TSV 1860 Pater Raß: "Benedikt ist ein Löwe!"

2006 erhielt Papst Benedikt XVI. sein Löwen-Trikot und die Ehrenmitgliedschaft. Foto: privat

Hoeneß will den Papst zum FC Bayern holen. 1860 ist ihm längst zuvor gekommen. Und hat am Mittwoch die nächste Audienz in Rom

 

München - Der 65-Jährige Sebastian Raß ist seit 1976 Priester, seit September Pfarrer in Vilsbiburg mit Schwerpunkt Krankenseelsorge. Im AZ-Interview erzählt Raß über das Verhältnis zwischen dem Papst und dem TSV 1860 München.

AZ: Pater Raß, Uli Hoeneß wünscht sich, dass Papst Benedikt XVI. Mitglied beim FC Bayern wird. Was sagen Sie dazu?

SEBASTIAN RASS: Ich war entsetzt, als ich das gehört habe. Der Papst ist doch seit 2006 schon Ehrenmitglied beim TSV 1860, er ist also Löwe!

Waren Sie damals beteiligt?

Ich habe die Reise organisiert. Der Verein hat Benedikt am 17. Mai 2006 zum Ehrenmitglied ernannt, er hat ein Löwen-Trikot mit der Nummer 16 geschenkt bekommen. Seitdem ist die Reise in den Vatikan zur Tradition geworden.

Am kommenden Mittwoch fliegt die Delegation des TSV 1860 wieder nach Rom. Was ist in diesem Jahr geplant?

Präsident Dieter Schneider wird den Papst treffen, wir haben zwei Plätze in der ersten Reihe bei einer Audienz. Eigentlich war das schon für vergangenes Jahr geplant. Aber da saßen wir auf einmal in Reihe sechs, uns hat eine Empfehlung des Ortsbischofs gefehlt.

Die haben Sie nun?

Wir haben extra bei Kardinal Reinhard Marx angefragt, der ein paar Wochen zuvor beim Spiel der Löwen gegen Paderborn gewesen war. Er trägt übrigens auch den Löwen mit sich: Marx stammt von Markus und der Markuslöwe ist eine bedeutende Heiligenbeigabe.

Was gibt es diesmal für ein Geschenk für den Papst?

Im vergangenen Jahr hat der Verein ihm einen Porzellanlöwen mitgebracht, aber sind ja nicht direkt hingekommen, um ihn zu übergeben. Wir haben ihn dortgelassen und dann ein halbes Jahr später ein Dankesschreiben bekommen. Was dieses Jahr geplant ist, weiß ich allerdings nicht.

Wie kamen Sie eigentlich auf die Idee einer Papstaudienz?

Ich habe früher in Rom gearbeitet und habe deswegen noch gute Kontakte dorthin – bis hin zu Kardinalsekretär Tarcisio Bertone, dem zweiten Mann nach dem Papst. Ich kenne seinen Sekretär sehr gut. Und Bertone ist fußballverrückt, er stammt aus Genua. Deshalb ist er empfänglich für solche Ideen.

Wie würden Sie Ihre Beziehung zu den Löwen beschreiben?

Ich bin kein Fan. Das hat mir der Verein mit wenig Höhen und vielen Tiefen mittlerweile ausgetrieben, dafür habe ich schon zuviel einstecken müssen. Aber ich bin trotzdem mit Leidenschaft dabei, seit 1964. Mitglied bin ich allerdings erst 1995 geworden.

Sie haben den TSV 1860 auch als Geistlicher bei Trauerfeiern begleitet.

Ich habe die Beerdigungen von Rudi Brunnenmeier und auch von Karl-Heinz Wildmoser gehalten. Mit Brunnenmeier hat der Kontakt angefangen: Als ich gehört habe, dass er eine Sozialbeerdigung mit Musik vom Tonband bekommen soll, habe ich mit einem Kollegen angeboten, das zu übernehmen. Wir haben dann gleich noch eine Blasmusik mitgebracht.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage bei den Löwen?

Ich habe da eine etwas differenzierte Meinung: Ich bin sehr froh darüber, dass wir Dieter Schneider haben und er sich so für den Verein engagiert. Aber zum Investoren–Einstieg sage ich: Der Verein sollte für 30 Silberlinge, so wie Judas, nicht sein Gesicht verlieren.

 

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