TSV 1860 München Sabine Loderer: Sie zähmt die Löwen

Skeptischer Blick: Sabine Loderer mit 1860-Sportchef Florian Hinterberger an der Grünwalder Straße. Foto: Max Wessing

Sabine Loderer, einst Bundesligaspielerin beim FC Bayern, macht jetzt ein Trainer-Praktikum beim TSV 1860. Hier erzählt die 32-Jährige, wie es sich als Frau an der Grünwalder Straße lebt.

AZ: Sabine Loderer, Sie absolvieren als angehende Fußball-Lehrerin gerade ein sechswöchiges Praktikum bei 1860. Warum die Löwen?

SABINE LODERER: Man muss es bei einem Verein in der ersten oder zweiten Liga absolvieren. Und da ich die Löwen seit Jahren intensiv verfolge und in München wohne, haben sich die Löwen am besten angeboten. Außerdem kannte ich Alexander Schmidt vorher bereits. Er war früher zum Verbandspraktikum im Rahmen seiner Fußballlehrer-Ausbildung für eine gute Woche bei uns auf der Sportschule, wo ich als Verbandstrainerin meinen Arbeitsplatz habe.

Seit Montag schauen Sie dem Löwen-Trainer über die Schulter. Gab es schon den einen oder anderen seltsamen Blick der Mannschaft?

Nein, überhaupt nicht. Alle sind absolut aufgeschlossen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich störe oder dass einige denken: „Oh, eine Frau.“ Zudem habe ich heute den Sportchef Florian Hinterberger kennengelernt und mich gut mit ihm unterhalten. Er hat damals genau wie ich Sport studiert und dann ebenfalls seinen Fußballlehrer gemacht. Er war übrigens damals im gleichen Jahrgang wie Silvia Neid.

Ist es ein Vorteil, dass Schmidt in etwa Ihrer Generation entstammt?

Das hat nichts mit alt oder jung zu tun, sondern mit dem Typ. Alexander Schmidt könnte ja auch einfach sagen: „Ich habe keine Zeit, schau einfach zu!“ Das macht er allerdings überhaupt nicht. Ich kann immer nachfragen, er erklärt es mir dann. Außerdem war es für mich natürlich gut, dass die Löwen am Sonntag diesen Last-Minute-Sieg eingefahren haben. Erfolg hebt die Stimmung immer.

Sie müssen es aufgrund Ihrer großen Erfahrung wissen.

Ich habe 2006 mein Studium beendet, bin nun seit drei Jahren beim Bayrischen Fußball-Verband angestellt und arbeite dort als Verbandstrainerin. Zwischenzeitlich habe ich in der Allianz Arena im Besuchermanagement gearbeitet und war bei einer Eventagentur für Motorsport tätig.

Damals haben Sie auch selbst gespielt – nur einen Steinwurf vom Vereinsgelände der Löwen entfernt.

Ja, seit 1999 habe ich beim FC Bayern gespielt. Deshalb bin ich damals nach München gezogen. Gebürtig komme ich aus Neuburg an der Donau. Ein Jahr später nach meinem Umzug bin ich dann mit Nadine Angerer als Teamkollegin in die Erste Liga aufgestiegen.

Und da können Sie heute problemlos bei den Löwen lernen?

Ich bin nicht die typische Eingefleischte. Und da 1860 ja auch gar keine Frauen-Mannschaft hat, kann in dieser Hinsicht ja auch keine große Rivalität herrschen.

Mit den Löwen haben Sie sich aber nicht wirklich eine Oase der Ruhe ausgesucht.

Ich glaube, hier wird auch sehr viel Stimmung von außen erzeugt, auch wegen des großen Medieninteresses, das bei den Frauen in diesem Maße nicht vorhanden ist. Da kann man sich als Frau schon Dinge erlauben, die bei Männern sofort aufgeschnappt werden würden. (lacht)

Sie selbst haben Ihre Karriere sehr früh beendet. Schon mit 24 Jahren…

Es hat sich nach dem Studium so angeboten, mich neu zu orientieren. Ich hatte eine sehr intensive Zeit als Fußballerin, war schon ab der U16-Nationalmannschaft bis zur U21 dabei. Der Fußball hat sehr viel Zeit in Anspruch genommen, ich war deshalb nicht die typische Studentin. Nach Abgabe meiner Diplom-Arbeit bin ich dann auch ins Ausland geflogen und bin durch Thailand, Australien und Bali getourt. Jetzt aber lebe ich wieder den Fußball.

 

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