Winkel frei vor Hiller nur das Außennetz traf (40.).

Nach dem Seitenwechsel erhöhte der Favorit den Druck, Sechzig hielt mit Löwenmut und vielen stimmgewaltigen Fans im nicht gänzlich ausverkauften Grünwalder Stadion dagegen. Dicke Chancen gab’s hüben wie drüben zunächst kaum. Dann traf Mühling in der Schlussphase gleich zwei Mal ins Löwen-Herz und setzte den Pokalhoffnungen ein jähes Ende, bevor Schindler den Sack zumachte. Bierofkas Fazit: "Am Ende machen wir auf, da ist das 3:1 dann auch egal. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat alles rausgehauen, aber uns fehlt gegen einen so starken Gegner auch das Spielglück.“ Am Ende waren die Störche eben eine Nummer zu groß für die Löwen.

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TSV 1860 gegen Holstein Kiel im Stenogramm

TSV 1860: Hiller - Paul, Weber, Lorenz, Steinhart - Willsch (64. Böhnlein), Wein, Moll - Kindsvater (84. Ziereis), Karger- Grimaldi (68. Mölders)

Holstein Kiel: Kronholm - Dehm, Schmidt, Wahl, van den Bergh (63. Honsak) - Kinsombi (71. Seydel), Meffert (89. Lewerenz)- J.-S. Lee, Mühling, Serra - Schindler

Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)

Zuschauer: 14.200

Tore: 1:0 Karger (6.), 1:1 Mühling (74.), 1:2 Mühling (82.), 1:3 Schindler (88.)

Gelbe Karten: keine

Für die AZ im Grünwalder: Matthias Eicher & Patrick Mayer

Zum Freuen: Die Sensation lag lange in der Luft.

Zum Ärgern: Schon wieder späte Gegentreffer.

Unsere Helden: Die Pokal-Fighter des TSV 1860.

Ja, mei: Der Storch war halt doch zu stark für den Löwen.