TSV 1860 nach Pokal-Sieg in Mainz Kowarz: "Die Spieler müssen sich den Jubel vorstellen"

Endlich mal wieder Jubel statt dauerhafter Tristesse: Der TSV 1860 nach dem Pokal-Triumph +über den FSV Mainz 05. Foto: dpa

1860-Interimscoach Kurt Kowarz verrät den Sieg-Trick gegen Mainz. Zum Schicksalsspiel gegen den MSV Duisburg kehrt Chefcoach Benno Möhlmann zurück. Der ist "heilfroh, dass sich der Knoten gelockert hat"

 

München - Jubelnde Löwen-Spieler, die sich in den Armen liegen. Die Mannschaft, wie sie vor den mitgereisten Fans tänzelt. So oder so ähnlich müssen die Szenen ausgesehen haben, die sich Löwen-Interimstrainer Kurt Kowarz vor dem Pokalspiel des TSV 1860 in Mainz vor Augen geführt hatte. Am Ende wurde sie Realität.

Der 2:1-Sieg des TSV 1860 in der Zweiten Runde des DFB-Pokals beim FSV Mainz 05, für  Kowarz war er das Resultat der Lehren aus der 0:1-Ligapleite in Fürth. „Wir haben danach viel geredet, fast ein Teambuilding gemacht. Mit dem einen Ziel: Die elf Spieler auf dem Platz, die sieben draußen, das ganze Trainerteam – alle müssen als Einheit auftreten. Gegen Mainz hat man gesehen, wozu wir dann fähig sind“, sagte Kowarz am Tag nach der Pokal-Sensation.

Der eigentliche Torwarttrainer und Vertreter von Trainer Benno Möhlmann, der am Donnenrstag wieder auf den Platz zurückkehrt, gibt auch den Hobby-Psychologen. „Ich habe mir vor dem Spiel die ganze Zeit die Jubel-Szenen nach dem Schlusspfiff vorgestellt. Und auch versucht, das bei den Spielern zu implementieren: Sie müssen sich den Jubel vorstellen. Das bringt Glauben an sich selbst. Dann können wir Berge versetzen“, erklärte Kowarz fast pathetisch. Seine Überzeugung scheint Wirkung gezeigt zu haben, denn trotz einer gehörigen Portion Glück plus Platzverweis für Mainz muss ein kriselnder Zweitliga-Vorletzter bei einem Bundesligisten erst einmal so eiskalt zurückschlagen. „Der Trainer hat viel mit uns gesprochen, uns gesagt, dass wir an uns glauben müssen, miteinander mehr kommunizieren müssen. Jeder hat verstanden, um was es geht“, sagte Abräumer Milos Degenek.

Und auch eine weitere Maßnahme hat gegriffen: „Alle Entscheidungen, die wir von außen getroffen haben, sind aufgegangen“, verkündete Kowarz stolz. Die Hereinnahme von fünf frischen Kräften, darunter Torschütze Stefan Mugosa? Zahlte sich aus. „Es war für den Kopf sehr wichtig, eine große Erleichterung“, sagte der Montenegriner. Die Einwechslungen Rubin Okotie, der zum Sieg traf, und Maximilian Wittek? Spielentscheidend. „Klar hat Okotie keine Jubelsprünge gemacht, dass er nicht von Beginn an spielt, aber er hat gebrannt, das hat man ihm angesehen. Und Maxi uns mit dem Schlusspfiff den Sieg gerettet“, sagte der 57-Jährige und ließ ausrichten, dass die Aufstellung von Möhlmann kam. Zum Cheftrainer hatte er erst nach dem Spiel Kontakt: „Benno war heilfroh, dass sich der Knoten gelockert hat. Ob er ganz gelöst ist, wird die Zukunft zeigen.“

Das nächste Liga-Spiel der Löwen hat es dabei in sich: Sechzig muss am Sonntag gegen Schlusslicht MSV Duisburg ran – schon eine Mini-Vorentscheidung im Abstiegskampf. Degenek weiß: „Wir haben beide sechs Punkte,  Der Drittletzte hat neun Punkte. Im Leben muss man nur sterben und nackt geboren werden, für alles andere gibt es eine Wahl. Aber für uns gibt es keine Wahl: Wir müssen gewinnen.“

Man muss sich schon fragen, wieso es die Löwen im Pokal schaffen, zwei Bundesligisten zu schlagen, aber in der Liga in zwölf Partien keinen einzigen Zweitligisten bezwingen konnten. Degeneks Erklärungsversuch: „Es ist anders: Beim Pokalspiel geht es nicht um Punkte, es geht um Geld, um Spaß und darum, um eine Runde weiterzukommen. Klar will man Erfolg, aber man spielt ohne Druck. Wenn wir verlieren, sind wir eben ausgeschieden. In der Liga ist das anders.“ Psychologe und Druck-Bekämpfer Kowarz: „Der Sieg muss das Fundament für Duisburg darstellen.“ Damit am Sonntag die nächsten Jubelarien wahr werden.

 

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