TSV 1860-Präsident Mayrhofer, ein Typ wie Wildmoser: Der Mayrmoser

Per Foto-App "facefusion" vereint: Karl-Heinz Wildmoser und Gerhard Mayrhofer ergeben Karl-Gerhard Mayrhofer. Foto: Rauchensteiner/AK, AZ, facefusion

Der aktuelle 1860-Präsident Gerhard Mayrhofer erinnert immer mehr an seinen prominentesten Vorgänger. Weil er um seine Macht weiß und durchgreift. Den Verkauf Daniel Halfars nach Köln bezeichnet er als Fehler

 

München -  Er wehrt sich nicht gegen den Vergleich, im Gegenteil. Gerhard Mayrhofer fühlt sich sogar geschmeichelt, wenn er mit Karl-Heinz Wildmoser verglichen wird.

Fast zwölf lange Jahre, von 1992 bis 2004, herrschte das altbairische Urviech über die Löwen. Unvergessen bleibt der Durchmarsch des Klubs von der Bayernliga bis in die Qualifikation zur Champions League. Gerne verdrängt wird Wildmosers Großmannssucht, sein gottköniggleiches Auftreten und die Tatsache, dass er einen zutiefst gespaltenen Verein hinterließ, der schon damals an der Schwelle zur Zahlungsunfähigkeit stand.

Dass 1860 nun mehrheitlich Investor Hasan Ismaik gehört, haben die Löwen indirekt auch Wildmoser zu verdanken. „Die Fehler, die gemacht wurden, passierten nicht nur in den vergangenen zwei Jahren, im Grunde muss man bei der Analyse weiter zurückgehen, zehn Jahre, 20 Jahre”, sagte auch Mayrhofer in einem gemeinsamen Interview mit Ismaiks Münchner Vertreter Noor Basha in der „SZ”.

Es ist ein bemerkenswertes Interview. Weil Investor und Präsidium den seit Wochen proklamierten Schulterschluss nochmal öffentlich verstärkten. Und weil Mayrhofer, und da erinnert er an Wildmoser, sehr deutlich sagt, was ihm bei 1860 nicht passt. Da wäre – und allen voran – der Umgang seiner Vorgänger mit Ismaik. „Der Verkauf ist passiert, und am nächsten Tag wurde so getan, als sei er gar nicht passiert. Nun müsse man sich gegen Ismaik aufstellen. Da hat permanente Ausgrenzung stattgefunden”, sagte Mayrhofer. Das ging gegen seinen Vor-Vorgänger Dieter Schneider. Auch der Verwaltungsrat des Vereins, mit Ausnahme seines Vorsitzenden Sigfried Schneider, bekommt sein Fett weg. Mayrhofer hofft nun auf einen gewissen Selbstreinigungsprozess im demokratisch legitimierten Kontrollgremium. „Ich glaube, wir müssen zu einer Haltung kommen, bei der sich bestimmte Dinge von selbst aussortieren”, sagte er.

Während viele 1860-Funktionäre nach Wildmoser eher nach dem Macchiavelli-Prinzip verfuhren, also Zwietracht in den eigenen Reihen säten, um die eigene Macht zu erhalten, sind Mayrhofer solche Spielchen fremd. Weil er, wie einst Wildmoser, sich selbst schon stark genug fühlt – und genug Verbündete hinter sich weiß. „Ich mache nur Dinge, die ich für richtig halte und die ich mit den Menschen meines Vertrauens abspreche”, sagte er. Andererseits soll der Präsident sehr schmallippig werden können gegenüber internen wie externen Kritikern und Mahnern.

Mayrhofer schaut sich die Dinge an, wenn er Schwachstellen entdeckt, grantelt er ein wenig rum, schließlich handelt er. Ex-Trainer Alexander Schmidt und Ex-Geschäftsführer Robert Schäfer haben es zu spüren bekommen. So wird er zu einem Gerhard Mayrmoser, der zu allem und jedem eine dezidierte Haltung hat. Den Verkauf von Daniel Halfar nach Köln – nach Aussage von Sportchef Florian Hinterberger aus Geldnot – nennt er etwa „einen Fehler”. Auf den Einwand, dass man Halfar sonst ablösefrei hätte ziehen lassen müssen, sagt er: „Ist das die richtige Haltung? Das ist doch keine Löwenhaltung. Das ist eine Durchwurschtelhaltung”. Mayrhofer steht eher fürs Durchgreifen.

 

21 Kommentare