TSV 1860 München Zoff nach Disco-Abend: Löwen suspendiert!

Paukenschlag bei den Löwen: Fünf Spieler wurden suspendiert, darunter auch Kapitän Julian Weigl. Foto: imago

Die Löwen-Bosse holen am Tag nach der 0:3-Niederlage gegen RB Leipzig die Peitsche raus. Sportdirektor Poschner verbannt fünf Spieler, darunter Kapitän Weigl und Yannick Stark, zu den Amateuren. Es geht um eine nächtliche Disco-Tour.

 

München -  Es sollte doch alles so vollkommen anders werden in der Ära Ricardo Moniz/Gerhard Poschner/Gerhard Mayrhofer beim TSV 1860. Erfolg sollte her, endlich wieder der Aufstieg ins Oberhaus, dem man seit 2004 vergeblich hinterherhechelt. Professionelle Strukturen sollten Einzug halten. Und Ruhe sollte endlich auch einkehren. Fromme Wünsche, aber eben leider nicht mehr.

Es hat gerade zwei Spieltage mit zwei Niederlagen (2:3 in Kaiserslautern nach einer 2:0-Führung und 0:3 daheim gegen RB Leipzig) gedauert, bis der Verein wieder im allseits bekannten Chaos versinkt. Die neuen Löwen, sie sind die alten Löwen. Am Tag nach der desaströsen Vorstellung des TSV 1860, den Trainer Moniz ja vor der Saison vollmundig als zukünftigen Meister ausgerufen hatte, gegen Leipzig, holten die Löwen-Bosse die Peitsche raus.

Gleich fünf Profis werden degradiert. Keeper Gabor Kiraly, sowie Ersatztorwart Vitus Eicher und die Feldspieler Daniel Adlung, Yannick Stark und der gerade erst zum Kapitän ernannte Julian Weigl werden zu den Amateuren der Löwen zwangsversetzt. Und zwar auf unbestimmte Zeit!

Zudem verdonnerte 1860 die Degradierten zu einer Geldstrafe.

„Die Tür steht für die Spieler offen – in beide Richtungen“

„Diese disziplinarische Maßnahme war notwendig“, erklärte Sport-Geschäftsführer Gerhard Poschner knapp in einer Presseerklärung. Die Entscheidung sei in Absprache mit dem Trainer gefallen. „Es ging um eine Sache, die nichts mit dem Spielbetrieb zu tun hatte. Die Gründe haben wir intern mit den Jungs besprochen und ihnen mitgeteilt, dass sie vorläufig mit der U21 trainieren“, erklärte Poschner vielsagend.

Wie die AZ aus verlässlicher Quelle erfuhr, soll es sich um einen Vorfall am Wochenende vor der Partie gehandelt haben. Vier der degradierten Spieler (nicht Kiraly) sollen um die Häuser gezogen sein. Das Quintett wird aufgrund der Suspendierung auch am Sonntag im Pokal gegen Holstein Kiel nicht im Kader stehen.

„Die Tür für die Spieler ist weiter offen“, sagte Poschner, „aber in beide Richtungen.“ Das heißt in anderen Worten: Es gibt zwar einen Weg zurück, aber es gibt auch einen Weg ganz nach draußen, den endgültigen Rauswurf aus dem Verein. Doch Trainer Moniz sagte auch: „Du kannst miteinander verlieren, aber Respekt ist die Basis für alles.“

Gabor Kiraly: „Natürlich bin ich sehr traurig“

Der jetzt degradierte Kiraly, der im Spiel gegen Leipzig mit dem bisher indisponierten Verteidiger Gary Kagelmacher heftig und handgreiflich aneinandergeraten war, diesen an den zum Zopf frisierten Haaren gezogen hatte, war zu einer öffentlichen Stellungnahme bereit. Bei „Sport1“ äußerte er sich zu seiner Degradierung. „Natürlich bin ich sehr traurig, aber ich muss die Entscheidung akzeptieren.

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Ich will weiter mein Bestes im Training geben“, sagte Kiraly, der seit 2009 bei Sechzig spielt: „Ich denke, wenn jemand gesund ist, trainieren und sich zeigen kann, dann ist es klar, dass man traurig ist. Sicher ist unser Start mit dem neuen Team nicht gut, aber wir müssen schnellstens wieder in die Spur kommen.“

Doch wie soll das klappen? Bei den Löwen, die Vorletzter sind, brennt es lichterloh. Die Doppelpleite zum Saisonauftakt hatte es in der 2. Liga bisher erst einmal – 2008 – gegeben. Jetzt fangen die Löwen wieder an, sich zu zerfleischen.

Trainer Moniz sprach nach dem Leipzig-Debakel davon, dass er sich für die Leistung „kaputtschämen“ würde. Doch auch er selbst ist mit seinen großspurigen Worten („Wir holen den Titel“) schon längst in die Kritik geraten. „Ich weiß, wie es geht im Fußball, das spüren wir jetzt schon“, sagte er im Bayerischen Fernsehen und fügte an: „Wir brauchen Ruhe, das ist in dieser Phase sicher sehr wichtig.“

Wenn so Ruhe bei den Löwen aussieht, dann will man nie erleben, dass es mal wirklich drunter- und drübergeht an der Grünwalder Straße.

 

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